Hanspeter Lebrument gewählt!

- Hanspeter Lebrument (Bild) ist am Donnerstag am Jahreskongress des Verbandes Schweizer Presse einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt worden. Der Verleger der Südostschweiz war als einziger offizieller Kandidat ins Rennen gegangen. "persoenlich.com" hat sich mit ihm über anstehende Änderungen im Verband, seinen Führungsstil sowie über die Qualitätsmerkmale eines guten Verlegers unterhalten. Das Interview:

Hanspeter Lebrument, früher galten Sie als Rebell, nun sind Sie Präsident der Schweizer Presse. Werden Sie im Alter umgänglicher?

Ich möchte mich keineswegs mit einem Staatsmann vergleichen, aber in der Tschechoslowakei oder Südafrika wurde auch ein ehemaliger Rebell in das höchste Amt gewählt. Rebellentum beweist doch auch ein grosses Engagement und die Fähigkeit, in gewissen Fragen Widerstand zu leisten. Vielleicht verfolgt man auch die gesetzten Ziele konsequenter, man darf dabei nur nicht in der Minderheit hocken bleiben, sondern sollte Mehrheiten zusammenbringen.

Die NZZ glaubt, dass Ihr Führungsstil härter werde als bei Hans Heinrich Coninx...

Bei einem Führungswechsel gibt es immer Änderungen. Mein Vorgänger Hans Heinrich Coninx wird als Diplomat wahrgenommen, eine Begabung, die mir von vielen abgesprochen wird. Aber das ist nur eine Stilfrage. Coninx hat seine Anliegen immer durchgebracht...

Sie nicht?

Nein, das glaube ich nicht. Aber es wird bei einer unterschiedlichen Interessenlage bestimmt Differenzen -- und auch Schwierigkeiten -- geben. Das ist normal.

Der Verleger der Jungfrau-Zeitung, Urs Gossweiler, bezweifelte in einem "persoenlich.com"-Interview Ihre Glaubwürdigkeit, weil Sie einmal aus dem Verband austraten...

Ich glaube, die Mehrheit hat mich gewählt, weil sie glaubte, ich sei der Richtige. Andere -- wie vielleicht Urs Gossweiler -- sagen, man hätte mich nicht verhindern können. Das Qualitätsmerkmals eines guten Verlegers ist auch die Fähigkeit, Widerstand leisten zu können.

Was ändert sich dann unter Ihrem Regime?

(lacht) Neben meiner Wahl wurde auch das Departementsystem erweitert. Durch die Wahl von Peter Wanner und Josef Zielmann wird die Last des Verbandes nicht mehr auf sieben, sondern neun Schultern verteilt. Die Probleme bleiben aber die Gleichen. Durch unsere Verbandsstruktur, die von Hans Heinrich Coninx vor zwei Jahren eingeführt wurde, können diese aber gelöst werden.

Was sind dann die grössten Probleme?

Zu einen die politischen Vorlagen, die im Parlament diskutiert werden. So der Medienartikel zur Bundesverfassung, der Medienkonzentrationsartikel im RTVG oder die Suche nach einem Ersatz für die verbilligten Posttaxen, die Ende 2007 dahinfallen. Hans Heinrich Coninx macht in Interlaken einen Vorschlag, wie diese Verbilligungen mit direkter Beteiligung der Verlage weitergeführt werden können. Schon bald beginnen die Verhandlungen um einen neuen Gesamtarbeitsvertrag -- dies aber mit unbekanntem Ausgang. Zur Stärkung der inneren Pressefreiheit werden wir Verleger uns verstärkt um den Einsitz in der Presserat bemühen. Die Schweiz ist neben Malta das einzige europäische Land, in welchem dies nicht der Fall ist.

Welche Art von Zeitungen vertreten Sie?

Unser Ziel ist die Einheit der Presse. Ein föderalistisches Staatsbild braucht auch eine föderalistische Presselandschaft. Das Zusammenspiel der verschiedenen Kräfte ist notwendig. Wir benötigen mehr Unterstützung der Kleinen, ohne die Interessen der Grossen ausser acht zu lassen.

Wie wird sich unsere Presselandschaft in den nächsten Jahren radikal ändern?

Nein. Da es sich um gewachsene Strukturen handelt, darf man in der Schweiz nicht fundamentalistisch handeln. Eine pragmatische Politik wie in den achtziger oder neunziger Jahren wäre am vielversprechendsten.

Gerade im Kanton Graubünden gelten Sie als Subventionsempfänger. Gilt dies fortan für die Schweizer Presse?

Dieser Vorwurf ist vollständig falsch. Ein Beispiel: Im Fernsehbereich erhalten vier grosse Deutschschweizer Verlage wie Ringier, NZZ, Jean Frey und Basler Zeitung für ihr PresseTV 12 Millionen Franken aus dem Werbetopf. Das ist die gleiche Summe wie die 20 bis 30 Lokalradios und TV-Stationen in ökonomisch schwierigen Gebieten -- darunter auch wir. Das eine wird wirtschaftlich begründet, das andere abschätzig als Subvention bezeichnet. Es wird mit verschiedenen Ellen gemessen. Erhält die sda 3.2 Millionen Franken vom Bund, so handelt es sich um eine Dienstleistung, bei der Unterstützung von einer Million für die rätoromanische Nachrichtenagentur ist es eine Subvention. An diese Fehlinformationen habe ich mich gewöhnt. Da unsere Presse einen wichtigen Dienst am Land leistet, sollte der Staat auch einen richtigen substanziellen Beitrag leisten. Dies vor allem beim Pressevertrieb. Nun dies erlaubt ein freie und föderalistische Presse.

Wie gross wäre diese Summe?

Ich gehe von 150 Millionen Franken aus. Zum Vergleich: Lokalradio– und TV-Stationen erhalten bis anhin 12 Millionen Franken aus dem Gebührensplitting.

Wie sehen Sie den zeitlichen Aufwand für Ihr neues Amt?

In unserem Betrieb haben wir eine Reihe gute Leute, mit denen ich zwischen 10 und 28 Jahren zusammenarbeite. Da gibt es keine Probleme. Das Alter erlaubt mir nun eine Gesamtsicht wahrzunehmen. Hans Heinrich Coninx hat zwischen 10 und 20 Prozent seiner Arbeitszeit für den Verband aufgewendet, bei mir wird es ähnlich sein. Im übrigen ist der Verband Schweizer Presse eine der wenigen Organisationen, in welcher alle Number One der Szene vertreten sind -- und das erleichtert die Tätigkeit enorm.