Letzte Woche haben 15 Kantonalbanken bekannt gegeben, dass sie ihre Immobilien-Marktplätze unter dem Namen Newhome.ch zusammenschliessen und unter diesem Brand schweizweit 37 000 Objekte anbieten ("persoenlich.com" berichtete). Darüber sind die Schweizer Verleger, die ja in denselben Regionen eigene Immobilienangebote (Online und Print) kennen, "ganz sicher nicht erfreut", sagt Urs F. Meyer, Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Medien (vormals Verband Schweizer Presse). Störend sei nicht die Konkurrenz an sich, sondern dass das Inserieren auf Newhome.ch kostenlos ist. Auch wenn das Angebot der Kantonalbanken an sich nicht neu sei, "ist es doch ein harter Schlag für die Verleger, wenn von der Finanzwelt, die nicht auf Werbeeinnahmen angewiesen sei, ein solches Portal lanciert wird." Gemäss Meyer hat sein Verband bisher aber noch nie gegenüber den Kantonalbanken interveniert.
Tamedia stört sich an Gratisinseraten
Was aber schon vorkam: Dass ein Einzelmitglied des Verlegerverbandes bei den Newhome.ch-Initianten vorstellig wurde. "Homegate.ch und Tamedia stören sich seit langem daran, dass Kantonalbanken (meistens Banken öffentlichen Rechts) die Entwicklung und den Betrieb von Immobilienplattformen über die Werbebudgets quersubventionieren", sagt etwa Heinz Schwyter, Geschäftsführer beim Newhome.ch-Konkurrent Homegat.ch. "Aus unserer Sicht ist dies nicht die Aufgabe einer Bank öffentlichen Rechts oder des Staates. Verschiedentlich hat Homegate.ch und Tamedia dies den betroffenen Kantonalbanken so mitgeteilt", sagt er weiter. Bisher hatten diese aber kein offenes Ohr. "Die Banken sagten uns jeweils, dass sie dieses Instrument benötigten, um Anreize für ihr Hypothekargeschäft zu generieren", berichtet Schwyter. Doch so richtig glauben will er das nicht. Das wäre nachvollziehbar, wenn nur Kaufobjekte angeboten würden, meint er. Tatsächlich seien aber mindestens 50 Prozent aller Kantonalbank-Angebote Mietobjekte. Schwyter: "Darum greift das Argument Hypothekarvermittlung überhaupt nicht. Vor allem aber gibt es keinen Grund, weshalb die Kantonalbank ihre Leistung gratis anbieten sollen."
Homegate.ch: Eine gewisse Ohnmacht
Auch Schwyter bestätigt, dass Homegate.ch bisher bloss auf billateralem Weg intervenierte. Das eher leise Auftreten hat Gründe. Zum einen, weil Homegate.ch - ursprünglich von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) mitbegründet heute noch zu 10 Prozent in ZKB-Besitz ist (den Rest teilen sich Tamedia und Edipresse). Zudem bietet Homegate.ch einen Hypthekenvergleich an in Zusammenarbeit auch mit den Kantonalbanken. Und diese Dienstleistung wird von den Partnerbanken seit Jahren finanziert. "Für sie ist dies ein weiterer Distributionskanal", erklärt Schwyter. Das ändert aber nichts daran, dass der Homegate.ch-Geschäftsführer das Newhome.ch-Gratisangebot nur ungern sieht. "Eine gewisse Ohnmacht besteht schon", sagt er. Und er fügt hinzu: "Wenn die Leistung von Newhome.ch etwas wert ist, dann soll sie doch auch einen Wert haben."
Immoscout24.ch: Historisch gewachsene Kooperation
Dass man bisher den Weg nicht über den Verlegerverband einschlug, hat womöglich noch einen weiteren Grund: Die Branche ist sich nicht einig. Im Gegenteil. Immoscout24.ch zum Beispiel, an dem Ringier indirekt zu 49,9 Prozent beteiligt ist, arbeitet schon seit fünf Jahren auch im Anzeigenbereich mit den Kantonalbanken zusammen. "Ungefähr 50 Prozent der Objekte auf Newhome.ch stammen von uns", sagt Bernhard Bürki, Head of Communication bei ImmoScout24.ch. Das erstaunt, weil Onlineinserate bei Immoscout24.ch einiges und bei newhome.ch nichts kosten. Das funktioniere trotzdem, meint Bürki und zwar so: Kommt ein Kunde via Immoscout24.ch, bezahlt er den normalen Tarif. Will er sein Inserat auch noch via Kantonalbanken (künftig: auf newhome.ch) verbreiten, erhält er diese zusätzliche Reichweite gratis. Kommt der Kunde umgekehrt über eine Kantonalbank, wird er gefragt, ob er sein Inserat zusätzlich zum Gratiskanal auch auf Immoscout24.ch publizieren will, was ihn dann den regulären Immoscout24.ch-Tarif kostet. So oder so für Immoscout24.ch scheint die Rechnung aufzugehen. Bürkis Fazit fällt deshalb kurz und klar aus: "Wir stören uns nicht an dieser historisch gewachsenen Kooperation."
Immostreet.ch: Schweigen und keine Zahlen
Mit Newhome.ch rangieren die Kantonalbanken unter den Schweizer Immobilienplattformen bereits weit vorne hinter Homegate.ch (Tamedia und Edipresse) mit derzeit 52000 aufgeschalteten Objekten und einer monatlichen Reichweite von 636000 Unique User, sowie Immoscout24.ch (Ringier), das aktuell 44 000 Objekten anbietet (inklusive Gewerbeobjekte) und eine Reichweite von 458 000 UU generiert. Ein weiterer grosser Anbieter ist Immostreet.ch, der jedoch keine Reichweiten ausweist. Auf Anfrage teilt er nicht einmal die Zahl der aktuell aufgeschalteten Objekte mit. Gemäss Analysen von Konkurrenten soll Immostreet.ch, bei dem ein Inserat nur etwa ein Fünftel des Immoscout24.ch- oder Homegate.ch-Preises kostet, derzeit aber auf Platz 3 liegen, noch vor Newhome.ch. Bei Immostreet.ch war auch kein Kommentar zum Markteintritt von Newhome.ch erhältlich. (Text: Markus Knöpfli)