Hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden?

Radiomarkt - Radio 24 und Energy Zürich kooperieren erstmals im Werbebereich.

Die sechs führenden Privatradios der Metropolen Basel, Bern und Zürich gründen einen gemeinsamen Radiowerbepool. Der neue Pool besteht aus Radio Basilisk, Radio Basel, Energy Bern, Capital FM, Radio 24 und Energy Zürich. Werbekunden können damit mit einer Buchung die drei wirtschaftstärksten Metropolen der Deutschschweiz, im so genannten Goldenen Dreieck, ansprechen. Gemeinsam erreichen die sechs Partnersender täglich insgesamt 848'000 Hörer. Die dem neuen Pool angeschlossenen Sender haben ihre Verträge mit dem Swiss Radio Pool (SRP) gekündigt.

Diese neue Kooperation kommt einem Paradigmenwechsel in der Radiobranche gleich. Denn noch nie waren die beiden Zürcher Erzrivalen Radio 24 und Energy Zürich (vormals Radio Z) im selben Werbepool. Ob aber wirklich ein neues Zeitalter im Radiomarkt ausbricht, muss sich erst weisen, denn zwei wesentliche Punkt, die letztlich über Erfolg und Misserfolg entscheiden, sind gemäss Pressemitteilung noch offen: Zum einen die Frage, wie die Vermarktung des Pools funktioniert, ob irgendein Vermarkter einen Exklusivzuschlag bekommt und was für Kommissionen den (übrigen) Vermarktern zugestanden werden. Das Zweite: Bleiben die sechs Radios unter sich oder sehen sie sich als Kern eines modulartigen Poolsystems, das offen ist für andere Sender – auch aus der Westschweiz?

Neuer Pool als Basis für eine breitere Zusammenarbeit?

Letzteres scheint der Fall zu sein. "Im Moment beschränkt sich unsere Message darauf, dass wir sechs uns zusammengefunden haben. Was aber dazu gebucht wird und wie, das müssen wir nun erst einmal mit den andern Sendern besprechen", sagt Christian Heeb, Mitinhaber von Radio Basel. Ähnlich klingt es seitens Ringier: "Wir verstehen uns tatsächlich als eine Art Kernmodul. Was sich jetzt aber darum herum formiert, das hängt auch von den andern Sendern ab."

Punkto Vermarktung scheint noch nicht alles in Stein gemeisselt zu sein. Andrea Haemmerli, Geschäftsleiterin Belcom AG, stellt jedoch klar, dass man sich "für ein offenes Vermittlungsmodell entschieden habe. "Jedenfalls wird es keine Exklusivvermarktung geben", sagt sie. Und Büchi meint: "Sie können davon ausgehen, dass wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen." Neue Fehler hingegen könnten nicht ausgeschlossen werden, fügt er schmunzelnd hinzu. Rein organisatorisch steht zudem gemäss Matthias Hagemann, Inhaber von Radio Basilisk, fest, dass für den Pool eine einfache Gesellschaft und für die gemeinsame Clearingstelle eine Aktiengesellschaft gegründet werden.

Letztere werde primär als Buchungsstelle dienen, trete aber auch in eigenem Namen auf, sagt Hagemann. Und sie werde den Sitz bei einem der beteiligten Unternehmen haben. Klar ist auch: Der Pool steht für sich, er lässt sich nicht mit andern Medien im Goldenen Dreieck, etwa mit dem Metropool (Print) oder dem Newsnetz (Online), kombinieren. "Herr Heeb und ich würden uns als verlagsunabhängige Sender sehr dagegen verwahren", sagt der ehemalige BaZ-Verleger.

Kooperation in Bern war Wegbereiter

Stellt sich noch die Frage, weshalb der Swiss Radio Pool (SRP), der aus zwölf Deutschschweizer und zwei Westschweizer Sendern besteht, überhaupt aufgekündigt wurde? Er habe bei Kunden und Agenturen generell eine grosse Unzufriedenheit festgestellt, sagt Hagemann. "Der SRP war aus ihrer Sicht suboptimal und unflexibel." Büchi erinnert aus Ringier-Sicht daran, dass Radio Energy Zürich beim SRP immer ausgeschlossen war, was ein Konfliktpotenzial in sich barg. Die neue Ausgangslage hingegen bezeichnet er als "hervorragend". "Das wird der Branche Aufwind geben", sagt Büchi.

Und was hat die Kooperation zwischen Radio 24 und Energy Zürich ermöglicht? "Vielleicht hat hier ein Generationenwechsel mitgespielt", sagen sowohl Haemmerli als auch Büchi. Zudem habe man festgestellt, dass der Berner Tamedia-Sender Capital FM und der Ringier-Sender Energy Bern in den vergangenen zwei Jahren im Werbebereich durchaus kooperieren konnten. "Diese Erfahrung in Bern hat die Sache sicherlich erleichertert", sagt Haemmerli.

Keine Freude beim SRP

Unglücklich über die SRP-Kündigung und den neuen Pool ist man beim SRP selbst. "Die Kündigung war absehbar, wir sind nicht überrascht", sagt Urs Lorenz, Geschäftsleiter Radio Zürisee Werbe AG und VR-Präsident der SRP-Clearingstelle MediaSense. "Aber ich gebe zu, dass ich dem SRP schon eine Träne nachweine", sagt er. So, wie der SRP seit vier Jahren bestehe, sei er zwar nicht das allerbeste Konstrukt der Radiopool-History, immerhin aber ein Gutes. Lorenz: "Der SRP als Gesamtpool wurde jedenfalls etwa doppelt so oft gebucht wie sein Basismodul, die beiden Basler und Berner Sender, Radio 24 und Radio Pilatus." Im übrigen kritisiert er, dass mit dem neuen Sechser-Pool ein neuer geografischer Schwerpunkt gebildet werde, der im Grossraum Zürich aber an Flexibilität verliere. Denn derzeit könne ja ans SRP-Basismodul wahlweise entweder Radio Zürisee oder Energy Zürich angedockt werden.

(Text: Markus Knöpfli)