Hauptfokus nicht mehr auf den Kosten

Tamedia - Neue Kunden, Marktanteile und Umsätze im Visier.

Tamedia-CEO Martin Kall hat im Interview der Woche in der aktuellen HandelsZeitung dargelegt, dass der Hauptfokus der Restrukturierungsbemühungen nicht mehr auf den zu hohen Kosten liege, dass im Raum Zürich nichts an Tamedia vorbei führe und dass man offen sei für Kooperationen mit anderen Deutschschweizer Verlagshäusern.

Alles was sich bei der Tamedia nicht rechne fliege raus, lautet ein erster Vorwurf der HandelsZeitung, den Kall jedoch nicht gelten lässt: "Dinge, die bei uns nach wie vor eine Perspektive haben und strategisch sehr gut zu uns passen, an denen halten wir fest. Zum Beispiel an Tele Züri oder an Facts", so der Tamedia-CEO. Tele Züri müsse den Breakeven 2005 erreichen. Facts wolle man zwar Zeit geben, aber auch Fortschritte sehen. In diesen Kontext fällt auch die Aussage Kalls: "Punkto Wirtschaftlichkeit haben wir schon Fortschritte gemacht, jetzt müssen wir noch publizistisch ordentlich zulegen."

Auf 30 Mio. Franken wird der Verlust von Tamedia für 2003 geschätzt, was Kall aber nicht dazu verleiten kann, seine Vorgänger im Interview als Versager zu bezeichnen. Stärker als von den Chefs sei man "abhängig von der Werbung, das heisst insbesondere von Rubrikanzeigen wie Immobilien-, Auto- oder Stellenanzeigen". Und genau die habe es am stärksten getroffen. "Genauso", so Kall weiter, "wie es den ganzen Raum Zürich stärker als andere Regionen der Schweiz getroffen hat." Und dass man zu spät reagiert habe und es zu einer Massierung von schwierigen Entscheidungen gekommen sei, sei auch nicht der alleinige Fehler seiner Vorgänger.

Es lässt sich aus Kalls Äusserungen herauslesen, dass die gröbsten Restrukturierungsschnitte überstanden sind. "Nun ist der Hauptfokus nicht mehr auf die Kosten gelegt", so Kall, der weiter konstatiert, dass es 2004 darum gehen werde, "neue Ideen im Werbemarkt zu kreieren". Die Tamedia wolle neue Kunden, Marktanteile und Umsätze gewinnen. "Wir wollen wieder wachsen", lautet Kalls Botschaft.

Dass die Reichweiten des Flaggschiffs Tages-Anzeiger im gesamtschweizerischen Vergleich miserabel sind, beunruhigt Martin Kall nicht, weiss er doch, dass sich das ändern wird, denn: "Der Konsolidierungsprozess im Kanton Zürich hat später eingesetzt und dauert auch länger als andernorts, weil es sich um den mit Abstand grössten Kanton handelt", erklärt Kall. Dass der Tages-Anzeiger trotz Konsolidierung eigenständig bleiben wird, ist für Kall keine Frage. "An uns führt wirtschaftlich und publizistisch in dieser Region kein Weg vorbei".