Heftige Kritik an Hörerzahlen

Radio 105 - Giuseppe Scaglione: "Das ein Affront! Null Hörer gibt es nicht."

Nach der Publikation der Radiohörer-Zahlen von Publica Data, wird immer wieder Kritik an der Messmethode laut. An vorderster Front poltert auch diesmal wieder Giuseppe Scaglione, Geschäftsführer von Radio 105. Er bemängelt im Wesentlichen zwei Punkte: Erstens, dass keine Internet-Zahlen gemessen werden. Und zweitens die ungerechte Verteilung der Radiocontrol-Uhren. "Personlich.com" wollte wissen, was genau Scaglione immer wieder so in Rage bringt.

Herr Scaglione, Radio 105 konnte im zweiten Halbjahr 2010 zulegen wie kein anderer Sender. Da könnten Sie doch jubeln?

Sie haben Recht: Gegenüber derselben Periode des Vorjahres konnten wir um sagenhafte 58 Prozent zulegen. Die Messmethode benachteiligt uns aber derart stark, dass wir nur erahnen können, in welchem Ausmass der Erfolg von 105 sichtbar wäre, wenn Radiocontrol unsere Zielgruppe kompetent erfassen würde.

Sie kritisieren, dass zu wenig Uhren an Junge verteilt wurden. Woher wollen Sie wissen, wer genau diese Uhren trägt?

Ich kenne keinen einzigen Jugendlichen, der je eine solche Uhr getragen hat. Fragen Sie sich doch mal, wie viele Leute Sie kennen, die schon mal die Radiocontrol Uhr getragen haben! In einer eigenen Online-Umfrage haben wir herausgefunden, dass nur 3 Prozent unserer Hörer je eine solche Uhr getragen haben. Wir fragen uns deshalb, wo die restlichen 97 Prozent unserer Hörer bei den neusten Radiocontrol-Zahlen abgebildet werden.

Sie haben die Radiocontrol-Daten also mit einer eigenen Studie verglichen. Was fanden Sie sonst noch heraus?

Bei 14 Prozent der Tage ergaben die Radiocontrol-Messungen auf den ganzen Tag gesehen null Hörer! Dies ist ein eigentlicher Affront, denn NULL Hörer gibt es nicht. Nicht einmal beim schlechtesten Radio der Welt in einem einsamen Fischerdorf. Und wir senden ja im Millionen-Zürich!

Gab es andere besonders bizarre Widersprüche?

Bei 94 Prozent der Tage war die Zielgruppe älter als unsere Kernzielgruppe, nämlich älter als 24 Jahre. Unsere Analyse hat ergeben, dass es bei Radiocontrol nur bei 6 Prozent der ausgewiesenen Tage genügend Uhrenträger unter 24 Jahren hatte. Anscheinend sollen wir immer wieder Hörer mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren haben, z.B. auch in Hip-Hop Sendungen. Das ist lächerlich! Kein Mensch glaubt sowas.

Kommen wir zu Ihrem zweiten Kritikpunkt: Der fehlenden Messung der Downloadzahlen. Wie gross sind Ihrer Einschätzung nach hier die Abweichungen?

Nach wie vor wird z.B. der Radiokonsum via Internet (Streaming) von Radiocontrol nicht erfasst. Dies ist bei einem Jugendsender wie Radio 105 besonders gravierend, da 50 Prozent der Nutzung über das Internet erfolgt. Bereits heute werden die Radiostreams auf www.105.ch 1,32 Mio. Mal pro Monat gehört. Dies sind notariell beglaubigte Streaming-Zahlen. Diese Hörer werden durch Radiocontrol nicht abgebildet. Radiocontrol erfasst somit nur noch den halben Radiokonsum und ist somit nicht repräsentativ.

Welche Methode würde Ihrer Meinung nach das Download-Problem lösen?

Ich bin weder Forscher noch Techniker. Vielleicht wäre ein Wasserzeichen, wie dies im Ausland gemacht wird, die Lösung. Grundsätzlich hat es mich aber nicht zu kümmern, wie das Problem gelöst wird. Die Firma Mediapulse hat vom Staat diesen Auftrag gefasst. Wenn diese Firma dazu nicht im Stande ist, muss eine andere Firma beauftragt werden.

Eine Stellungnahme seitens Publica Data finden Sie hier auf "persoenlich.com".

Interview: eh