"Ein besonderes Verständnis von Journalismus", habe die "Weltwoche". Sie spiele direkt mit Christoph Blocher zusammen und funktioniere dabei "eher als Partnerin, denn nach den klassischen Regeln des Journalismus", so ein ausführlicher Artikel in der aktuellen Ausgabe von "Die Zeit". Die beiden Autoren, Peer Teuwsen und Ralph Pöhner, bemängeln die Arbeitsweise von Roger Köppels Wochenzeitung. Die Kritik: Die "Weltwoche" übertreibe in ihrer Berichterstattung. Sie kalkuliere wagemutig und schreibe "was einer Sache nutzt und nicht das, was tatsächlich ist".
Fehler in der Berichterstattung
Thematisiert werden dabei etwa die inhaltlichen Fehler in der Berichterstattung zur Affäre Hildebrand oder die wochenlange Kampagne gegen die St.Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter. "Die Weltwoche bezichtigte Karin Keller Sutter der Lüge, druckte die Richtigstellungen der St.Galler Behörde nicht oder nur sinnentstellend, nahm eine Interviewgelegenheit nicht an (um dann zu schreiben, sie wolle keine Interviews geben)", schreiben die beiden Autoren.
Zudem kritisieren Teuwsen und Pöhner die Tonalität und den Stil der "Weltwoche". Das Blatt habe mit Begriffen wie "Falschmünzer", "Wendehals", "Gauner" "Totengräber der Demokratie" oder "schäbige CH-Intelektuelle" einen Ton eingeführt, der in der politischen Presse des deutschen Sprachraums zuvor ungebräuchlich war. Ausserdem habe die "Weltwoche" in den Journalismus importiert, "was seit einem Vierteljahrhundert die SVP vormacht: Sie wagt Tabubrüche, sie ist kategorisch, sie behauptet sich im Tonfall der Besserwisserin. Die Präzision hat unter dem politischen Eifer zu leiden".
Autoren sind Ex-Weltwoche-Journalisten
Dass sich Teuwsen und Pöhner derart kritisch geben, lässt aufhorchen. Vor allem deshalb, weil beide früher für die "Weltwoche" schrieben. Pöhner war Wirtschaftschef. Von Peer Teuwsen ist bekannt, dass er lange ein freundschaftliches Verhältnis zu Roger Köppel pflegte vornehmlich damals, als beide gleichzeitig bei der "Weltwoche" gearbeitet hatten: Köppel als Chefredaktor, Teuwsen war von 2007 bis November 2008 Ressortleiter Kultur und Wissenschaft.
"Das Persönliche spielt hier keine Rolle. Ralph und ich haben uns beide im Guten von Roger Köppel getrennt. Wir wollten mit unserem Artikel nur zeigen, welche Rolle die Weltwoche im Politgefüge der Schweiz spielt und dass sie zunehmend ein besonderes Verständnis von Journalismus pflegt", begründet Teuwsen seinen Effort gegenüber persoenlich.com.
Roger Köppel schrieb auf eine Anfrage von der "Zeit": "Die Weltwoche konzentriert sich darauf, politische Missstände aufzudecken, unabhängig der Person und der Partei. Unsere Berichterstattungen sind korrekt. Fehler korrigieren wir, wo vorhanden, umgehend selber. Die von uns aufgedeckten Fälle Zuppiger und jetzt Hildebrand zeigen, wie wichtig eine wirklich kritische und unabhängige Presse ist."
Den vollständigen Text finden Sie auf zeit.de. (eh)