Heikle Tour de France-Berichterstattung

CH-Medien - SF will Euphorie zügeln.

Die Tour de France ist in vollem Gange. Für die heimischen Medien stellt sich die Frage: Soll man über den von Doping-Skandalen begleiteten Grossanlass berichten oder nicht? Und falls ja, wie? Das St. Galler Tagblatt analysiert in der Ausgabe von Freitag, wie es die grössten Schweizer Medien in der heiklen Causa halten.

Am Leutschenbach freute man sich in "Sport aktuell" über den "Husarenritt" des Schweizer Atlethen Fabian Cancellara. Dennoch betont Nök Angehrn, stellvertretender Redaktionsleiter von "Sport live", dass man versuche,die Euphorie etwas zu zügeln. Und: "Unsere Kommentatoren sind sensibilisiert und thematisieren Doping mit dem richtigen Mass", lässt sich Anghern vom St. Galler Tagblatt zitieren.

Radio reduziert Berichterstattung

Beim Radio DRS hat der Radsport indes "an Relevanz verloren", lässt Andreas Notter von der Kommunikationsabteilung ausrichten. Das Radio betreibe dieses Jahr nur eine Art "Grundversorgung" und schickt statt früher zwei diesmal nur einen Mitarbeiter nach Frankreich. Doping und die Glaubwürdigkeit des Radsports dagegen "waren und sind immer wieder Themen in unseren Programmen und sorgen auch intern für Gesprächsstoff", sagt er der Ostschweizer Zeitung.

Schon im Vorfeld der Tour hat sich die NZZ der Doping-Frage befasst: "Was wäre, wenn das Fernsehen ein Jahr lang keinen Radsport zeigen würde?" Es gebe nur eine Massnahme, die das System Doping wirksam erschüttern könne -- "die totale Ausblendung am Bildschirm". Kurz darauf begründet der Wirtschaftsgelehrte Wolfgang Maennig in der selben Zeitung, weshalb "die Medien über eine wichtige Verantwortung für das Dopingproblem verfügen, der sie sich bisher nicht ausreichend gestellt haben". Die NZZ selbst beherzigt diese Kritik durchaus. Der tägliche Rennbericht finde auf knappem Raum Platz, auch wenn Cancellara unterwegs sei, analysiert das St. Galler Tagblatt.

Der Blick jubelt

Was macht der Blick? Seit mit Cancellara ein Schweizer an der Spitze steht, fröne die Tageszeitung ihrer "alten Jubel-Neigung -- als würde kein Schatten auf jedem Fahrer lasten, der vorne mithalten kann". Cancellara stelle man keine kritischen Fragen, dafür dürfe Mannschaftsmanager Marc Biver seine Kritik an den deutschen Medien ausbreiten, heisst es im Tagblatt weiter.

Weit nüchterner verfolge der Tages-Anzeiger das weltweit wichtigste Radsport-Ereignis. Im Vorfeld hat er ein grosses Interview mit dem Dopingexperten Werner Franke geführt, doch seit dem Start suche man vertiefende Eigenleistungen vergebens. "Das Thema Doping wird weiterhin im Vordergrund stehen", erklärt Res Strehle, der stellvertretende Chefredaktor.