Die Quoten von "Traumjob" bröckeln, in der Presse jagt ein Veriss den nächsten. Sind Sie enttäuscht über die Reaktionen zur Sendung?
Es ist nicht wahr, dass die Quoten bröckeln. Die Sendung hat stabile Zuschaueranteile zwischen 22 und 23 Prozent. Auch finde ich nicht, dass die Sendung durchwegs schlechte Kritiken hat. Solange mich Chefredaktoren anrufen, um mir mitzuteilen, dass sie zwar sonst fast nie den TV einschalten, "Traumjob" aber regelmässig schauen, können wir sehr zufrieden sein. Aber natürlich, es gibt durchaus gewisse Aspekte der Sendung, die diskussionswürdig sind.
Die Sonntagspresse fand kaum ein wohlwollendes Wort für die Sendung...
Meine Journalisten-Kollegen haben offensichtlich das Gefühl, beim Schweizer Fernsehen habe sich niemand vertiefte Gedanken über das Sendekonzept gemacht. Dem ist aber definitiv nicht so. Es gibt für fast alles gute Gründe, weshalb die Sendung so ist, wie sie ist. Beispiel: Die Aufteilung in Frauen und Männer in den ersten drei Sendungen macht es für die Zuschauer viel einfacher, die Kandidaten den Teams zuzuordnen, als wenn die Teams gemischt gewesen wären.
Traumjob ist gegenwärtig die einzige von SF DRS produzierte Wirtschaftssendung. Ist das Format nicht mehr als eine "Pfadiübung", wie dies Kritiker behaupten?
"Traumjob" ist keine Wirtschafts-, sondern eine Unterhaltungssendung und deshalb auch in der entsprechenden Abteilung im Hause angesiedelt. Doch bei uns geht es nicht um Musik wie im "Music Star", sondern um die Arbeitswelt. Die Gruppen arbeiten -- wie auch in der Realität -- im Team. Mit den Aufgabestellungen an die Kandidaten bewegen wir uns nahe an der Realität. Dabei wollen wir herausfinden, wie teamfähig die einzelnen Kandidaten sind und inwiefern sie fähig sind, analytisch zu denken. Diese Vorgaben kommen doch sehr genau in unserer Sendung zu Tage. Das Schlagwort "Pfadiübung" ist bösartig und unreflektiert.
Der Sendung wird vorgeworfen, sie bediene geschlechterspezifische Rollenklischees, die nicht stimmen.
Die Frauen hatten es tatsächlich fertig gebracht, dass sie schon am zweiten oder dritten Tag Krach untereinander hatten. Wir waren über diese Eigendynamik auch entsetzt. Uns -- und vor allem auch meiner Kollegin Doris Aebi -- tat dies weh, denn manche negativen Frauen-Klischees wurden damit bestätigt. Ich möchte dabei betonen, dass wir nichts gesteuert oder dramatisiert haben. Die meisten Reiberein dreht sich indes um eine einzige Person. Die ist jetzt ja draussen.
Vielleicht lag es ja an der Selektion der Kandidaten im Vorfeld der Sendung...
Es haben sich 400 Personen für die Sendung angemeldet. Unter den Kandidaten der Altersklasse zwischen 30 und 35 Jahren haben Fachleute die besten ausgewählt. Das Casting wurde dabei ausserordentlich sorgfältig durchgeführt. Externe Experten haben die Kandidaten auch auf ihre beruflichen Fähigkeiten hin durchleuchtet.
Die Sendung zielt nicht auf ein klares Zielpublikum: Wer sich in der Geschäftswelt bewegt, findet das Format zu simpel. Wer sich nicht in der Geschäftswelt bewegt, kann mit dem Marketing-Slang der Sendung nichts anfangen.
Die Sendung findet am Sonntagabend im Bereich Unterhaltung statt. Sie ist kein HSG-Studiengang, vielmehr lebt die Sendung von Emotionen, da spielen sich Dramen im Hintergrund ab. Und diese braucht es auch. Niemand hatte Hoffnung, dass 800'000 oder 900'000 Zuschauer die Sendung sehen würden.
Gegen die Sendung läuft derzeit eine Untersuchung des Bakoms. Die Behörden vermuten unerlaubtes Sponsoring. Weshalb erhalten Unternehmen wie Swisscom oder das Luxushotel Victoria-Jungfrau kostenlos PR-Sendeminuten?
Der Vorwurf, dass geheime Absprachen hinter der Teilnahme der Unternehmen stecken sollten, ist absurd. Wir haben ganz bewusst und absichtlich Firmen für unsere Sendung gesucht. Schliesslich wollten wir keine theoretische Übung veranstalten. Im Übrigen war dies auch in der amerikanischen Version The Apprentice mit Donald Trump nicht anders. So sollte auch die Zusammenarbeit mit Swisscom einzig und allein die realen Anforderungen zeigen, die an das Projekt gestellt werden. Wenn es weitere Traumjob-Staffeln geben wird, werden andere Firmen zum Zuge kommen. Die Wirtschaft findet eben nur in Unternehmen statt.
In der Sendung spielen Sie die rechte Hand von Jürg Marquard...
(unterbricht) ...Halt. Ich spiele nicht die rechte, und Doris Aebi nicht die linke Hand Marquards. Vielmehr sind wir Beiräte. Unsere Aufgabe ist es einzig, Jürg Marquards Gedanken sichtbar zu machen. Uns braucht es, damit Marquard laut darüber nachdenken kann, wen und was er gut findet.
Wäre denn für Sie eine Führungsaufgabe bei Marquard Media ein "Traumjob"?
Wenn man mal 50 ist, wird man hinsichtlich "Traumjobs" zwar etwas realistischer. Dennoch: Im Unternehmen von Jürg Marquard gäbe es für medieninteressierte Menschen in der Tat sehr interessante Aufgaben.
Es fanden aber keine konkreten Gespräche zwischen Ihnen und Herr Marquard statt?
Jürg Marquard sieht in mir als Chefredaktor von Cosmopolitan oder der ungarischen Ausgabe von Playboy wohl nicht die ideale Besetzung. Ich glaube, diese Einschätzung ist durchaus angemessen.
Zuvor waren Sie Chefredaktor der AZ, nun heuern Sie bei der SonntagsZeitung als Wirtschaftskolumnist an. Fürchten Sie angesichts der Inflation von Kolumnenschreibern nicht, im Meer der Meinungsjournalisten unterzugehen?
Personenspezifische Meinungen werden von den Lesern im Allgemeinen geschätzt und dies wissen die Chefredaktoren. Ich fand immer, die SonnntagsZeitung habe bisher zu wenig Meinungsjournalismus betrieben. Offensichtlich will Andreas Durisch dies nun ändern. Dass er dabei an mich herangetreten ist, freut mich. Ich empfinde es als Ehre, in der SonntagsZeitung als Kolumnist schreiben zu dürfen. Neben der Aargauer Zeitung/Mittelland Zeitung wird man mich auch bald regelmässig auf DRS 3 hören.