"Herr Hagemann, Ivo Bachmann ist doch gar kein Basler!"

- Ivo Bachmann übernimmt auf 2004 hin die Chefredaktion der Basler Zeitung. "persoenlich.com" wollte von Verleger Matthias Hagemann (Bild) wissen, warum die Wahl auf einen Nicht-Basler gefallen ist, ob mit dem neuen Chefredaktor auch ein Relaunch ansteht und warum er nach Kooperationspartnern Ausschau hält. Das Interview:

Was hat den Verwaltungsrat der Basler Mediengruppe bewogen, gerade Ivo Bachmann zum neuen Chefredaktor zu ernennen? Seine Wahl liegt ja nicht unbedingt auf der Hand.

Ivo Bachmann hat mit seinen unbestrittenen Qualitäten als Journalist und seinen bekannten Führungsqualitäten überzeugt. Sehr wichtig waren aber auch seine menschlichen Qualitäten.

Die Basler Zeitung ist stark in der Region verwurzelt, Bachmann aber kein Basler. Wie wollen Sie diese Diskrepanz auffangen?

Ich sehe da keine Diskrepanz. In unserer Region sind viele wichtige Funktionen mit Nicht-Baslern besetzt -- denken Sie doch nur an den Direktor des Kunstmuseums, Bernhard Mendes Bürgi, oder Christian Gross beim FCB (lacht). Stark präsent in Führungsfunktionen sind auch Deutsche. Unsere Leser werden Bachmann vor allem an seinen Leistungen messen -- und für diese werden sie ihn gern haben!

Ivo Bachmann hat seit Jahren nicht mehr im Tagesjournalismus gearbeitet. Ein Handicap?

Ich bin überzeugt, dass er allfällige Lücken sehr schnell aufholen wird. Abgesehen davon hat er ja noch genügend Zeit, bei Redaktionen reinzuschauen. Und dann steht ihm ja bei der BaZ auch ein gutes und eingespieltes Team zu Seite.

Apropos Team: In wie weit wird die Ernennung Bachmanns auf die personelle Besetzung der Redaktion Einfluss haben? Bringt er eigene Leute mit?

Es ist noch zu früh für irgendwelche Aussagen in diese Richtung. Er selber hat aber an der Redaktionsinformation von heute morgen erklärt, dass er erst einmal alle Leute und Abläufe kennen lernen wolle, um sich ein eigenes Bild machen zu können.

Die letzte Blattreform der BaZ ist vom Markt nicht allzu gut angenommen worden. Steht nun mit dem neuen Chefredaktor auch ein Neuauftritt ins Haus?

Ja. Geplant ist demnächst eine umfassende Auslegeordnung, auf der im Verlauf vom kommenden Jahr ein umfassender Relaunch fussen soll.

Gemäss den neuen Wemf-Zahlen weist die BaZ die älteste Leserschaft der Schweiz aus. Wo wollen Sie hier den Hebel ansetzen?

Das wird sich in den nächsten paar Monaten weisen. Zur Zeit läuft in unserem Haus eine Untersuchung durch den Medienexperten Gerd Klinner. Da die Resultate noch ausstehen, kann ich mich zu diesem Punkt jetzt noch nicht äussern.

Sie haben sich am letzten Mittwoch am Tag der Baselbieter Wirtschaft in Pratteln für ein Kooperationsprojekt à la "Südostschweiz" stark gemacht. Steht der BaZ das Wasser bis zum Hals?

Selbstverständlich nicht. Ich habe gesagt, dass wir uns in der Nordwestschweiz auf jeden Fall eine selbständige und unabhängige Medienlandschaft erhalten können -- selbst im Alleingang. Sinnvoller wäre es jedoch, über die einzelnen lokalen Medienhäuser hinaus zusammenzuarbeiten -- notabene unter Wahrung der Unabhängigkeit. Das Modell der Südostschweiz, in der jeder Partner unabhängig fungiert, ist in meinen Augen das beste in der Schweiz. Ich werde es denn auch im Hinblick auf die Neulancierung der BaZ im Hinterkopf behalten.

Welche Verleger haben Sie angesprochen? Wie ist das Echo?

Ich habe tatsächlich bereits mit einigen Verlagen aus der Region geredet und bin auf einige offene Türen gestossen. Sie müssen aber eins im Auge behalten: Das hier war erst einmal ein Steinchen, das ich ins Wasser geworfen habe. Ein Steinchen, das als Signal zur Kooperationsbereitschaft zu werten ist. Ob es grosse Kreise ziehen wird, das wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen.