"Herr Heuberger, ist ein Radio, dessen Moderatoren ostschweizer Dialekt sprechen, in Zürich nicht chancenlos?"

- Das UVEK hat Radio Top trotz heftiger Opposition der Nachbarsender für die Zusammenlegung der Konzessionen sowie den Kauf von Radio Thurgau grünes Licht gegeben. Gemessen an der Reicheite ist Radio Top damit schweizweit einer der grössten privaten Sender. "persoenlich.com" sprach mit Günter Heuberger, Geschäftsführer von Radio Top und Präsident des Verbands Schweizer Privatradios, über das Wohlwollen der Behörden gegenüber seinem Sender und über seine Pläne in der Region Zürich. Das Interview:

Der Bund ist einmal mehr Ihren Anliegen nachgekommen. Der Kauf von Radio Thurgau wurde ebenso bewilligt, wie die Zusammenlegung der Konzessionen. Verfügen Sie als Verbandspräsident der Privatradios über den besseren Draht nach Bern als Ihre Konkurrenz?

Nein, in der Ära von Bundesrat Leuenberger ist es nicht mehr möglich Lobbying zu betreiben. Moritz Leuenberger schenkt weder Vertretern der SRG noch jenen der Privatradios sein Gehör. Vielmehr bildet er sich unabhängig seine eigene Meinung. Für mich von Vorteil mag allerdings sein, dass ich im Gegensatz etwa zu Roger Schawinski oder den Vertretern grosser Verlage keinen Background besitze, welcher der eigenen Sache schaden könnte.

Dennoch, Sie scheinen einen Sonderstatus beim Bakom zu besitzen, im Gegensatz zu den Konkurrenzsendern stimmen die Behörden Ihren Gesuchen stets zu.

Auch wir sind mit unseren Anliegen nicht immer durchgekommen. Im TV-Bereich haben die Behörden beispielsweise das Gesuch abgelehnt, dass Tele Top auch in Zürich ausgestrahlt werden darf. Ich bedaure dies sehr, denn Zürich ist der einzige Agglomerationsraum, der nur ein regionales TV besitzt. Während es in Basel und Bern je zwei lokale TV-Anstalten gibt, findet in Zürich kein Wettbewerb statt.

Wie wichtig ist es für Sie, in Zürich Fuss zu fassen?

Die Agglomerationen Winterthur und St. Gallen sind zweifelsohne unsere Hauptsendegebiete. Ganz knapp dahinter folgt jedoch der Raum Zürich, nicht zuletzt auch weil die Entscheidungsträger der Werbung und Vermarktung in Zürich zu Hause sind. Wer da gehört wird, besitzt klare Vorteile.

Radio Top ist gemessen am Sendegebiet wohl das grösste Privatradio der Schweiz, zugleich ist es in der Ostschweiz regional stark verankert. Könnten Sie mit Ihrer Expansionsstrategie nicht ihre Stammhörerschaft verlieren?

Wie erfolgreich wir sein werden, wird sich weisen. Wir wollen jedenfalls kein Zürcher Radio sein. Vielmehr gilt unser Fokus dem grossen Pendlerstrom aus der Ostschweiz in Richtung Zürich. Diese Hörer wollen wir auch in den Büros bei der Arbeit erreichen.

Ist ein Radio, dessen Moderatoren ostschweizer Dialekt sprechen, in Zürich nicht chancenlos?

Ich rechne mir schon Chancen aus, aber an der Tatsache, dass die Zürcher nicht immer Freude am Ostschweizer Dialekt haben und im Übrigen auch die Ostschweizer nicht am Zürcher, kann auch ich nichts ändern.

Sie könnten Zürcher Moderatoren einstellen...

Nein, wir bleiben dem gegenwärtigen Konzept treu, welches vor allem auf die beiden Agglomerationen Winterthur und St. Gallen ausgerichtet ist.

Radio Top ist aus einem Zusammenschluss mehrerer Sender entstanden: Könnte man generell von einer Konsolidierungsphase in der Radiolandschaft sprechen?

Interessant ist, dass die Branche beim Start von Radio Top im Jahre 1998 von einer Konsolidierung ausgegangen ist. Die Behörden haben damals mehrfach signalisiert, dass eine vermehrte Zusammenarbeit, bis hin zu einem Zusammenschluss von schwächeren Lokalradios, gar wünschenswert ist. Für mich ist erstaunlich, dass diese Entwicklung bis heute nicht eingetreten ist. Es zeigt sich vielmehr, dass die Macher der kleinen Radios sehr zäh sind, eine grosse Dynamik an den Tag legen und auch ihr Glaube an die Zukunft Ihrer Sender unerschütterlich ist.