Schibsted zieht sich mit dem Verkauf von 20 Minuten aus der Schweiz zurück. Warum haben Sie diesen Markt aufgegeben?
Weder Schibsted noch die 20min Holding AG geben diesen Markt auf. Die heutigen Besitzer werden bis zum 31. Dezember 2006 eine operative Verantwortung tragen, und der Wert des Unternehmens wird durch die Performance von 20min während dieser Periode bestimmt sein. Tatsächlich ist die Zeitspanne bis zur Übernahme der Kontrolle durch die Express Zeitung AG (knapp vier Jahre) ja länger als jene, die seit Launch des Blatts verstrichen ist (gut drei Jahre).
Im Spiel gegen Tamedia haben Sie Forfait gegeben. Warum bezweifeln Sie, dass 20 Minuten nach Metropol auch Express geschlagen hätte?
Ich stimme nicht überein mit dem Ausdruck "Forfait". Wenn schon, müsste die gleiche Meinung auch für den Express gelten -- es sind beide Parteien davon ausgegangen, dass vereinte Kräfte mehr Sinn machen als ein langer und potentiell zerstörerischer Kampf. Aus diesem Grund haben auch beide rational gehandelt.
Schibsted ist ein finanzkräftiges Unternehmen. Wieso kauften Sie Ihre Investoren nicht einfach aus, falls die sich von ihrem Engagement bei 20 Minuten zurückziehen wollten?
Die Verhandlungen mit Tamedia haben überhaupt keinen Bezug zur Eignerstruktur der 20min Holding AG. Sie fanden wegen der Entwicklungen im Schweizer Markt statt.
Sie haben etwa 70 Millionen Franken in den Aufbau von 20 Minuten Schweiz investiert. Hat sich das gelohnt?
20 Minuten hat sich innerhalb von drei Jahren und unter den seit Jahrzehnten schwierigsten Marktbedingungen zu einer der drei führenden Schweizer Tageszeitungen entwickelt -- wobei während zwei Jahren zudem die intensive Konkurrenz von Metropol bestand. 20 Minuten wird hier bleiben. Ich kenne nicht viele Medienprodukte, die in so kurzer Zeit eine so starke Position erreicht haben. Deshalb: Ja, es war den Preis wert.
Gespräche mit Tamedia über einen Einstieg liefen mindestens seit November. Weshalb hat es bis zur Einigung so lange gedauert?
Die Verhandlungen kommentiere ich nicht.
Verhandlungen liefen unter anderem auch mit Ringier. Woran sind sie gescheitert?
Die Verhandlungen kommentiere ich nicht.
Inwiefern unterscheidet sich die Schweiz von anderen Märkten von 20 Minuten?
In verschiedenen Punkten. Der zeitungslesende Anteil der Bevölkerung ist viel höher als beispielsweise in Spanien oder Frankreich. Die Pendlerströme sind ebenfalls anders, weil das Netz des öffentlichen Transports viel dichter ist. In der Schweiz verteilen wir heute beinahe unsere gesamte Auflage über die Zeitungskästen, in Frankreich sind es etwa 50 Prozent und in Spanien 20 bis 25. Zudem unterscheidet sich der Anzeigenmarkt, weshalb auch unsere Verkaufsstrategie sich unterscheiden muss. Doch es gibt auch Ähnlichkeiten, weil unser Zeitungskonzept, unsere Zielgruppen, unser Distributionskonzept in allen Ländern ähnlich sind.