"Herr Präsident, welches war Ihr grösster Fehler?"

- Endspurt im Kampf um das Weisse Haus. Spätestens am Mittwoch ist klar, wer die USA die nächsten vier Jahre regieren wird. Pünktlich zum Super Tuesday ist die SRF-Moderatorin Christine Maier nach Washington geflogen. Von dort aus wird sie am Dienstagabend eine "10vor10"-Spezialsendung präsentieren. persoenlich.com hat sich kurz vor ihrem Abflug mit ihr unterhalten und wollte unter anderem wissen, mit welchen Fragen sie die Kandidaten Obama und Romney löchern würde. Das Interview:

Frau Maier, Sie reisen für eine Sondersendung von "10vor10" pünktlich zu den Präsidentschaftswahlen nach Washington. Wie ist diese Idee entstanden?

Da die US-Präsidentschaftswahlen eines der wichtigsten politisches Ereignis dieses Jahres sind, war für 10vor10 klar, dass wir diesem Ereignis auch einen grossen Platz einräumen. Wir bringen im Vorfeld eine fünfteilige Serie zum Thema "die entzweiten Staaten von Amerika". Am Wahltag selber sowie am Tag danach bin ich als Moderatorin live vor Ort in Washington und wir produzieren ein verlängertes "10vor10" mit Gästen und Beiträgen.

Besteht in der Schweiz tatsächlich ein übermässiges Interesse an den US-Wahlen, welches die diversen Sondersendungen von SRF rechtfertigt?

Ich bin davon überzeugt, dass das Interesse an diesen Wahlen sehr gross ist. Vielen ist klar, dass wir vor einer Schicksalswahl stehen, vor einer Richtungswahl. Die Schweiz ist eng – auch wirtschaftlich - mit den USA verknüpft, der Steuerstreit zum Beispiel ist auch noch nicht gelöst. Es kann unserem Land nicht egal sein, wer die USA in Zukunft regiert. Jetzt ist das Interesse zusätzlich gestiegen, seit klar ist, dass der Wirbel-Sturm "Sandy“ den Ausgang der Wahlen beeinflussen kann.

Inwiefern hat der Supersturm Sandy ihre persönlichen Vorbereitungen durchgewirbelt?

Bis jetzt scheint alles zu laufen wie geplant. Ich hoffe jetzt, dass wir bezüglich Live-Technik die Sendung so produzieren können, wie wir das vorgesehen hatten.

Mit was für einem Gefühl fliegen Sie nach dieser Katastrophe in die USA? Was erwarten Sie vor Ort?

Ich fliege mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ich mich sehr auf die Sendung und darauf, live vor Ort sein zu können bei dieser Wahl. Andererseits habe ich im Moment keine richtige Vorstellung davon, wie sich Washington nach dem Sturm präsentiert.

Wie haben Sie sich auf das Spezial-"10vor10" in den USA vorbereitet?

Ich habe Vorgespräche mit den Gästen geführt, den Rest erledige ich vor Ort.

Wie haben Sie den diesjährigen Wahlkampf bis jetzt wahrgenommen?

Seit den TV-Debatten ist er richtig in Schwung gekommen. Aber auch schon vorher haben sich die Kandidaten vor allem in den Werbespots nichts geschenkt. Da wird übertrieben, beschuldigt, da werden hemmungslos Fakten zurechtgebogen. Es ist unglaublich, aber ehrlich gesagt auch sehr unterhaltsam - trotzdem bin ich froh, dass diese Art von Wahlkampf bei uns nicht erlaubt ist.

Wie heisst der künftige Präsident der Vereinigten Staaten?

Ich weiss es nicht. Es würde mich aber nicht wundern, wenn Obama jetzt – "dank" Hurrikan Sandy - als Commander in Chief die bislang Unentschlossenen auf seine Seite bringen würde. Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey, hat sich begeistert über Obama als Krisenmanager geäussert. Wenn man weiss, dass Christie ein hartgesottener Republikaner ist und bislang keine Gelegenheit ausgelassen hat, um Obama an den Karren zu fahren, ist das schon ein beachtliches Zeichen.

Wenn die beiden Kandidaten dem SRF einen Besuch in Ihrer Sendung abstatten würden und Sie die Gelegenheit hätten beiden eine Frage zu stellen. Wie würde diese lauten?

Falls noch nicht klar ist, wer gewonnen hat: Obama: "Welches war ihr grösster Fehler während der letzten vier Jahre?" Romney: "Was wäre ihre erste Amtshandlung, falls Sie Präsident würden.“

Sie haben einmal in den USA gelebt. Sind Sie ein USA-Fan?

Nein, ein Fan bin ich nicht, aber ich mag New York, mir gefallen die unterschiedlichen Landschaften zwischen Ost und West, die Küsten der Neuenglandstaaten und ich habe gute Freunde in Amerika.

Sie werden nach den Wahlen noch ein paar Tage vor Ort bleiben. Was werden Sie dann unternehmen?

Weil ich noch nie zuvor in Washington war, werde ich mir diese Stadt genauer anschauen.

Mit welcher der beiden First-Ladies würde Sie lieber auf Shoppingtour?

Mit Michelle Obama. Ich hab das Gefühl, sie hat mehr Humor als Frau Romney. Und einen witzigeren Kleiderstil.

Interview: Corinne Bauer