"Herr Pünter, hat SF DRS einen Trend verschlafen?"

- Bei SF DRS laufen die Vorbereitungen für das neue Boulevardmagazin "Glanz & Gloria" auf Hochtouren. Zur Zeit sind als Aushängeschild noch neun Kandidatinnen und Kandidaten im Rennen. "persoenlich.com" wollte von Redaktionsleiter Daniel Pünter wissen, mit welcher Art von Boulevard sich "Glanz & Gloria" positionieren will, wo die Unterschiede zur ausländischen Konkurrenz liegen und warum SF DRS erst jetzt auf die People-Schiene aufspringt. Das Interview:

Herr Pünter, Sie stehen mitten in den Castings für die neuen Moderatorinnen für "Glanz & Gloria". Wer wird das Gesicht Ihrer Sendung?

Das ist noch offen. Es sind noch neun Kandidatinnen und Kandidaten im Rennen, die meisten davon Frauen. Die Bandbreite ist dabei sehr gross, die Jüngste ist 26, die Älteste 41. Von der Südländerin bis hin zum nordischen Typ "Wikinger" ist alles dabei. Welches Gesicht wir schliesslich auswählen, hängt davon ab, wie das Konzept der Sendung aussehen wird. Wir nehmen uns deshalb so viel Zeit für die Selektion, weil das neue Gesicht der Sendung ihren Stempel aufdrücken wird.

Wird die Auserwählte ein bekanntes Gesicht haben?

Nein. Die Kandidatinnen weisen im Gegenteil alle nicht allzu viel Erfahrung im Moderieren auf. Es sind keine Gesichter in der Selektion, die man kennt, auch keine Ex-Missen. Vielmehr wollen wir ein neues Gesicht aufbauen. Wir haben mit Monika Schärer, Ivana Imoli und Martin Boner im Redaktionsteam ja schon drei Personen, die über einen hohen Bekanntheitsgrad und über Moderationserfahrungen verfügen.

Claudio Zuccolini, mit dem Sie ja schon bei Tele24 zusammengearbeitet haben, wurde als heisser Kandidat für Ihre Sendung gehandelt...

Zuccolini benutzt eine eigene Sprache und versteckt als Moderator die Informationen in Comedy. Während wir uns bei Tele24 für ihn entschieden, passt Zuccolinis Stil jedoch weniger gut zum Konzept von "Glanz & Gloria".

Sat.1 Schweiz fährt schon länger auf der People-Schiene, SF DRS steigt erst jetzt auf. Wurde da ein Trend verschlafen?

Ich habe mit "Inside" auf Tele24 das erste People-Format der Schweiz geleitet. Schon damals hatte ich ein positives Feedback von SF DRS erhalten, auch wenn das Boulevard-Magazin so konventionell war, wie im Fernsehen nur möglich. Nun hat sich auch SF DRS für ein People-Magazin entschieden und ich bin der Ansicht, dass SF DRS heute ein Gesellschaftsmagazin verdient. Wir steigen nicht zu spät auf.

Das Programm von SF DRS gleicht sich immer mehr den ausländischen Privatsendern an -- auch Ihre Sendung ist Ausdruck dieser Entwicklung. Inwiefern wird sich "Glanz & Gloria" von den Boulevard-Formaten der ausländischen Konkurrenz unterscheiden?

Die Bandbreite im People- und Gesellschaftssegment ist gross, vieles ist möglich. Ich glaube, dass wir uns als Fernsehsender mit öffentlichem Auftrag mit diesem People-Magazin durchaus von unserer Konkurrenz abheben werden -- vor allem auch, indem wir Schweizer Themen aufgreifen und diese qualitativ gut umsetzen. Auch wenn es hierzulande keine Aristokratie gibt und nicht so oft der rote Teppich ausgerollt wird wie andernorts, haben wir doch auch interessante Persönlichkeiten, über die wir berichten können.

Wird "Glanz & Gloria" sich eher im gehobenen Boulevard positionieren, oder sich vielmehr in dessen Niederungen bewegen?

"Glanz & Gloria" wird sicherlich kein "Exklusiv" (RTL) sein. Aber auch Nina Ruge und ihre Sendung "Leute heute" auf ZDF besitzen für mich keine Vorbildfunktion. Vergleiche mit der Konkurrenz sind davon abgesehen unangebracht. Wir möchten etwas Eigenständiges produzieren, das unseren hohen Qualitätsansprüchen genügt. Auch wenn wir wissen, dass auch wir das Rad nicht neu erfinden können.

Mein Eindruck ist, dass Sie als öffentlich-rechtlicher Sender eine gehobene Boulevard-Sendung machen wollen.

Wir werden ganz bestimmt nicht jene sein, die Fiona Hefti unter die Bettdecke schauen wollen. Wir werden solche Boulevard-Themen also nicht aktiv angehen.

Herr Haldimann sähe Ihr Magazin am liebsten in der Nähe der ORF-Produktion "Seitenblicke"...

Darauf werde ich immer wieder angesprochen. Die Art und Weise wie "Seitenblicke" über die östereichische High Society berichtet, finde auch ich äusserst attrakiv. Erzählfluss, Witz und Kameraarbeit sind von aussergewöhnlicher Qualität. Um zu "Glanz und Gloria" zurückzukehren: Mir ist wichtig, dass wir eine eigene Sprache entwickeln, die sich nicht nur gegenüber der Konkurrenz, sondern auch gegenüber anderen SF DRS-Sendungen abgrenzt. Heute sind die People-Geschichten bei SF DRS über diverse Sendungen wie etwa "Quer", "10vor10", "Kulturplatz" und auch die "Tagesschau" verteilt. Wir werden People-Geschichten künftig in "Glanz und Gloria" in einer dem Magazin entsprechenden Sprache erzählen. Wir feilen bis ins Letzte an der Tonalität unserer Beiträge, am Aussehen des Auftritts und der Wahl der Moderatoren. Schliesslich soll "Glanz & Gloria" ein intelligentes Boulevard-Magazin sein.

Sie gehen eine enge Partnerschaft mit der Schweizer Illustrierten ein. Nehmen Sie diese nicht als Zwangsjacke wahr?

Nein. Wie die Partnerschaft im Detail aussehen wird ist auch noch weitgehend offen.

Das Sat.1-Schweiz-Format "People" blieb mit seiner Quote unter den Erwartungen. Woher nehmen Sie die Zuversicht, dass Ihre Sendung mehr Erfolg haben wird?

Wir haben ein gutes Team und SF DRS ist ein sehr starker Brand. Davon werden wir profitieren.

Ostern und damit der Sendestart von "Glanz & Gloria" steht schon bald vor der Türe. Mir scheint Ihr Sendeformat noch nicht ganz ausgereift.

Doch. Unsere Stossrichtung ist klar. Wir werden zudem in der Lage sein, unsere täglichen Sendung laufend optimieren können. Formal steht die Sendung und ausser der Moderation ist alles geregelt. Auch Inhaltlich steht das Gerüst. Anfang März können wir bereits mit den Pilotsendungen beginnen und die Moderation mit der Sendung abstimmen.

(Interview: David Vonplon).