Herr Ruckstuhl, worin unterscheidet sich Virus noch von einem Nonstop-Musikprogramm?
Die Primetimes morgens und abends sind weiterhin moderierte Strecken. Es gibt sehr viel Interaktion mit den Hörerinnen und Hörern durch den Tag, wir bringen stündliche Nachrichten und zahlreiche Hintergrundberichte sowie "added values" im Internet.
Weshalb die Verschlankung des Programms?
Im Sommer wurde ein Sparentscheid gefällt. Aufgrund des Stellenabbaus waren wir gezwungen, die Programmstruktur zu überarbeiten. Wir haben uns entschieden, keine eigenen Nachrichten mehr zu produzieren, sondern die gleichen Nachrichten, wie sie für DRS 3 produziert werden, zu übernehmen. Zusätzlich beschlossen wir, vor allem im journalistischen Bereich verstärkt Synergien mit DRS 3 zu nutzen und zugleich in den Online-Bereich und die Interaktivität zu investieren.
Wo trägt der Programmumbau bereits Ihre Handschrift?
Schwierig zu sagen. Die grossen Entscheide fielen schon, bevor ich die Programmleitung innehielt. Ich habe lediglich einige Korrekturen in der Feinjustierung vorgenommen.
Welche Korrekturen?
Ich konnte insbesondere noch Einfluss nehmen darauf, wie die Zusammenarbeit von Virus mit DRS 3 aussehen wird und welche Synergien genutzt werden können. Ausserdem habe ich zusammen mit dem Leiter Virus, Daniel Schneider, noch definitive Entscheide in Bezug auf einzelne Sendungen gefällt.
Sie sprechen stets von den Synergien zwischen den beiden Sendern. Inwiefern ist Virus mehr als nur ein Zweitverwertungskanal der DRS 3-Inhalte?
Virus sucht eigene Zugänge zu den Themen und legt einen ganz spezifischen Fokus auf die einzelnen Themen. Ein DRS 3-Reporter wird für VIRUS andere Fragen stellen, als für sein Programm. Ausserdem setzt Virus sehr stark auf die Interaktion mit den Hörerinnen und Hörern.
Trotzdem sei die Frage erlaubt: Weshalb eigentlich braucht es noch Virus, einen Kanal den nicht mehr als 30'000 Hörer erreichen?
Wie gesagt: Wir bringen Themen auf den Sender, die Jugendliche beschäftigen in einer Art und Weise, die sie verstehen und diese Themen diskutieren wir mit ihnen, sei es am Sender oder im Internet.
Worin wird sich Virus vom bestehenden Privatradio-Angebot noch unterscheiden?
Bei uns gibt es weiterhin sehr viele Hintergrund-Informationen und kompetente Nachrichten. Der grösste Unterschied zu früher ist, dass nicht mehr das ganze Programm moderiert ist. Dank besserer Vernetzung, können wir aber mehr Synergien nutzen. Damit können wir -- gerade in journalistischer Hinsicht -- mehr bieten als andere Musikprogramme. So etwa in der zweistündigen Sendung "Virus Mobile Campus", in der wir uns zusammen mit Jugendlichen Themen diskutieren, die diese beschäftigen.
Sie sind seit zwei Monaten Programmchef von DRS 3 und Virus. Konnten Sie die Wogen glätten, die sich nach dem Abgang von Bendicht Luginbühl aufgetan haben?
Ich denke, die Wellen gingen nicht so hoch, wie vielleicht von aussen der Eindruck entstanden ist. Wir haben kontinuierlich weitergearbeitet und dabei habe ich den erfolgreichen Kurs meines Vorgängers beibehalten. Vergessen Sie nicht, ich habe die Grundrichtung zweieinhalb Jahre lang selbst mitgetragen und gestaltet. Diesen Weg möchte ich weitergehen.
Der Kurs Ihres Vorgängers hat bekanntlich zu erheblichen Konflikten und letztlich zur Trennung geführt. Finden auch Sie, dass DRS 3 gegenüber DRS 1 benachteiligt wird?
Meines Erachtens bestehen für DRS 3 durchaus intakte Chancen, weitere Mittel für sein Programm zu erhalten -- auch für neue Projekte. Es liegt deshalb an uns, diese gut zu begründen. Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl, dass bei Schweizer Radio DRS einzelne Sender bevorzugt oder benachteiligt werden.
Ihr Vorgänger konnte sich mit Radiodirektor Walter Rüegg nicht auf ein gemeinsames Programmkonzept einigen. Ist Ihnen dies gelungen -- und wenn ja, wie?
Letztlich geht es darum, DRS 3 als zweites Generalistenprogramm neben DRS 1 zu etablieren. Das heisst, DRS 3 will der grösste Rock-Pop-Sender der Deutschschweiz sein und bleiben, will gute Information leisten und ein unverwechselbares Profil besitzen. Dies kann man nur durch stete Innovationen und Neuerungen erreichen. Man ist gezwungen, stets neue Formate auf den Sender zu bringen -- und dazu braucht es auch Mittel. Insofern sind wir uns über die Ausrichtung von DRS 3 einig. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Mittel mit klaren Vorstellungen und Anträgen auch zugesprochen erhalten. Auch wenn dies in einer Phase, in der alle Sender sparen müssen, schwierig ist.
Die grösste Konkurrenz des Rock-Pop-Senders DRS 3 ist doch immer mehr DRS 1, das sich musikalisch dem dritten Programm immer stärker angleicht.
Es ist in der Tat wichtig, dass sich DRS 1 und DRS 3 klar voneinander abgrenzen. Zugleich müssen wir uns aber auch nahe sein und über diese Abgrenzung eine stete Diskussion führen. Es geht also eher um ein gegenseitiges Abgleichen, eine gute Ergänzung, im Sinne von einem Radio und fünf Programmen.
Ist Ihr Verhältnis zu Radiodirektor Rüegg gut?
Ich habe und hatte mit Walter Rüegg ein völlig unbelastetes und gutes Verhältnis und die Zusammenarbeit ist sehr erfreulich angelaufen.
Mehr zur neuen Programmstruktur von Virus unter http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=57062