"Herr Schaad, würden Sie für den Blick zeichnen?"

- Ab dem 1. Juni heisst der Hauskarikaturist des Tages-Anzeigers Felix Schaad. Der 44-jährige Zeichner und Cartoonist von Eva tritt aus dem Schatten von Nico, der nach 37 Jahren zum Blick wechselt. Im Gespräch mit "persoenlich.com" erklärt Schaad, weshalb er im Gegensatz zu Nico eine gewisse Grillierhemmung hat, sagt, was eine gute Karikatur auszeichnet und spricht über seine Lohnvorstellungen. Das Interview:

Herr Schaad, Sie standen bisher im Schatten von Nico, der nun zum Blick wechselt. Werden nun Sie der neue Hauskarikaturist des Tages-Anzeigers?

Ich bin zumindest der einzige Karikaturist im Hause. Deshalb wird mir die Arbeit beim Tages-Anzeiger künftig wohl kaum ausgehen. Der Möglichkeit, eine ähnliche Funktion wie Nico einzunehmen, sind jedoch Grenzen gesetzt, da ich zusammen mit Claude Jaermann auch den Comicstrip Eva zeichne, der täglich im Blatt erscheint.

Welche Rolle sieht Peter Hartmeier für Sie vor?

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Der Abgang von Nico wird jedenfalls einschneidende Folgen haben. Denn so wie Nico gearbeitet hat, ist er nicht ersetzbar. Welche Prioritäten nun gesetzt werden, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht klar. Ich gehe davon aus, dass man mittelfristig einen weiteren Karikaturisten nachziehen wird, da der Bedarf an Zeichnern beim Tages-Anzeiger gross ist.

Wo stehen Sie politisch? Sind Sie wie Nico ein überzeugter Linker?

Nico und ich vertreten ähnliche Positionen. Ich würde mich selbst jedoch nicht in selbem Masse als politischer Mensch bezeichnen wie Nico.

Wie würden Sie ihren Stil bezeichnen?

Ich versuche möglichst lockere Zeichnungen zu entwerfen. Es muss aussehen als sei die Karikatur von leichter Hand hingeworfen worden. erst das Zusammenspiel der Einzelteile soll eine explosive Mischung ergeben.

Könnte eine Karikatur wie jene über Ueli Maurer, der einen Asylanten grilliert, auch aus Ihrer Feder stammen?

Nein ,ich hätte wahrscheinlich eine gewisse Grillhemmung. Mich persönlich hat die Zeichnung aber in keiner Weise gestört, ich fand sie aber nicht eine der besten Nico-Karikaturen.

Was macht denn für Sie eine gute Karikatur aus?

Eine Karikatur erfüllt ihre wichtigste Aufgabe, wenn Sie zum Lachen reizt. Gleichzeitig sollte sie einen möglichst intelligenten Unterbau aufweisen. Eine Karikatur muss den Menschen aus dem Herzen sprechen und eine Ventilfunktion haben. Die Leute müssen sagen, der bringt’s aber auf den Punkt.

Was haben Sie von Nico gelernt?

Nico hat beim Tages-Anzeiger sehr vieles vorgespurt. Seine Arbeitsweise, seine Eingespieltheit in die redaktionellen Abläufe und auch der freie Umgang der Redaktion mit Karikaturen, die er kultiviert hat, waren absolut einzigartig. Ich persönlich hatte allerdings nicht allzu viel mit Nico zu tun, da wir von Beginn weg parallel arbeiteten und kaum mit einander Kontakt hatten. Beispielhaft an Nicos Arbeitsweise waren für mich jedoch seine Konstanz, seine Fähigkeit, in jeder Situation etwas Gutes zu produzieren.

Würden Sie auch für den Blick zeichnen?

Ich würde sicherlich nicht a priori Nein sagen. Für mich entscheidend ist die Frage, ob meine Arbeit und die Bedürfnisse des Blick-Lesers zusammenpassen. Claude Jaermann und ich hatten vor Jahren die Idee, Eva für den Blick zu zeichnen. Weil aber der Comic im Blick wohl kaum angekommen wäre, haben wir Sie verworfen. Ich glaube im Übrigen, dass es die Zeichnung auf der Frontseite des Blicks auch ein wenig schwieriger hat als beim Tages-Anzeigers, weil der Leser ja schon von der Headline erschlagen wird.

Nico bezog -- zumindest gemäss Weltwoche -- einen unverschämt hohen Lohn. Wird sich Ihr Einkommen in ähnlicher Höhe bewegen?

Da kann ich mit gutem Herzen sagen: Schön wärs (lacht). Aber ich muss wohl mit Chefredaktor Peter Hartmeier Gespräche führen. Denn dann habe ich ja ein neues Lebensziel.