Herr Wildberger, Sie treten eine schwierige Aufgabe an. Weshalb glauben Sie, der richtige Mann für die Weltwoche zu sein?
Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Das muss Ihnen schon Filippo Leutenegger sagen. Ich kann einzig auf meine grosse publizistische Erfahrung sowohl als Journalist wie auch als Redaktionsleiter für unterschiedliche Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sendungen hinweisen. Ich kann auch gut mit Redaktionen und mit Teams umgehen. Ich werde alles daran setzen, um die Weltwoche zum Erfolg zu führen.
Sie waren lange Zeit nicht mehr im Journalismus tätig. Weshalb die Rückkehr?
Ich war immer interessiert an publizistischen Fragestellungen. Nachdem ich in den vergangenen zweieinhalb Jahren in anderen Bereichen gearbeitet habe, hat es mich nun gereizt, wieder inhaltlich tätig zu sein. Die Weltwoche ist ein Super-Titel mit hervorragenden Journalisten. Ich freue mich auf die kommende spannende Herausforderung.
Mit welchen Vorstellungen kommen Sie zur Weltwoche?
Die grundsätzliche Ausrichtung wird beibehalten. Die Weltwoche soll eine unabhängige und kritische Autorenzeitung bleiben. Das Blatt muss provozieren und Diskussionen anstossen. Die Weltwoche wird weiterhin textlastig bleiben. Natürlich kann sich die Weltwoche noch verbessern und hat auch einzelne Schwächen.
Wo muss der Titel besser werden?
Ich habe bestimmte Vorstellungen, hüte mich aber davor, mit einem festen Programm vor die Redaktion zu treten. Vielmehr werde ich in einem ersten Schritt intensive Gespräche mit der Redaktion führen, bevor ich konkrete Schritte unternehme. Thematisch kann die Weltwoche breiter werden und auch qualitativ sind Verbesserungen möglich. Mehr kann ich im Moment nicht sagen.
Wo steht Jürg Wildberger eigentlich politisch?
Ich verstehe mich in erster Linie als unabhängiger Journalist. Die Weltwoche muss in keinem Lager politisch angesiedelt werden. Sie soll vielmehr unabhängig und kritisch gegenüber allen Positionen sein. Natürlich verfolgt der Titel grundsätzlich eine liberale Richtung. Im Zentrum stehen stets die Storys und da muss sich die Weltwoche von anderen Printprodukten abheben und darf ruhig regelmässig gegen den Mainstream schreiben.
Die Weltwoche hat ein Imageproblem. Noch immer nehmen viele potentielle Leser den Titel als Rechtsblatt war. Wollen Sie dieses Image los werden und wenn ja wie?
Man kennt mich noch von meiner Tätigkeit bei Facts und "10vor10". Ich bin unabhängig und nehme rechte und linke Positionen gleichermassen unter die Lupe. Ich zähle hier auf die Kraft unserer Inhalte und Recherchen. Wir werden mit unseren Geschichten zeigen, dass wir unabhängig sind.
Geht die Weltwoche mit Ihnen in Richtung Facts?
Nein, die Positionierung von Facts unterscheidet sich stark von jener der Weltwoche. Ich wiederhole: Die Weltwoche bleibt ein textorientiertes Autorenmagazin.
Wie wollen Sie die erheblichen Gräben schliessen, die innerhalb der Redaktion bestehen?
Ich kann mit den verschiedenen Positionen innerhalb der Redaktion sehr gut umgehen. Ich bin sogar froh, dass nicht einfach eine Einheitsmeinung vorherrscht. Wichtig ist, dass eine Streitkultur installiert werden kann, die dem Blatt dienlich ist. Das traue ich mir auf jeden Fall zu. Streit ist nur dann negativ, wenn er destruktiv ist, und der Titel darunter leidet.
Roger Köppel entliess bei seinem Amtsantritt einen grossen Teil der Redaktion und brachte danach seine eigene Gefolgschaft in die Redaktion. Werden Sie ähnlich vorgehen?
Nein, ich werde mit der bestehenden Redaktion zusammenarbeiten. Die Weltwoche-Redaktion setzt sich aus hervorragenden Journalisten zusammen.
Was passiert mit der Firma Voice Publishing, der sie als Teilhaber und als Geschäftsführer vorstehen?
Ich war bis Frühling dieses Jahres Teilhaber und Geschäftsführer von Voice Publishing. Seither wird das Unternehmen von Andreas Auerbach geführt. Ich habe bis jetzt noch Teilmandate für Voice Publishing wahrgenommen.