Seit rund zwei Jahren weht ein eisiger Wind durch den Schweizer Blätterwald. Die Verlagshäuser bauen Stellen ab oder kündigen deren Streichung an. Die Medienunternehmen leiden am Inserateschwund -- und müssen rationalsieren. Das Gute zuerst: "Ich glaube, dass die Talsohle erreicht ist", sagt die in Zürich lehrende Medienökonomin Gabriele Siegert mit Blick auf die Streichkonzerte, die in den Schweizer Medienhäuser zurzeit gespielt werden. Jüngstes Beispiel ist die Basler Zeitung, die am Montag 17 Stellen abzubauen angekündigt hat.
Von den Abbauplänen sind freilich nicht allein Journalistinnen und Journalisten betroffen, sondern alle Personalsparten in den Verlagen. So gab etwa das Zürcher Medienunternehmen Tamedia Anfang Oktober bekannt, 55 Stellen im Verlag zu streichen. Im Juni zuvor eröffnete es den Abbau von 140 Stellen im Zeitschriftenbereich.
Einem Sparprogramm unterzieht sich das Haus Ringier, die Neue Zürcher Zeitung strafft ihren Personalbestand. Abgebaut wurde oder wird auf dem Platz Bern, im Aargau, aber auch in der Westschweiz: dimanche.ch beispielsweise ist Geschichte, und Edipresse hat vor Jahresfrist 13 Stellen im Verlag wegrationalisiert.
Schnelle Wirkung
Mit solchen Rationalisierungen im Personalbereich können die Verlage laut Siegert am schnellsten Kosten einsparen. Und das müssen sie, denn: "Die Rahmenbedingungen sind problematisch." Der Werbemarkt -- für Printmedien eine Haupteinnahmequelle -- ist eingebrochen. Auch im September setzte sich der Abwärtstrend fort.
Massnahmen im Druckbereich bringen kurzfristig keine Kostenverringerung; wenn sie überhaupt möglich sind. Bei einem bestehenden Druck- oder Redaktionssystem könne man nicht kürzen, sagt Siegert, und auch auf die Papierpreise hätten die Verlage keinen Einfluss: Beim Sparen hätten Printmedien wenig Spiel. Hinzu kommt, dass manche Verlagshäuser in den vergangenen Jahren in zahlreiche Projekte ausserhalb des Printbereiches investiert haben. Der Stellenabbau trifft denn auch -- wie bei der Tamedia im Oktober 2002 -- teure Projekte wie Online-Portale oder Privatfernsehen.
Die Universitätsprofessorin verweist auf den gesellschaftlichen und politischen Anspruch, dem Medien in westlichen Demokratien genügen müssen. "Wir vergessen darüber aber oft, dass Medien klassische Privatunternehmen sind." Diese müssten sich eben auch im freien Markt behaupten.
Von festen zu freien Mitarbeitern
Nach dem Konjunktureinbruch rechnet Gabriele Siegert "mit einer langsamen Erholung". Dass die Verlage die gestrichenen Stellen wieder in voller Zahl schaffen, sei jedoch unwahrscheinlich. Kein Unternehmen, dass einmal rationalisiert habe, tue dies. Redaktionen würden personell eher verlagern: von festen zu freien Mitarbeitern. Dass die Schweizer Medienunternehmen in guten Zeiten zu grosszügig gelebt hätten, könne man nicht sagen, vermerkt Siegert. "Sie haben gemacht, was man in anderen Ländern auch hätte tun sollen: Sie haben Redaktionen und die Technik angemessen gut ausgestattet."