Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hat entsetzt auf die Zerstörung eines Hochhauses mit ihrem Büro im Gazastreifen bei einem israelischen Luftangriff reagiert. «Das ist eine unglaublich beunruhigende Entwicklung», teilte AP-Präsident Gary Pruitt am Samstag in New York mit. «Wir sind nur knapp einem schrecklichen Verlust von Menschenleben entgangen.» Die Nachrichtenagentur sei vorab über den Luftschlag auf das Hochhaus mit den Medienbüros informiert worden. Ein Dutzend AP-Journalisten und freie Mitarbeiter seien rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden.
Pruitt zeigte sich «schockiert» darüber, dass das israelische Militär ein Gebäude mit Medienbüros zerstörte. Die Welt werde nun weniger darüber erfahren, was in Gaza passiert. Der Armee sei bekannt gewesen, dass das AP-Büro in dem Gebäude untergebracht war. «Wir bemühen uns um Informationen von der israelischen Regierung und sind mit dem US-Aussenministerium in Kontakt.»
Die Sprecherin des Weissen Hauses, Jen Psaki, schrieb am Samstag auf Twitter: «Wir haben den Israelis direkt mitgeteilt, dass die Gewährleistung der Sicherheit von Journalisten und unabhängigen Medien eine vorrangige Verantwortung ist.»
We have communicated directly to the Israelis that ensuring the safety and security of journalists and independent media is a paramount responsibility.
— Jen Psaki (@PressSec) May 15, 2021
Der katarische TV-Sender Al-Dschasira teilte mit, auch er habe sein Büro in dem Gebäude gehabt. Der Sender zitierte seine Korrespondentin Youmna al-Sayed mit den Worten, dass die Armee dem Besitzer des Hochhauses eine Stunde für die Evakuierung eingeräumt habe. Der Besitzer habe erfolglos um mehr Zeit gebeten. «Die Zerstörung ist gewaltig», sagte sie. «Kein Ort in Gaza scheint jetzt sicher zu sein.»
Verband erhebt Vorwürfe
Der Journalistenverband Foreign Press Association (FPA) in Israel und den Palästinensergebieten erhebt nach der Zerstörung schwere Vorwürfe gegen Israel. Die Entscheidung, das Gebäude zu zerstören, werfe die Frage auf, ob Israel bereit sei, die Pressefreiheit zu beeinträchtigen.
«Wir stellen fest, dass Israel keine Beweise vorgelegt hat, um seine Behauptung zu untermauern, dass das Gebäude von der Hamas genutzt wurde», hiess es in einem Schreiben des Verbands von Sonntag. Man habe wegen des Vorfalls um ein Treffen mit israelischen Beamten gebeten. Die FPA hat nach eigenen Angaben 480 Mitglieder, die für internationale Medien arbeiten.
Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilte den Angriff auf das Hochhaus. Er sei trotz der Aktivitäten der Hamas darin nicht gerechtfertigt gewesen. «Medienbüros zu Kriegszielen zu erklären ist ein Kriegsverbrechen», sagte Geschäftsführer Christian Mihr.
Die israelische Armee teilte bei Twitter mit, Kampfjets hätten am Samstag ein Hochhaus angegriffen, in dem der Militärgeheimdienst der islamistischen Hamas über «militärische Ressourcen» verfügt habe. «In dem Gebäude liegen Büros ziviler Medien, hinter denen die Terrororganisation Hamas sich versteckt und die es als menschliche Schutzschilde missbraucht.» Die Hamas positioniere ihre militärischen Mittel absichtlich im Herzen dicht besiedelter Wohngebiete im Gazastreifen. Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms sagte nach der Zerstörung des Gebäudes, Tel Aviv solle sich auf eine «Antwort vorbereiten, die die Erde erschüttern lässt». (sda/dpa/cbe)

