Giuseppe Scaglione, Geschäftführer von Radio 105, meldete Zweifel an den Hörerzahlen von Radiocontrol an. Nun habe der Forschungsdienst der SRG als Reaktion auf die 105-Kritik an Radiocontrol am vergangenen Freitag Radio 105 eine Datenmanipulation vorgeworfen und die Hörerzahlen des Jugendsenders gesperrt, wie Scaglione mitteilt.
Radio 105 hatte nach Angaben von Scaglione die Publica Data darüber informiert, dass der Jugendsender die Zahlen -- insbesondere die Stichprobengrösse -- anzweifelt, und dass der Sender der Meinung ist, eine einzelne Messuhr könne massive Veränderungen bewirken. Radio 105 kündigte darauf an, den Beweis zu erbringen, was eine einzelne Uhr bewirken kann.
Scaglione war gemäss eigenen Angaben über einen Radiocontrol-Panelisten zu einer Messuhr gekommen und liess diese stundenlang Radio 105 hören. So verursachte er während zwei Wochen einen sprungartigen Anstieg der Hörzahlen. 105 sei sogar zu drei Uhren gekommen, habe aber nur eine eingesetzt, da es sich um einen angekündigten Test und nicht um eine versuchte Manipulation gehandelt habe.
Daten werden nach Kontrolle wieder freigegeben
Manuel Dähler, Leiter von Mediapuls - ehemals SRG Forhschungsdienst -, bestätigt gegnüber "persoenlich.com", dass die Daten von Radio 105 gesperrt wurden. "Nach den Äusserungen von Giuseppe Scaglione in den Medien, muss ich davon ausgehen, dass die Daten manipuliert sind", so Dähler. Die Daten der besagten Tage müssten kontrolliert und im Falle einer Manipulation korrigiert werden. Danach würden sie aber wieder freigegeben.
Zur Kontrolle über die Uhrenträger fügt Dähler an, dass bei der Rekrutierung die potentiellen Uhrenträger explizit danach gefragt werden, ob sie für ein Radio tätig sind oder irgendwie in Verbindung zu einem Sender stehen, was nicht der Fall sein dürfe. Nach dem Versand der Uhr werde beim Träger noch einmal nachgefragt, ob die Uhr angekommen ist und funktioniert. Insofern sei es nicht so, dass man gar keine Kontrolle über den Träger habe.
Zudem, so Dähler, müsse man auch sehen, dass der Einfluss einer Uhr nicht überbewertet werden darf. Die Werbewirtschaft arbeite mit Halbjahreszahlen. Für diese würden in jeder der 26 Wochen 570 Uhren verteilt. Es fliessen somit die Daten von ca. 15'000 Uhrenträger ein.