"Ich arbeite zum ersten Mal in einem Unternehmen, wo man im Internet wirklich hübsch Geld verdient"

- Kurt W. Zimmermann, Medienkolumnist der "Weltwoche", Unternehmensberater und langjähriges Kadermitglied der Tamedia, ist seit Mitte Jahr GL-Mitglied der in Stuttgart ansässigen DSV-Gruppe (Deutscher Sparkassenverlag). Sein Engagement ist bis Ende Jahr begrenzt. Gegenüber "persoenlich.com" erklärt Zimmermann, was er in Deutschland genau tut. Zudem äussert sich "Zimmi" zur Stimmungslage in den deutschen Verlagshäusern: "Die Schweizer sind beim Jammern deutlich überlegen." Das Interview:

Herr Zimmermann, Sie sind kommissarischer Geschäftsführer im deutschen Sparkassenverlag in Stuttgart. Ist dieser Job so bieder wie er tönt?

Er ist zumindest konservativ. Wir arbeiten in der Finanzindustrie. In diesem Umfeld muss ich nicht jeden Morgen mit einem brillanten Anfall von Kreativität aufwarten wollen.

Was muss man sich unter dem deutschen Sparkassenverlag vorstellen?

Wir sind Teil dieser riesigen Sparkassengruppe und machen rund 1,3 Milliarden Franken Umsatz. Wir beliefern die Sparkassen mit einer breiten Palette von Produkten und Dienstleistungen, angefangen von Büchern, Zeitschriften und Fernstudien bis zu Kreditkarten und Bankensoftware. Und natürlich haben wir auch Gummibären mit dem Sparkassen-Logo im Angebot.

Worin liegt die journalistische Herausforderung?

Ich bin für den Bereich Medien zuständig. Wenn wir hier Journalismus machen, ist das ausschliesslich Corporate Publishing, etwa 20 Titel, zum Teil in Millionenauflagen. Das reicht von Comics für Kinder bis zu Börsenmagazinen. Publizistisch ist der Unterschied nicht allzu gross, ob man nun für einen klassischen Leser oder einen Bankkunden arbeitet. Das Produkt muss in beiden Fällen gut gemacht sein.

Wie sind Sie überhaupt zu diesem Job gekommen?

Im Frühjahr hat mein hiesiger Vorgänger als Geschäftsführer zur Süddeutschen Zeitung gewechselt. Mein Nachfolger, der bisherige Chef von AP Zentraleuropa, kommt erst im Dezember. Dazwischen gab es eine Führungslücke und man hat mich gefragt, ob ich nicht einspringen könnte. Wir kannten uns, weil ich im Haus zuvor als Berater gearbeitet hatte.

Wie hat sich die Wirtschaftskrise in Ihrem Geschäftsfeld ausgewirkt?

Wir haben ein gutes Jahr. Natürlich hat der Finanzcrash auch die deutschen Landesbanken und ein paar grössere Sparkassen erwischt, aber die Retailbanken, also unserer Kunden, stehen über alles gesehen auf der Gewinnerseite der Krise.

Sie betreiben auch kostenpflichtige Internetportale. Können Sie damit wirklich Geld verdienen?

Ich arbeite zum ersten Mal in einem Unternehmen, wo man im Internet wirklich hübsch Geld verdient. Wir machen mit Shops und paid content rund 90 Millionen Franken Umsatz.

Wenn Sie die Stimmungslage in den deutschen Verlagshäusern mit denjenigen in der Schweiz vergleichen, gibt es Unterschiede?

Die Branche in Deutschland ist optimistischer. Mir fällt das auch auf, wenn ich hier etwa den Miteidgenossen Tobias Trevisan von der FAZ treffe. Die Schweizer sind beim Jammern deutlich überlegen.

Neben Ihrer Tätigkeit in Stuttgart sind Sie auch noch Unternehmensberater, Verleger im Südtirol und Weltwoche-Kolumnist. Wie bringen Sie dies alles unter einen Hut?

Die Wochenenden waren auch schon beschwingter.

Und welches Ihrer Projekte wirft am meisten Geld ab?

Die Weltwoche-Kolumne natürlich.

(Interview: Matthias Ackeret)