"Ich bin beliebt bei den Journalisten"

3+ - TV-Junggeselle Vujo Gavric dominiert seit Wochen die Schlagzeilen mit Sprüchen wie "Meine Freundin sollte mal über den Putz hauen" oder "Erzähl mir etwas von deinem inneren Kern". Kurz vor der letzten Folge am Montagabend hat sich persoenlich.com "öppis speziells iifalleh lah" und mit dem Quotenkönig von 3+ über Schlangenblut, Bachelor-Sekt und seine Ladys gesprochen. Dabei haben wir herausgefunden, warum er in der Sendung so viele Sprachfehler macht.

Vujo Gavric, sind Sie im Moment glücklich verliebt?
Das verrate ich nicht vor dem 16. Dezember.

Ihr Vorgänger Lorenzo Leutenegger musste von 3+ regelrecht überredet werden, damit er beim Bachelor mitmachte (persoenlich.com berichtete). Ich nehme an, Sie waren sofort Feuer und Flamme?
Ja. Das Model Bianca Gubser, eine gute Freundin von mir, hat mich empfohlen. Dann ging es schnell: Ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und man wollte mich sofort. Zugesagt habe ich dann aber relativ spät, vor allem wegen dem Fussball und meinem Job. 3+ wollte Nägel mit Köpfen machen und hat immer wieder angerufen.

Dann haben Sie also doch gezögert. Wer sich entscheidet, in einer solchen Sendung mitzumachen, überlegt sich sicherlich genau, ob er in der Öffentlichkeit stehen will und welches Bild er von sich vermitteln möchte.
Nein, darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Man hat mir geraten, zur Vorbereitung die erste Staffel zu schauen. Ich habe mich geweigert. Ich bin wie ich bin, that’s it. Und das ist auch mein Tipp an den Nachfolger: Er soll sich die Sendungen nicht reinziehen und nicht versuchen, sich für das Fernsehen zu verstellen. Meine Taktik scheint aufzugehen, jedenfalls, wenn man die Einschaltquoten anschaut.

Das stimmt, Sie erreichen einen Marktanteil von fast 20 Prozent, im letzten Jahr war es ungefähr die Hälfte.
Der Hype ist riesig. Ich bin auch ein anderer Typ als Lorenzo und mehr in der Öffentlichkeit unterwegs. Ich gehe fast täglich in Zürich essen oder feiern. Ich weiss aber nicht genau, woran es liegt. Lorenzo hat die Sendung wahrscheinlich mehr als Geschäftsmann betrachtet, ich bin auch mal gut für einen Spruch. Ich bin ein Lebemann.

Oder ein Badboy: Von Ihnen kursieren Nacktbilder im Netz, Sie sind mit Carl Hirschmann befreundet. Man kannte Sie schon vor dem Bachelor, Ihr Ruf war schon da angekratzt.
Ich kenne Carl seit ich klein bin. Wir sind beste Freunde und haben viel durchgemacht. Da soll sich jeder seine eigene Meinung bilden. Man sollte über niemanden urteilen, den man nur aus den Medien kennt. Aber leider tickt unsere Gesellschaft so.

Wie hat sich denn Ihre Meinung über Journalisten und die Medien verändert durch die Bachelor-Teilnahme?
Eigentlich gar nicht. Medienleute haben ihren Job und brauchen ihre Story. Und sie sind froh, dass ich immer eine auf Lager habe. Ich bin beliebt bei den Journalisten.

Naja. Die Journalisten machen sich meistens lustig über Sie und lassen durchblicken, dass sie Sie nicht wirklich für intelligent halten. Das verletzt einen doch.
Nein. Ein gutes Beispiel ist die Kritik von Frau Onken im Blick. Da habe ich viel Zuspruch erhalten. Auch ältere Personen haben mich auf der Strasse angesprochen und gesagt, dass ich mich nicht unterkriegen lassen soll. Eine Frau mit 71 habe doch dazu nichts mehr zu sagen. Wenn ich eine Karikatur eines Mannes bin, ist sie eine Karikatur einer Psychologin. Verletzt hat mich das aber ganz und gar nicht. Kritik muss man einstecken können, damit habe ich auch gerechnet. Sobald dich jemand kritisiert, bist du interessant. Ich kann mit den Medien gut umgehen, sie können mich nicht verletzen – ich glaube sowieso, das geht bei mir gar nicht. Ich lache lieber über mich.

Beim Public Viewing?
Beim Public "Vujoing", ja (lacht). Da tauchen jedes Mal fast 400 Leute auf, manche müssen draussen bleiben, weil der Saal voll ist.

Wie ist es für Sie, wenn Sie sich selber im Fernsehen sehen? Erkennen Sie Macken an sich, von denen Sie bislang nichts wussten?
Ticks eigentlich nicht. Aber meine Sprüche sind zum Teil schon sehr komisch. Ich spreche ja eigentlich gar nicht so falsch. Aber einerseits war ich immer nervös, wenn ich ein Einzelstatement abgeben musste. Andererseits hatten wir eine deutsche Produktionsfirma dabei. Diese hat natürlich nicht bemerkt, wenn wir etwas falsch gesagt haben. Niemand hat uns korrigiert. Wären es Schweizer gewesen, hätten sie mich sicher auf komische Satzstellungen hingewiesen. Was soll’s, jetzt ist es halt passiert.

Zum Glück ist es passiert! Ihre grammatikalisch sehr eigensinnige Sprache macht ja den Reiz der Sendung aus.
Ja klar, auch. Ich sage aber allen, die das kommentieren und sich lustig machen: Macht es doch besser!

Dann gibt es wirklich kein Drehbuch?
Nein, gar nicht. Ich konnte auch entscheiden, mit wem ich welches Date haben wollte. Bei den Einzeldates wurden mir einfach Themen vorgegeben, die ich ansprechen sollte. Eigentlich will man ja von allen 20 Ladys das Gleiche wissen, das geht aber der Spannung wegen nicht. Alles andere kam von mir selber.

Aber kein Schweizer sagt "als ich Ihre d’Rose geh han". Das klingt nach Drehbuch in Schriftsprache.
Als ich, wo ich, keine Ahnung! Das ist wirklich alles Zufall.

Was ist Ihr persönlicher Lieblings-Vujoismus?
"Und ihri Augä händ blinked, blinked“, finde ich gut. Auch: "Ich ha mer öppis speziells iifalle lah", sage ich oft. Das muss ich mehrmals täglich sagen, da gehen dir einfach irgendwann die Worte aus.

Erklären Sie doch noch mal für alle, die noch nie bei einer solchen Show mitgemacht haben: Wieso kommen da echte Gefühle ins Spiel, obwohl alle bezahlt wurden, um dort zu sein und obwohl ständig ein Fernsehteam um einen herumschwirrt?
Die ersten paar Tage schaut man auf die Kameras. Mit der Zeit vergisst man aber alles, lässt seinen Gefühlen freien Lauf und realisiert die Kameras nur im Unterbewusstsein. Das ging bei mir sowieso schnell, weil ich schon mal einen Film gemacht habe.

Worüber denn?
Ich war zwei Monate lang mit fünf Freunden, unter anderem Carl Hirschmann, in Asien unterwegs. Wir haben ein Spital aufgebaut, Kleider gespendet, gingen mit den Kindern Fussball spielen. Wir wollen den Film im nächsten Jahr im Fernsehen zeigen. Eigentlich haben wir ihn nur für uns gemacht. Aber er wurde so emotional und actionreich, dass wir ihn der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollen. Wir hatten Michel Comte als Fotograf dabei und ein englisches Kamerateam.

Am 16. Dezember ist alles vorbei. Dann beginnt wieder das normale Leben. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen Ihre Rolle – der Stempel als Bachelor – und die nicht immer positive Medienpräsenz schaden könnten?
Nein, ganz und gar nicht. Meine Freunde und meine Familie stehen hinter mir. Ich habe auch berühmte Freunde in Los Angeles, die den Bachelor schauen und mich unterstützen, zum Beispiel Christian Audigier. Die Schlagzeilen haben keinen Einfluss auf mein Leben und meinen Job.

Der erste Deutsche Bachelor Paul Janke tritt inzwischen als DJ auf, machte bei Let’s dance mit, versuchte sich als Sänger und am Ballermann. Unser erster Bachelor, Lorenzo Leutenegger, ist mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden.
Lorenzo ist dafür in seinem beruflichen Leben erfolgreich und hat eine Freundin. Paul Janke ist ein Draufgänger und macht etwas aus seiner Prominenz. In der kleinen Schweiz ist es aber schwieriger, aus der Marke Bachelor etwas zu machen und damit Geld zu verdienen.

Was haben Sie denn vor, um auch nach dem Finale genügend Medienpräsenz zu bekommen und nicht, wie viele Casting-Show-Kurzzeitpromis, in die mediale Vergessenheit zu geraten?
Es ist nicht und war nie mein primäres Ziel, weiterhin im Fernsehen aufzutreten. Ich habe viele Anfragen für Events, die mein Bruder, der inzwischen auch mein Manager ist, gut prüft. Ich arbeite aber weiterhin in meinem alten Job in der Projektentwicklung bei einem Immobilienbüro. Der Rummel legt sich ja sicher bald. Ich lasse es auf mich zukommen. Ich wurde nicht Bachelor, um berühmt zu werden und danach zum Beispiel als Moderator zu arbeiten.

Als Moderator vielleicht eher weniger. Aber wie wäre es mit dem Dschungelcamp? Das Schlangenblut ging ja runter wie Bachelor-Sekt.
Darauf wurde ich schon mal angesprochen. Das Dschungelcamp wäre tatsächlich etwas für mich, eine mega Lebenserfahrung. Wer weiss …

Wo würden Sie denn gerne mal auftreten?
Bei Giacobbo/Müller. Die haben ja immer etwas zu sagen! Wenn Sie das hier lesen, lieber Viktor Giacobbo: Laden Sie mich endlich mal in Ihre Sendung ein! Wenn sich jemand permanent über mich lustig macht, soll er mich doch bitte wenigstens mal anrufen (Anm. d. Red.: Der Autritt bei G/M erfolgte schneller als erwartet: vgl. Sendung vom 15.12.). Genau wie Gimma (vgl. Song ganz unten) das gemacht hat: Wir bringen jetzt sogar zusammen einen Weihnachtssong heraus und spenden alle Einnahmen.

Wie hat Sie denn die Bachelor-Erfahrung als Mensch verändert?
Gar nicht. Es war eine tolle Lebenserfahrung. Viele denken, ich würde jetzt abheben. Ich mache immer noch das Gleiche, mein Mami ist noch genau so streng mit mir. Auch wenn mir andere sagen, dass ich mich jetzt nicht mehr gleich benehmen könne, etwa an einer Party – ich mache es trotzdem.

Wünschen Sie sich manchmal die Zeit vor dem Bachelor zurück?
Manchmal. Man kannte mich ja schon vorher, jetzt ist es einfach noch extremer. Ab und zu ist es unangenehm: Zum Beispiel, wenn ich von der Seite fotografiert werde, ohne dass man mich fragt. In solchen Momenten denke ich, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich das alles nicht gemacht hätte. Man soll mich ansprechen und nach einem Foto fragen. Dann macht es mir auch weiterhin Freude, der Bachelor zu sein. 

Interview: Seraina Etter


Die letzte Folge von "Der Bachelor" wird am Montag, dem 16. Dezember um 20.15 Uhr auf 3+ ausgestrahlt. Lesen Sie zu diesem Thema auch das Interview mit 3+-Chef Dominik Kaiser.