"Ich bin ein Live-Mensch"

- Seit zwei Wochen ist Anna Maier nach dreijährigem Unterbruch wieder auf den TV-Bildschirmen der Schweizer Wohnzimmer präsent. Zusammen mit Sven Epiney präsentiert sie "Die grossen Schweizer Talente". Im Gespräch mit persoenlich.com erzählt sie vom "Nachhause-Kommen" bei SF, von privaten Talent-Shows mit der Crew in der Stube von DJ Bobo und vom Ärger über erfundene Homestories. Das Interview:

Beim letzten Interview sprachen wir über die Gründung Ihrer Onlineboutique Style.Me. Warum haben Sie dieses Projekt nach drei Jahren aufgegeben?

Weil ich letztes Jahr schwanger wurde. Ich habe viel gearbeitet, oft auch am Abend und am Wochenende. Irgendwann musste ich mich entscheiden, wo ich reduzieren will. Meine Hauptleidenschaft und auch Kernkompetenz liegt beim Moderieren, deshalb habe ich mich schweren Herzens von der Boutique getrennt.

Nun sind Sie also zurück im Fernsehen und damit im Rampenlicht. Haben Sie dieses vermisst in der dreijährigen TV-Absenz?

Es ist nicht das Rampenlicht, das ich vermisste. Moderieren ist mein Job seit ich 18 bin, und die Vielfalt, neben meinem Radioengagement auch bei Fernsehsendungen mitzuarbeiten, hat mir durchaus gefehlt.

Bei DRS3 haben Sie ja auch in der Zwischenzeit weiter moderiert.

Genau. Es war jedoch wie ein "Nachhause-Kommen" beim Fernsehen. Ich arbeite wieder mit Kollegen, die ich seit 16 Jahren kenne und es macht mir grossen Spass.

Moderieren Sie lieber beim Fernsehen als beim Radio?

Nein, das kann man so nicht sagen. Beim Radio schätze ich zum Beispiel, dass ich wie in der einstündigen DRS-3-Sendung "Focus" in Gesprächen richtig in die Tiefe gehen kann. Die Gäste erzählen viel Persönliches, wenn man zu zweit in einem Studio sitzt. Ich bin gespannt, wie sich die Sendung verändert, wenn "Focus" ab März auch auf SF zwei zu sehen sein wird. Die Show "Die grössten Schweizer Talente" ist als Grossproduktion dafür ein richtiges Teamwork und ich bin ein totaler Teamplayer.

Dann kommt es Ihnen also auch gelegen, dass sie "Die grössten Schweizer Talente" nicht alleine, sondern als Team mit Sven Epiney moderieren?

Bei Doppelmoderationen kommt es sehr darauf an, mit wem man zusammen arbeitet. Wenn man alleine vor der Kamera steht und durch den Abend führt, kann man effizient und frei arbeiten, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Bei Co-Moderationen ist viel mehr Spontaneität gefragt, man muss immer auf den anderen eingehen und reagieren können. Das war übrigens bei den Casting-Aufzeichnungen von "DGST" sowieso die besondere Herausforderung: Wir konnten nichts vorbereiten und mussten uns jeweils voll in immer wieder ganz neue Situationen hineingeben. Für jemanden, der gerne Sicherheit hat, wäre es vermutlich kein angenehmer Job. Ich hingegen finde genau diesen Umstand extrem spannend.

Sie sagen es kommt sehr drauf an mit wem man moderiert. Wie klappt die Zusammenarbeit mit Sven Epiney?

Das funktioniert wunderbar. Ich glaube es braucht bei Co-Moderationen immer den Willen und die Lust von beiden, zusammen auf einer Bühne zu stehen. Bei zwei Alphatierchen würde so etwas nicht klappen.

Einige Sendungen wurden bereits ausgestrahlt. Wie ist es nun, sich nach drei Jahren wieder am TV zu sehen?

Weil ich beim Radio immer moderiert habe, ist es für mich nun nicht das "grosse Comeback" und auch nicht aussergewöhnlich, mich wieder am Fernsehen zu sehen. Speziell bei "DGST" ist für mich, dass ich mir die fertigen Sendungen wie alle Zuschauer erstmals am Fernsehen anschaue. Gedreht haben wir ja bereits vor drei Monaten, den fertigen Schnitt sehe auch ich zum ersten Mal. Ich habe auch einige Szenen bereits etwas vergessen und geniesse es nun vor dem Fernsehen, mich wieder an gewisse Momente und Situationen zu erinnern.

In einem früheren Interview mit der "Südostschweiz" sagten Sie, dass sie sich die zweite Sendung mit allen Jury-Mitgliedern und Sven Epiney gemeinsam ansehen. Wie war das?

Das war wie ein Klassentreffen. DJ Bobo hat die Produzenten, die Jury, Sven und mich zum Nachtessen eingeladen. Es war wirklich ein lustiger Abend.

Wie muss man sich das vorstellen. Verteilt man sich da gegenseitig auch Lob oder Kritik?

An diesem Abend ja (lacht). Die Kinder von Bobo wollten, dass wir live vor Ort "DGST" improvisieren. Das haben wir dann gemacht. Die beiden Kinder und ich waren die Jury, Sven, Christa und DJ Bobo die Kandidaten. Das war sehr witzig und wir haben uns gegenseitig parodiert.

Mit was für Talenten sind die drei denn aufgetreten?

Sven trat als Nino Burri auf, in Anlehnung an die Schlangenfrau Nina Burri, die letztes Jahr zweite geworden ist. Christa hat getanzt und DJ Bobo hat Witze erzählt. Wie sie das gemacht haben, bleibt aber unter uns (lacht).

Nach den Castings geht es Ende Februar mit den Live-Shows los. Sind Sie da als routinierte Moderatorin überhaupt noch nervös?

Ich bin ziemlich sicher, dass ich an diesem Tag nervös sein werde. Alles andere wäre ja auch komisch. Ich bin aber ein "Live-Mensch". Ich finde es ein super Gefühl, wenn ich das rote Lämpchen sehe und genau weiss, dass alles was ich nun sage, gleich so bei den Zuschauern Zuhause ankommt. Die Live-Sendungen sind aber eigentlich viel strukturierter und berechenbarer als die Castings, bei denen in jeder Sekunde mit einer Überraschung gerechnet werden muss.

Sie haben bereits alle Kandidaten gesehen. Wer ist ihr persönlicher Favorit bei den Live-Shows?

Die Zuschauer werden noch viele Highlights erleben. Und natürlich gibt es zwei, drei Kandidaten, die ich während den Castings vor und hinter der Bühne besonders ins Herz geschlossen habe und denen ich nun vielleicht noch etwas mehr den Daumen drücke. Es wäre jetzt aber unfair, wenn ich diese namentlich hervorheben würde.

Auf was freuen Sie sich besonders bei den Live-Shows?

Ich freue mich vor allem auf die Kandidaten. Ich bin gespannt wie sie sich weiterentwickelt haben und wie die Talente auch live zu überzeugen vermögen.

Was geschieht nach den Live-Sendungen? Was für Projekte warten auf Sie?

Momentan habe ich den Kopf nicht frei und bin voll ausgelastet. Jetzt freue ich mich zuerst einmal auf die Live-Sendungen und dann schauen wir weiter. Ich würde mich aber natürlich freuen, wenn ich auch bei weiteren spannenden Fernsehformaten dabei wäre.

In den Medien sind sie jeweils nicht nur wegen Ihrem Job präsent, sondern man interessierte sich auch für Ihr Privatleben. Wo ziehen Sie die Grenze?

Ich setze die Grenze sehr klar, zeige weder mein Baby noch unser Zuhause. Was dann jeweils geschrieben wird, kann ich nicht beeinflussen. Wenn ich aber lesen muss, dass ich keine Homestory auslassen würde, ärgert es mich, denn es ist schlicht falsch. Die letzte Homestory ist fast 10 Jahre her. Solche absurden Geschichten gibt es leider öfters. Ich habe aber aufgehört mich um Richtigstellungen zu bemühen, denn die Leute glauben, was sie glauben wollen. Meine Freunde und Familie, die mich kennen, wissen wie es wirklich ist und das ist das Wichtigste.

Wie handhaben sie Social-Media-Kanäle, die oft auch von Medienschaffenden abgeklappert werden?

Ich versuche vor allem sendungsspezifische Dinge zu posten, deshalb war ich jetzt während den Castings von DGST gerade wieder etwas aktiver bei Facebook. Beim Radio hat man uns nahegelegt, ab und zu auch zu twittern, auch der Hörerbindung wegen. Ich habe deshalb vor wenigen Wochen damit angefangen, bin aber noch ein Greenhorn.

Und über ihr Privatleben erfährt man auch dort nichts?

Wenig. Ich hab nicht das dringende Bedürfnis, mein Innenleben nach aussen zu kehren.

Interview: Corinne Bauer.