Zwei Tage sind vergangen seit Hanspeter Lebrument den letzten Angriff auf die SRG geblasen hat. "Zwischen der SRG und den privaten Verlegern herrscht ein eigentlicher Krieg", erklärte der Verleger-Präsident an der Dreikönigstagung und forderte, der per Anfang 2013 neu gestaltete Online-Auftritt der SRG-Sender müsse rückgängig gemacht werden. Was hält man im Leutschenbach von der neusten Polterrede? Will man auf die Vorwürfe der Verleger eingehen? persoenlich.com hat sich an der SRF-Jahresmedienkonferenz mit Direktor Ruedi Matter unterhalten. Das Interview:
Herr Matter, Verleger-Präsident Hanspeter Lebrument spricht in seiner Rede anlässlich der Dreikönigstagung 2013 von einem "Krieg, der zwischen der SRG und den privaten Verlegern" herrsche. Sehen Sie das auch so?
Zu meinem grossen Glück habe ich mich als fast 60-Jähriger noch nie in einem Krieg befunden.
Wie ist das für Sie persönlich werden Sie an solchen Tagungen und Branchentreffen angefeindet?
Nein, auf persönlicher Ebene begegnet man sich freundlich. Auf beruflicher Ebene bin ich mir auch aus meiner langjährigen Arbeit in Deutschland gewohnt, dass an solch öffentlichen Veranstaltungen auf die Pauke gehauen wird.
Herr Lebrument fordert in seiner Rede, der neu gestaltete Online-Auftritt der SRG-Sender müsse rückgängig gemacht werden (persoenlich.com berichtete). Was halten Sie davon?
In erster Linie muss unser Publikum mit dem neuen Portal zufrieden sein. Wir sind diesbezüglich sehr optimistisch. Zur Forderung von Herrn Lebrument: Wir konzentrieren uns bei unserem neuen Auftritt stark auf Audio- und Video-Inhalte. Sobald man unsere Webseite öffnet, ist klar, dass es sich um ein Portal eines Radio- und Fernsehunternehmens handelt. Beiträge, die keine Audio- oder Videofiles beinhalten, sind kurz gehalten.
Sie haben soeben den Hauptkritikpunkt der Verleger aufgegriffen: Sowohl Hanspeter Lebrument als auch einige Chefredaktoren, die gegenüber persoenlich.com im Rahmen einer Umfrage Stellung nahmen, werfen dem neuen Portal vor, viel zu lange publizistische Texte zu veröffentlichen und damit unter anderem die privat finanzierten Medien beim Aufbau von digitalen Bezahlmodellen zu torpedieren.
Ich kann nur nochmals wiederholen: Die Webseite konzentriert sich auf Audio- und Videoinhalte und entspricht zu hundert Prozent der geltenden Konzession. Das Portal enthält insgesamt sogar weniger Text als früher, als man die verschiedenen Webseiten der Sender als separate Portale pflegte.
Es fällt Ihnen schwer, die erneute Entrüstung der Verleger zu verstehen.
Ich finde es eine sehr gelungene Webseite, die toll daherkommt. Wir haben nun sämtliche Inhalte des gesamten Unternehmens auf einer grossen Plattform vereint das wirkt zugegebenermassen sehr reichhaltig. Zudem haben wir nun ein neues Ordnungsprinzip: Statt über Sendungen sucht man neu über Inhaltskriterien.
Damit gleicht man sich laut den Kritikern den üblichen Newsportalen an.
Grosse Teile von srf.ch haben nichts mit einem Newsportal zu tun. Den Newsteil, den man mit einem Newsportal vergleichen könnte, getrauen wir uns nicht einmal Newsportal zu nennen, dafür ist er viel zu klein. Es ist uns wichtig, dass dieser Newsteil gut gemacht und vor allem aktuell ist. Er ist jedoch keineswegs der Kernteil unseres Online-Angebots.
Das UVEK erarbeitet derzeit im Auftrag des Bundesrates Vorschläge zu Abänderungen der geltenden Konzession. Was für Änderungen erhoffen Sie sich?
Insbesondere erhoffe ich mir, dass wir künftig wichtige politische Pressekonferenzen oder Parlamentsdebatten per Live-Stream auf unserer Website zeigen dürfen.
In der neuen Konzession wird auch die erlaubte Textlänge für nicht sendungsbezogene Inhalte auf der SRF-Onlineplattform definiert. Wie handhaben Sie diese in der Zwischenzeit? Haben Sie interne Richtlinien aufgestellt?
Wir haben keine konkreten Vorgaben aufgestellt, die Redaktionen jedoch dazu angehalten, sich bei Texten ohne Audio und Video zurückzuhalten.
Aus Rücksicht auf die Verleger?
Nein, aus strategischen Gründen. Diese Konzept-Diskussionen fanden übrigens bereits vor rund zwei Jahren statt. Wir wollen Anbieter von Audio- und Video-Inhalten sein, das ist unser USP und damit wollen wir uns abheben. Ich kann deshalb nicht verstehen, wie jemand behaupten kann, dass wir ein Newsportal betreiben - geschweige denn Printanbieter kopieren würden.
Die Angst der Verleger, dass der neue Auftritt eine riesige Konkurrenz für die Online-Portale der privat finanzierten Medien sei, ist in Ihren Augen also unbegründet?
Ich habe tatsächlich Mühe, dies nachzuvollziehen. Insbesondere, wenn ich mich in anderen Ländern umschaue. Nehmen wir als Beispiel die USA, die nach wie vor in der Entwicklung einen Schritt voraus sind: Dort gibt es kein gebührenfinanziertes Angebot, und den Zeitungen geht es auch nicht besser als hierzulande im Gegenteil. Ich glaube nicht, dass die SRG und schon gar nicht das SRF-Online-Angebot grosse Herausforderungen für die Schweizer Verleger darstellen.
Es gibt Stimmen, die fordern, das Fernsehprogramm von den Online-Portalen zu nehmen. Was halten Sie von solchen Drohgebärden?
Ich habe das Fernsehprogramm in Zeitungen und auf Newsportalen immer für einen Leser-Service gehalten. Dafür stellen wir unsere Daten auch gerne kostenlos zur Verfügung (schmunzelt).
Interview: Corinne Bauer

