"Ich bin nicht für die Showtreppe geboren"

- Mona Vetsch hat das Rennen um die Moderation des neuen SF-Montagsquiz "1 gegen 100" gewonnen. Ab 1. September 2008 wird sie einen Hauptkandidaten gegen 100 Kontrahenten antreten lassen. "Im Zentrum der Sendung steht der Kandidat und nicht ich", meint Vetsch im Gespräch mit "persoenlich.com". Für den Erfolg der Sendung sei sie nicht so entscheidend. Trotzdem rechnet die Moderatorin jetzt schon mit Kritik. Das Interview:

Frau Vetsch, bisher kennt Sie das Fernsehpublikum vor allem als Reporterin und Moderatorin von "SF-Special" und "Fernweh". Jetzt werden Sie Quizmoderatorin. Wie kam es zum Fachwechsel?

Es handelt sich gar nicht um einen Fachwechsel, höchstens um eine Fachverbreiterung. Ich habe auch schon Quizsendungen moderiert, nur bisher nicht in einer regelmässigen Version.

Verbreiterung? Ein Quiz-Format bietet dem Moderator weniger Spielraum, als beispielsweise "SF Special".

Ich kann nach wie vor das tun, was ich am liebsten mache: sehr spontan sein und auf Leute und Situationen eingehen, die ich vorher nicht kenne.

Welche Quizsendungen schauen Sie selbst?

Ich bin grosser Fan von Günther Jauch und "Wer wird Millionär". Ich mag Sendungen, die mich als Zuschauer selber fordern.

Sind Sie selbst eine Spielernatur?

Für "Donnschtig-Jass" wäre ich eine hoffnungslose Besetzung, weil ich nicht jassen kann. Schon als Kind war ich einzig bei Wissensspielen einigermassen brauchbar. Insofern ist es eine logische Konsequenz, dass ich mit "1 gegen 100" nun ein Wissensquiz moderiere.

Als Unterhaltungsmoderatorin im Hauptabendprogramm werden Sie mehr im medialen Scheinwerferlicht stehen als zuvor. Wie gehen Sie damit um?

Das lasse ich ganz entspannt auf mich zu kommen. Falls jemand seinen Blick auf etwas richtet, wo er nicht hingehört, würde ich entsprechend reagieren.

Was soll den Augen der Öffentlichkeit denn verborgen bleiben?

Ich habe mich nie ausserhalb meiner eigenen Medienarbeit ins Rampenlicht gestellt. Über meinen Job können alle gerne jederzeit schreiben. Das muss auch so sein, schliesslich wollen wir ja mit der Sendung beim Publikum wahrgenommen werden. Mein Privatleben soll aber privat bleiben.

Fühlen Sie sich den Medien ausgeliefert?

Nein, bis zu einem gewissen Grad kann man die Berichterstattung selber beeinflussen.

Quizsendungen bei SF haben es nicht leicht. TV-Kritiker finden nur selten nette Worte und die Vorgängersendung "Zart oder Bart" kam beim Publikum nicht an. Sind Sie auf Kritik vorbereitet?

Diese Mechanismen habe ich natürlich schon selber beobachtet. Wenn die Kritik zu Beginn kommen wird, dann weiss ich, dass dies auch sehr erfolgreichen Formaten widerfahren ist. So lange sich die Kritik in einem konstruktiven Rahmen bewegt, nehme ich diese auch entgegen.

Bei "1 gegen 100" hängt der Erfolg der Sendung mehr von Ihnen ab, als Sie es bisher gewohnt waren. Spüren Sie diesen Druck?

Meine Person ist gar nicht so entscheidend. Das Format wird in vielen Ländern mit vielen unterschiedlichen Gastgebern ausgestrahlt -- meistens sehr erfolgreich. Das zeigt, dass das Konzept von "1 gegen 100" unabhängig vom Typ des Moderators funktioniert.

Sie wollen also nur ein guter Gastgeber sein?

Im Zentrum der Sendung steht der Kandidat und nicht ich. Wir möchten, dass der Kandidat beim Spielen aus sich herausgeht und Emotionen zeigt. Mein Job ist es, ihm eine möglichst gute Plattform zu bieten, um seine Performance abzuliefern. Würde sich "1 gegen 100" um meinen Bauchnabel drehen, wäre es die falsche Sendung für mich. Ich bin nicht für die Showtreppe geboren.

Beim Radio hört das Publikum auf die Stimme, beim Fernsehen achten die Zuschauer auch auf das Aussehen. Werden Sie nun vermehrt zur Modezeitschrift greifen?

Ich arbeite seit über 10 Jahren fürs Fernsehen. In dieser Zeit war meine Garderobe auch schon Thema, da braucht es nicht erst eine Quizsendung im Hauptabendprogramm. Aber so sei es, die Geschmäcker sind Gott sei Dank verschieden.

Setzen Sie jetzt ganz auf die Karte Unterhaltung oder werden Sie weiterhin für "SF Special" unterwegs sein?

Ich werde weiterhin für DRS 3 hinter dem Mikrofon Platz nehmen und auch meine übrigen Tätigkeiten beim SF beibehalten. „1 gegen 100“ wird in Staffeln produziert. Das hat den Vorteil, dass man kurz und intensiv beansprucht wird, nachher aber wieder Zeit für anderes hat.

(Interview: Stefan Wyss)