"Ich brauche keine Freundschaften, um weiter zu kommen"

- Klaus Vieli (Bild) wird der neue Chefredaktor des Nachrichtenmagazins "10vor10" von SF DRS. Er löst Martin Hofer ab, der seinerseits als Chefredaktor zum SonntagsBlick wechselt. Vieli tritt seine Stelle im kommenden April an. "persoenlich.com" wollte von Vieli wissen, was seine Ernennung für Konsequenzen für Redaktion und Sendung hat und wie er zu seinem neuen Job kam. Das Interview:

Ueli Haldimann spricht im Pressrelease zur Ihrer Ernennung davon, dass Sie bewiesen hätten, "einer bestehenden Sendung eine neue Perspektive geben zu können". Wird "10 vor 10" jetzt total umgekrempelt?

Nein, das heisst es sicher nicht. "10vor10" ist eine hervorragend positionierte Sendung mit einem grossen Stammpublikum, die auch immer wieder mit Sonderleistungen von sich reden macht. Handkerum glaube ich, dass jede Sendung ihren eigenen Lebenszyklus hat. Ich bin damals beim Start von "10vor10" mit in der Konzeptgruppe gewesen, wo ein paar junge Journalisten versucht haben, den Journalismus neu zu erfinden, und damit teils auch angeeckt sind. Nach einem zweijährigen Einsatz beim Magazin des Tages-Anzeigers bin ich dann zurück gekommen als Reporter und Themenplaner. Zu dem Zeitpunkt war "10vor10" noch immer ein Pionierunternehmen, das intern und extern damit zu kämpfen hatte, das es nicht in die damalige Fernsehlandschaft von SF DRS passte. Heute ist "10vor10" eine reife, erwachsene Sendung, die ihren Platz gefunden hat. So gesehen gibt es keinen Grund, sie umzukrempeln. Mein Ziel wird es aber sein, jeden Tag die hohe Qualität der Sendung neu unter Beweis zu stellen und vielleicht da und dort den Elan noch ein bisschen zu steigern.

Konkrete Änderungen können Sie keine nennen?

Nein, ich habe keinen grossen Masterplan im Hosensack (lacht). Ich werde offen auf die Sendung und offen auf die Redaktion zugehen und schauen, wo wir gemeinsam noch etwas verbessern können. Dabei kommt mir sicherlich zu Gute, dass ich in den letzten eineinhalb Jahren im Ausland war und somit mit einem frischen Blick an den Leutschenbach zurückkehre.

Sie kennen die Medienbranche sehr gut, waren auch für TV3 tätig. Werden Sie Ihre "eigenen" Leute mitbringen?

Nein, wie gesagt, ich war in der letzten Zeit zu weit weg vom Schweizer Medienkuchen. Erst einmal will ich mit allen reden, die hier arbeiten, ihre Vorstellungen abchecken. Immerhin sprechen wir hier vom Fernsehen, nicht vom Transfer-Markt eines Fussball-Clubs (lacht).

TV3 war -- zumindest zum Schluss hin -- ein Boulevard-Sender. Erwartet die "10vor10"-Zuschauer künftig ebenfalls mehr Boulevard?

Wer TV3 und meine Geschichte genau verfolgt hat, weiss, dass ich immer für News, für Informationen gekämpft habe. Ein Sender ohne News ist zum Scheitern verurteilt -- diese Meinung habe ich damals auch gegenüber den Tamedia-Aktionären und dem VR vertreten. Mein grosses journalistisches Thema sind gute Hintergrundsendungen und für die steht "10vor10".

Mit welchen Ihrer Qualitäten, denken Sie, haben Sie Ihre Mitbewerber ausstechen können?

Ich war, wie gesagt, in Deutschland, und weiss noch nicht einmal, wer sonst noch im Gespräch war. Im übrigen habe ich mich nicht beworben, sondern bin angefragt worden. Was ich mir damit erkläre, dass ich damals schon mit der "Rundschau" bewiesen habe, dass ich in eine Sendung neuen Elan bringen kann.

Welchen Einfluss hat Ihre kolportierte Freundschaft mit Chefredaktor Haldimann auf Ihre Wahl?

(Lacht laut). Wer wie ich schon viele Stellen besetzt hat, weiss, dass schlussendlich nur die Leistung zählt, die bestmögliche Besetzung. Ich nehme mal an, dass man mich wegen meines Profils gewählt hat und aus keinem anderen Grund. Ueli Haldimann ist ein gescheiter Mensch, der auf Leistung setzt und nicht auf Freundschaft. Abgesehen davon bin ich seit 30 Jahren im Journalismus und brauche keine Freundschaften, um weiter zu kommen. Das habe ich auch mit meinen erfolgreichen Projekten in Deutschland bewiesen, wo ich anfangs auch niemanden kannte.

Sie waren bereits als Nachfolger des damaligen SF DRS-Chefredaktors Filippo Leutenegger im Rennen. Warum wollen Sie unbedingt zu SF DRS zurück?

Nein, das war eine Zeitungs-Ente. Ich will auch gar nicht "unbedingt" zurück zu SF DRS. Was ich will, ist ein interessanter Job. Nun hat man mir einen angeboten, aus diesem Grund bin ich zurück.

Sie haben eine eigene Firma für TV-Produktionen. Was passiert mit dieser?

Ich werde bis zu meinem Start im April Projekte, die ich betreue, zu Ende bringen oder aber übergeben. Anschliessend werde ich mich aus der Geschäftsleitung und dem operativen Geschäft zurückziehen.

Ihr Vorgänger Martin Hofer wechselt im Januar zum SonntagsBlick. Wer übernimmt bis April bei "10vor10"?

Hofers Stellvertreter Bruno Bonometti leitet die Redaktion bereits jetzt interimis tisch -- und er hat alle nötigen Kompetenzen.

(Interview: Almut Berger).