Frau Boesch, das Publikum hätte Sie gerne als "10vor10"-Moderatorin behalten. Wären auch Sie gerne geblieben?
Ich habe mir dies erst überlegt, nachdem meine Zeit bei "10vor10" vorbei war. Mir wurde klar, wie sehr es mir gefiel, diesen vielseitigen Job zu machen und mit dem "10vor10"-Team zusammenzuarbeiten. Ansonsten aber war immer klar: Ich bin die Stellvertreterin. Nun freue ich mich auf die kommende Herausforderung bei der Tagesschau.
Vor Ihrer "10vor10"-Stellvertretung haben Sie die Tagesschau-Spätausgabe moderiert. Welche Arbeit war spannender?
Bei "10vor10" ist die Herausforderung zweifellos grösser. Man wird sehr genau beobachtet, es wird viel mehr in der Öffentlichkeit darüber geredet. Entsprechend grösser ist auch die Nervosität.
Sie haben als Blick-Publikumsliebling das gesamte bestehende Moderatorenteam in den Schatten gestellt. Kam da von Seiten Ihrer Arbeitskollegen nie eine gewisse Rivalität auf?
Nein. Die Aussage, ich hätte meine Kolleginnen und Kollegen in den Schatten gestellt, muss ich relativieren. Denn in jenen Wochen, als die Blick-Umfrage stattfand, hatte ich gerade am häufigsten Dienst und daher die grösste Präsenz am Bildschirm. Lässt man uns Stellvertreterinnen von der Umfrage weg, ist Susanne Wille die beliebteste Moderatorin. Das hat mich gefreut. Von ihr habe ich in keinem Moment eine Rivalität verspürt, sondern im Gegenteil viel Wohlwollen, wie im übrigen auch vom gesamten Team.
Sie wirken immer sehr souverän am Bildschirm. Ist Ihre Coolness nur Maske oder haben Sie tatsächlich Nerven aus Stahl?
Ich wollte meine Arbeit unbedingt gut machen und bereitete mich deshalb lange mit meinem Moderationscoach auf meine Aufgabe vor. Zugleich konnte ich auf meine langjährige Erfahrung aus der Zeit als Radiomoderatorin zurückgreifen. Dabei habe ich gelernt, dass die Welt nicht zusammenbricht, wenn eine Panne passiert. Tritt Sie ein, versuche ich souverän, kompetent und trotzdem menschlich zu reagieren. Damit ich nicht aus allen Wolken falle, habe ich mir die Dinge aber auch so zurechtgelegt, dass ich immer über zwei, drei Auswegsszenarien verfüge.
Was müssen Sie noch lernen?
Ich möchte mich noch souveräner fühlen und gerade auch in Interview-Situation lockerer und spontaner wirken.
Sie waren im TV-Star auf der Titelseite abgebildet, am Donnerstag sind Sie in der Sendung "Aeschbacher" zu Gast. Wie gehen Sie mit dem Rummel um Ihre Person um?
Ich trenne das Private strikt von meinen Job. Da ich mit meinem Privatleben sehr zufrieden bin, möchte ich, dass sich daran möglichst wenig ändert. Auch wenn ich meine Arbeit möglichst gut machen möchte, achte ich darauf, dass das Berufliche das Private nicht tangiert.
Es wird also auch in Zukunft keine Schweizer Illustrierte-Homestory mit Ihnen geben.
Nein, das will ich nicht. Wenn ich nun schon 15 Jahre moderieren würde, könnte ich mir schon vorstellen, preiszugeben, wo ich wohne. Aber nach zweieinhalb Monaten "10vor10" wäre dies das falsche Signal. Es spielt im Übrigen auch keine Rolle, wie das Sofa aussieht, auf dem ich zu Hause TV schaue.
Sie wechseln nun zur Tagesschau. Welche Aufgabe wartet auf Sie?
Ich werde bei der Tagesschau vor allem redaktionell arbeiten. In einem internen Ausbildungsprogramm werde ich überdies lernen, Beiträge zu produzieren und meine Interview-Fähigkeit zu verbessern. Daneben moderiere ich ab und zu die Spätausgabe der Tagesschau sowie auch die Ausgaben um eins und sechs Uhr.
Ist es Ihr Ziel, mittelfristig Moderatorin der Tagesschau-Hauptausgabe zu werden?
Ich bin keine Person, die weit in die Zukunft hinaus plant. Ich stelle mich jeweils auf die kommenden sechs Monate ein. Alles andere steht gegenwärtig überhaupt nicht zur Debatte.