"Ich habe das Mail nicht geschrieben."

Linus Reichlin - Tamedia verwehrt offenbar Recht auf Gegendarstellung.

Der Facts-Kolumnist Linus Reichlin sieht sich zu unrecht beschuldigt, eine anonyme E-Mail verfasst zu haben. Seine Arbeitgeberin Tamedia verwehrt ihm aber das Recht auf eine Gegendarstellung.

In einer der letzten Magazin-Ausgaben des Tages-Anzeigers veröffentliche Doris Knecht in ihrer Kolumne eine Liste mit 50 Männern, die für ihre Freundin Simone Meier in Frage kämen. Dabei war auch Reichlins Name. Meier erhielt in der Folge einige E-Mails von andern, auf der Liste stehenden Männern, die sie während einer Lesung Anfang März im Restaurant B in Zürich vorlas. Darunter befand sich auch eine anonyme, offenbar beleidigende Zuschrift, in der sie beschimpft wurde. Meier las auch diese Mail vor. Weil ihr "Experten" versichert hatten, der Sprachstil deute auf Reichlin als Autor, wurde derKolumnist Tage später in einem Bericht des Tages-Anzeiger über die Lesung namentlich als Autor genannt.

Das Problem, so Reichlin in einem Schreiben: "Ich habe das Mail nicht geschrieben." Weil er den entsprechenden, sich auf den Verfasser der Mail beziehenden Text im Tagi wenig schmeichelhaft finde und nicht gern den Kopf für Dinge hinhalte, mit denen er nichts zu tun habe, habe er von der Kulturredaktion des TA den Abdruck einer kurzen Gegendarstellung verlangt. Diese sei ihm von der Rechtsabteilung der Tamedia -- ironischerweise der Firma, bei der er selbst angestellt ist -- verweigert worden mit der Begründung, die rechtlichen Voraussetzungen seien nicht gegeben.

"Ich kann und will es nicht hinnehmen, dass man in einer 'Qualitätszeitung' willkürlich als Verfasser eines üblen anonymen Mails genannt werden darf und dann keine Gelegenheit zur Gegendarstellung bekommt.", schreibt Reichlin. "Ich verlange den Abdruck der Gegendarstellung oder eine entsprechende Berichtigung der Redaktion."