"Ich habe ein gutes Gschpüri entwickelt für das, was funktioniert oder eben nicht."

- 35 Jahre lang war Journalismus sein "daily business". Ueli Haldimann prägte die Schweizer Medienlandschaft als Zeitungsjournalist, Chefredaktor und Fernsehdirektor von SF. Nun will er mit seiner eigenen Firma unlimited communications durchstarten. Auf "persoenlich.com" spricht er über den ambitionierten Seitenwechsel. Zum Interview:

Ueli Haldimann. Sie wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Wie fühlen Sie sich dabei?

Ein bisschen ungewohnt ist es schon noch, nicht mehr als Verantwortlicher fern zu sehen, sondern sozusagen als die legendäre Frau Muggli aus Niederbipp. Ich habe plötzlich viel mehr Zeit, der ganze Pflicht-Fernsehkonsum fällt weg. Und ich bekomme nach dem Handelsregistereintrag viel Post von Treuhändern, Privatfliegern, Versicherungen, Beratungsunternehmen oder Adressbuch-Haien. Es ist wie wenn man heiratet oder ein Kind kriegt.

unlimited communications heisst Ihr neu gegründetes Unternehmen. Was bieten Sie an?

Ich biete Beratung im Bereich Kommunikation und Strategie an, möchte aber auch wieder selbst unter meinem Namen publizieren. Ich möchte wieder schreiben und Filme produzieren, vor allem im dokumentarischen Bereich. Das hat mir in den letzten Jahren etwas gefehlt. Wie ich das alles unter einen Hut kriege und wie genau sich mein Portefeuille zusammensetzen wird, weiss ich noch nicht.

Haben Sie bereits erste Projekte aufgegleist?

Ich weiss, dass es jetzt eigentlich richtig wäre, sofort Vollgas zu geben. Aber ich brauche zuerst einen Break. Ich muss ein bisschen frische Luft schnappen. In ein paar Monaten geht’s dann richtig los. Verschiedene Aufträge sind schon vorbesprochen.

Starten Sie allein oder mit einem Team?

Ich bin vorläufig allein. Ich weiss aber auch, dass ich für Projekte, die sich abzeichnen, Unterstützung brauchen werde.

Es gibt schon sehr viele Kommunikationsberatungs-Firmen. Warum soll Ihre besser sein?

Ich werde keine klassische PR betreiben, werde keine Medientrainings anbieten und sehe auch nicht vor, mich als "spin doctor" anzubieten. Das ist schon mal ein Unterschied zu dem, was viele machen. Ich sehe mich als Berater in strategischen Kommunikationsfragen. Ich kann auch einem Unternehmen helfen, seine Strategien zu verbessern. Gerade im Medienbereich gibt es viele Unternehmen, die im strategischen Bereich noch besser ausgerichtet sein könnten.

Und was prädestiniert Sie dazu?

Ich habe einfach sehr viel Praxiserfahrung, weiss wie Redaktionen und Journalisten ticken und wie sie geführt werden können. Ich kenne aber auch den Markt sehr gut und habe ein gutes "Gschpüri" entwickelt, zu wissen, was funktioniert und was nicht. In den letzten Jahren habe ich dieses Know-how auch als Fernsehdirektor und als Mitglied oder Vorsitzender verschiedener Verwaltungsräte im Medienbereich einbringen können und dabei schnell gemerkt, dass mein Hintergrund, aber auch meine Art, Probleme anzugehen, sehr geschätzt wird. Ich kann mir gut vorstellen, mich so auch anderswo einzubringen.

Sie sind schweizweit bekannt. Glauben Sie, dass dies ein Vorteil ist?

Ja sicher. Ich kenne sehr viele Leute. Und ich habe den Vorteil, gerne im Hintergrund zu arbeiten. Meine künftigen Kunden sollen im Rampenlicht stehen, nicht ich.

Sie waren lange Zeit eine prägende Figur beim Schweizer Fernsehen. Wie haben Sie den Abschied Ende Jahr erlebt?

Sehr intensiv. Ich hatte eine schöne bye-bye-Party und bekam mehrere hundert Mails, Briefe und Karten, die mir gezeigt haben, dass ich ein Chef war, der die Leute gefordert hat, den sie aber auch gern hatten.

Nun machen Sie zuerst eine Pause?

Ich werde reisen, zunächst vor allem in Afrika. In Etappen, weil ich ein paar Termine in der Schweiz habe. Und ich möchte ein paar Dinge lernen, die ich schon lange lernen wollte. Zum Beispiel Filme zu schneiden oder Saxophon zu spielen.

Interview: Christine Schnyder