"Ich habe nicht gesucht, ich bin gefunden worden"

- Mit Albert P. Stäheli wird der NZZ-Gruppe erstmals ein CEO vorstehen. Bisher bekleidete er diese Position bei Espace Media. Beim Verkauf der Mediengruppe an Tamedia war er sich bewusst, dass der Moment gekommen war, das über lange Jahre grossgezogene Kind freizugeben. "Jetzt hilft mir die neue Perspektive, richtig loszulassen", erklärt er gegenüber "persoenlich.com". Das Interview:

Herr Stäheli, wie ist es zum Wechsel zur NZZ gekommen?

Es ist ja bekannt, dass Egon Zehnder International vom Verwaltungsrat der NZZ mit der Suche beauftragt worden ist. Mit anderen Worten: Ich habe nicht gesucht, ich bin gefunden worden.

Als die NZZ bekannt gab, dass ein CEO gesucht wird, wurde von einem mehrstufigen Evaluationsverfahren gesprochen. Welche Tests mussten Sie bestehen?

Es kann nicht an mir sein, über das Auswahlprozedere von Egon Zehnder und NZZ zu sprechen.

In den Medien wurde berichtet, Sie hätten der NZZ abgesagt. Wie haben Sie sich doch noch überzeugen lassen?

Es stimmt leider nicht immer alles, was in den Medien steht. Mein Entscheid ist nämlich ziemlich linear gereift.

Wie hat man bei Tamedia auf ihren Abgang reagiert? Wollte man Sie umstimmen?

Für alle involvierten Parteien war es ein Entscheidungsprozess der Zeit in Anspruch nahm. Nicht nur die NZZ und ich, auch die Spitzen von Tamedia und NZZ mussten sich finden.

Inwiefern hat die Übernahme der Espace durch Tamedia ihren Wunsch auf eine neue Herausforderung beeinflusst?

Schon beim Verkauf der Espace Media Groupe war ich mir bewusst, dass der Moment gekommen war, das über lange Jahre grossgezogene Kind freizugeben. Und jetzt hilft mir die neue Perspektive natürlich, richtig loszulassen. Ausserdem ist der Integrationsprozess in die Tamedia bereits sehr weit fortgeschritten.

Haben Sie sich unter dem Dach von Tamedia nicht mehr wohl gefühlt?

Ich habe mich stark eingesetzt für einen guten Integrationsprozess. Der ist nun auch bereits gut auf den Schienen. Aber längerfristig wäre ich wohl kaum mehr die richtige Person gewesen.

Die NZZ-Gruppe wird erstmals von einem CEO geführt werden. Was genau wird von Ihnen erwartet?

Es geht wie überall um die Mitgestaltung und vor allem die Umsetzung der Unternehmensstrategie oder im Fall der NZZ-Gruppe der Strategien. Es gibt ja einerseits die ausserordentlich starke Marke NZZ und andererseits die gut verankerten Regional- und Lokalzeitungen.

Wie werden Sie die NZZ-Gruppe führen -- mit starker Hand wie etwa ein Martin Kall bei Tamedia?

Ich bin ein Team-Mensch, stehe zu den Leuten und ziehe lieber am Karren, als dass ich von hinten drücke. Er lässt sich dann auch besser lenken.

Die NZZ-Gruppe kannte bisher eher ein föderalistisches Führungsmodell, die einzelnen Titel haben grosse Freiheiten. Wird die Mediengruppe künftig zentralistischer geführt?

Dazu kann ich mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern. Die NZZ-Führung wird solche Fragen vor dem Hintergrund der sich stark verändernden Medienmärkte unvoreingenommen erörtern müssen.

Sie befinden sich in einem Alter, in dem es erlaubt wäre, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Warum tun Sie sich eine solche Aufgabe nochmals an?

Ich habe mich das auch gefragt. Ich bin zusammen mit meiner Familie zum Schluss gekommen, dass ich gesünder bleibe, wenn ich das anpacke, als wenn ich beginne, mich schon auf die Frühpensionierung einzustellen. Es wäre wohl das letzte Mal gewesen, wo ich nein hätte sagen können.

(Interview: Stefan Wyss)