Herr Walder, ist der Wechsel von der Schweizer Illustrierten zum Sonntagsblick für Sie ein Karrieresprung?
Der Wechsel bedeutet nach sechseinhalb Jahren Schweizer Illustrierte eine neue, grosse Herausforderung. Es ist mir Ehre und Challenge zugleich, nach der grössten Zeitschrift nun die grösste Kaufzeitung der Schweiz führen zu können.
Sie dementierten den Wechsel vor zwei Wochen gegenüber "persoenlich.com". Haben Sie sich erst vor kurzem entschieden, das Amt zu übernehmen?
Ich möchte nicht in der Öffentlichkeit über interne Prozesse Auskunft geben. Wenn auch ich es als normalen Vorgang erachte, dass Journalisten recherchieren und Fragen stellen.
Die Schweizer Illustrierte pflegte unter Ihnen stets einen wohlwollenden Journalismus. Prominente werden von der SI mit Samthandschuhen angefasst. Beim SonntagsBlick sind nun harte Geschichten und Kampagnenjournalismus gefordert. Wie schwer fällt Ihnen diese Umstellung?
Ich war bereits vor rund neun Jahren als stellvertretender Chefredaktor des Sonntagsblicks tätig. Ich kenne also die Mechanismen der Sonntagspresse. Die Frage ist nicht, ob Samthandschuhe oder nicht. Es stellt sich für jeden Titel immer nur die eine Frage: Schaffen wir es, möglichst guten, informativen, relevanten und unterhaltenden Journalismus zu bieten.
Die Blick-Titel werden laut Michael Ringier im Markt neu positioniert. Welche Vorgaben haben Sie von der Konzernleitung erhalten?
Weder Michael Ringier als Verleger, noch Martin Werfeli als CEO geben Vorgaben ab. Prozesse bei Ringier funktionieren als intensive Debatten. Die werden wir ab nun führen. Zusammen mit allen Beteiligten.
Wo muss der SonntagsBlick Ihrer Ansicht nach besser werden? Wo sehen Sie noch brachliegendes Potenzial?
Der SonntagsBlick ist die klare Nummer 1 auf dem Sonntagsmarkt. Einziges Ziel ist, diese Position der Stärke nachhaltig zu festigen.
Was passiert mit dem Sorgenkind "Sie + Er"?
"Sie + Er" ist ein wichtiges Thema, ganz klar. Doch "Sie + Er" betrachte ich in erster Linie als grosse Chance für den SonntagsBlick.
Noch stehen Sie dem hierzulande wohl erfolgreichsten Zeitschriftentitel des Landes vor. Können Sie persönlich mit Ihrem Wechsel zum SonntagsBlick nicht fast nur verlieren?
Ich habe in all meinen Funktionen, die ich im Haus Ringier innehaben durfte, nie an gewinnen oder verlieren gedacht.