"Ich konnte diese Schreib-Chance nicht ausschlagen"

SonntagsZeitung - Natürlich habe sie die Kritik verletzt, sagt die Journalistin Esther Meyer im Interview.

Frau Meyer, in der "SonntagsZeitung“ berichten Sie als Single von der Männersuche. Aus welchem Grund schreiben Sie über dieses private Thema?
Ich denke nicht, dass das ein privates Thema ist, sondern eines, das durchs Band alle Menschen bewegt, interessiert und fasziniert. Deshalb war das Echo auf den Artikel auch so gross.

Die Reaktionen auf ihrem ersten Artikel im Frühling waren nicht nur gross, sondern auch hart. Ihre Aussage, die Zürcher Männer seien zu wenig mutig, wurde heftig kritisiert. Wie gehen Sie damit um?
Darauf antworte ich wie damals auch: Sie haben offensichtlich meinen Text nicht genau gelesen, denn ich kritisiere darin die Mentalität der Stadt und die Mentalität der Bewohner. Ich ziele keineswegs nur auf die männlichen Zürcher ab.

Dann prallt die Kritik an Ihnen ab?
Natürlich hat es mich verletzt. Wildfremde Menschen massen sich online ein Urteil über dich in Leserkommentaren an. Ich wage zu behaupten, dass das jeden verletzt. Man lernt aber auch schnell, Kommentare jeglicher Art, sei es auf Facebook oder auf Blick.ch, nicht mehr zu lesen. 
 
Welche Reaktionen erhalten Sie von Journalistenkollegen?
Eigentlich nur gute, wenn man den Tagesanzeiger.ch-Stadtblog von Réda El Arbi nicht mit einberechnet. Wir haben uns aber mittlerweile versöhnt.
 
Am letzten Sonntag ist nun der zweite Artikel erschienen, ein Speed-Dating-Erfahrungsbericht. War für Sie von Anfang an klar, dass Sie dieses Thema weiterziehen?
Ich wollte sicherlich weiterhin für die 'SonntagsZeitung' schreiben, in welcher Form war aber noch nicht klar. Als ich nach meinem TV-Auftritt im Juli beim 'Club' vom SRF zum Speeddaten eingeladen wurde, konnte ich diese Schreib-Chance nicht ausschlagen. Und ja, ich bin auch an anderen Themen als datende Zürcher interessiert.
 
Nach dem ersten Artikel haben Sie unzählige Emails und Briefe erhalten. Waren die Reaktionen auf ihren Erfahrungsbericht letzte Woche erneut so gross?
Nein, waren sie nicht. Was aber auch sehr okay ist.
 
Zweimal auf dem Titel der "SonntagsZeitung": Mit welchen Argumenten wurde während der Sitzung für oder gegen Ihre Geschichte auf der Front diskutiert?
Wenn man die vergangenen Titelgeschichten der 'SonntagsZeitung' anschaut, waren fast jeden Sonntag Gesellschaftsthemen auf der Front. Von Selfie-Stick-Themen über Männer, die die Natur suchen über 'Vererbtes Scheidungsrisiko'. Das Für-Argument war sicherlich wie oben erwähnt, dass die Partnersuche ein Thema ist, welches viele Menschen interessiert. Und so war es dann ja auch.
 
Denken Sie, dass Ihnen die Publizität, die Sie durch Ihre Artikel erhalten, in der Liebe weiterhilft?
Nein, das denke ich nicht. Ich durfte jedoch zwischenzeitlich privat sehr viele tolle Leute kennenlernen, platonisch, wie auch weibliche. Dafür bin ich sehr dankbar. Und ich bin des Weiteren noch immer der Überzeugung, dass der Zufall eine grosse Rolle spielt, wenn es um die Liebe und das Kennenlernen geht.
 
Die Artikel für die SoZ sind freiberuflich entstanden. In welcher Form sind Sie sonst noch journalistisch tätig?
Ich arbeite seit Jahren freiberuflich für das "Rockstar Magazine". Zuvor hatte ich einen Blog bei der "Schweizer Illustrierten". 2012/13 habe ich die Ringier Journalistenschule absolviert in Verbindung mit einem Volontariat im Unterhaltungsressort bei der SI. (wid)

Bild: Andrea Monica Hug