Herr Köppel, die "Weltwoche" hat mit Ihrer Zuppiger-Geschichte den Scoop des Jahres gelandet. Wie sind Sie darauf gekommen?
Roger Köppel: Diese Story ist das alleinige Verdienst von Urs Paul Engeler, dem besten Inlandjournalisten der Schweiz.
Gibt es noch Zweifel an der Richtigkeit der Geschichte?
Nein.
Ihre Zeitung wird immer als SVP-nah bezeichnet, wie beispielsweise im "Tages-Anzeiger" vom Donnerstag. Bekommen Sie dadurch nicht Probleme mit Ihrer eigenen Leserschaft?
Die "Weltwoche" ist die unbequeme Stimme der Vernunft. Sie setzt auf kritischen Aufdeckungsjournalismus. Wir enthüllen Probleme und Missstände. In Kommentaren setzen wir uns für bestimmte Grundwerte und Inhalte ein, sind aber mit allen Parteien kritisch, wenn es die Sache erfordert. Wie der Fall Zuppiger ein weiteres Mal beweist.
Wie reagieren Ihre Leser auf diese Story?
Es gibt etwas Kritik und sehr viel Zustimmung für unseren parteiunabhängigen Kurs.
Stört es Sie, wie andere Medien über Ihren Scoop berichten?
Ich staune, dass die Konkurrenz vor allem über die angeblichen Motive der "Weltwoche" spekuliert - unprofessionell, denn angerufen wurde ich kaum. Die Sache an sich ist doch das Thema, scheint aber nur geringfügig zu interessieren.
Was raten Sie nun der SVP-Führung?
Einen neuen Kandidaten aufzustellen.
Es wurde auch schon gemunkelt, die ganze Story sei ein politisches Manöver, um Herrn Zuppiger abzuschiessen?
Unsinn.
Die "Weltwoche" hat vor einigen Wochen die neue St. Galler Ständerätin und Regierungsrätin Karin Keller-Sutter auf's Heftigste angegriffen - ohne weitere Reaktion. Woran lag dies?
Die "Weltwoche" wird immer dann zitiert, wenn sie kritisch gegen die SVP ist wie jetzt oder kurz nach den Wahlen. Wenn wir Missstände bei Karin Keller-Sutter aufdecken oder bei Eveline Widmer-Schlumpf, werden wir totgeschwiegen. Daran sehen Sie wie selektiv und einseitig die Mainstream-Medien gewichten, während die "Weltwoche" nach allen Seiten kritisch ist, wenn es sachlich erforderlich ist.
Interview: Matthias Ackeret