Warum haben Sie Radio Tropic gekauft?
Die Schweizer Radiolandschaft ist verkrustet und stagniert seit Jahren, weil alle privaten Sender ein ähnliches Programm ausstrahlen. Ich habe von sehr vielen Leuten gehört, dass sie in Sachen Radio heimatlos sind. Für diese möchte ich ein Radio machen. Zudem reizt es mich, wieder etwas vom ersten Strich auf dem weissen Blatt an aufzubauen. Als nächstes werde ich auch den neuen Namen des Radio bekannt geben.
Sie konkurrenzieren nun ihr eigenes Kind, Radio 24
(Unterbricht). Nein, Radio 24 ist die Nummer 1 beim jüngeren Zielpublikum und soll das auch bleiben. Mit meinem neuen Radio wende ich mich an ein anderes Publikum zwischen 30 und 60 Jahren. Wir werden ein Programm machen, dass eher komplementär zu demjenigen von Radio 24 steht. Insofern stehe ich mit meinem Projekt nicht in direkter Konkurrenz zu meinem ehemaligen Sender.
Ist es für Sie keine spezielle Situation, dass Sie mit dem Geld von Tamedia nun in den Wettbewerb mit Ihrem alten Sender treten?
Ich habe mein Geld während vielen Jahren ganz anders verdient. Ausserdem hat die Tamedia heute nur dank meiner Vorarbeit einen Radio- und einen TV-Sender, und das war in den letzten sechs Jahren nicht durchwegs eine Erfolgsstory, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf. Sie haben aber Recht,: Es ist für mich ein besonderer Tag, fast 30 Jahre nach der Gründung von Radio 24, mit einem neuen Radioprojekt zu starten. Radio ist im Gegensatz zum Fernsehen ein Medium, bei dem man vor allem Herz, einige tolle, kreative Leute und etwas Geld benötigt. Beim Fernsehen kommt man ohne sehr viel Geld nicht vom Fleck. Ich werde nun zwischen 8 und 10 Millionen Franken in mein Radio investieren. Das ist für ein solches Projekt sehr ambitiös.
Gab es schon Reaktionen seitens der Tamedia?
Die ersten Reaktionen waren sehr freundschaftlich und man hat mir viel Glück gewünscht.
Warum sind Sie so sicher, dass Ihr Radio funktioniert?
Ich verlasse mich vollständig auf mein Bauchgefühl und dieses hat mich noch selten getäuscht.
Welches sind die nächsten Schritte?
Ich muss den ganzen Sender von Anfang an aufbauen. Momentan suche ich geeignete Büroräumlichkeiten im Zentrum von Zürich. Dann gilt es auch, ein Team aufzubauen. Daneben suche ich bald einen Geschäftsführer und Programmleiter. In beiden Angelegenheiten nehme ich übrigens gerne gute Vorschläge unter rschawinski@web.de entgegen. Schon bald werde ich zusätzlich den Bau des Studios in Auftrag geben. Der Aufbau der technischen Infrastruktur wird am meisten Zeit in Anspruch nehmen
Ihr Ziel war es immer, national zu senden. Sat.1 ermöglichte Ihnen sogar internationale Ausstrahlung. Nun müssen sie sich darum kümmern, dass man ihren Sender auch in Zürich Nord empfangen kann. Haben Sie Ihre Einstellung geändert?
Grösse ist nicht grundsätzlich eine Qualität. Ich mache etwas, wenn ich daran glaube und es mir Spass bereitet. Ich bin davon überzeugt, dass mein neues Radio eine Nische füllt und ein Bedürfnis abdeckt. Und mit der neuen Konzession dürfte der Sender auf den Üetliberg zügeln. Das wird einiges verbessern.
Damit geben Sie sich wirklich zufrieden?
Das Radio wird nicht mein einziges neues Betätigungsfeld bleiben. Es sind noch andere Projekte in der Pipeline.
(Interview: Matthias Ackeret)