"Ich verstehe mich eher als Notnagel des Schweizer Fernsehens"

- Kick-Off zur neuen SF DRS-"Retroshow" : Anfang Woche hat die Produktion der neuen, von Kurt Felix konzipierten Samstagabend-Sendung begonnen. Der Unterhaltungs-Profi rollt in der Show für Schweizer Prominente den roten Teppich aus. Das Format zielt auf das ältere Publikum und setzt auf Altbewährtes: Sandra Studer moderiert, Pepe Lienhard musiziert. "persoenlich.com" sprach mit Kurt Felix über die "Retro"-Welle beim Schweizer Fernsehen und seinen Abschied als TV-Kolumnist. Das Interview:

Nach zehn Jahren hören Sie als TV-Kolumnist der Schweizer Illustrierten (SI) auf. Weshalb?

Für mich ist die journalistische Glaubwürdigkeit oberstes Gebot. Ich bin gegenwärtig Konzepter für die neue Samstagshow des Schweizer Fernsehens. Da ich also mit dem Haus beruflich zu tun habe, fühle ich mich nicht mehr unabhängig. Wenn ich meine Glaubwürdigkeit und Objektivität gegen aussen hin nicht gewährleisten kann, muss ich mit meiner TV-Kolumne aufhören.

Sie haben als TV-Beobachter das Schweizer Fernsehen kritisch kommentiert. Nun haben Sie die Seite gewechselt. Fürchten Sie nicht, dass nun Ihre Arbeit übermassen kritisch bewertet wird?

Ich habe mich nie als Kritiker gefühlt, sondern vielmehr als Beobachter des Mediums. Im Gegensatz zu den TV-Kritikern bin als Kind des Fernsehens von positiver Seite her ans Medium herangetreten. Ich muss auch anfügen, dass keiner der beiden SI-Chefredaktoren jemals etwas von mir zensuriert oder mir ein Thema vorgeschrieben hat. Ich konnte gar TV-Sendungen kritisch beleuchten, die Ringier-TV produziert hat. Einzige Ausnahme: Vor fünf Jahren schrieb ich, dass die Radiosprecherin B. B. redet, als würde Sie eine Wehrmachtsverfügung aus dem 2. Weltkrieg vorlesen. Das hat mir Peter Rothenbühler herausgestrichen.

In welchem Stadium befindet sich Ihre Sendung mit dem Arbeitstitel "Standing Ovations"?

Am Montag hat der Kick-Off der Sendung begonnen. Es gab Besprechungen mit den 15 Mitarbeitern aller Sparten, von der Studiotechnik bis hin zur Graphik. Ich habe dem Produktions-Team die Sendung präsentiert, nun beginnt die Ausarbeitung des Konzeptes, vom Logo bis hin zum Bühnenbild. Dabei gilt: Zwei Drittel der Sendung wird durch die Grundstruktur vorgegeben, ein Drittel hängt vom Gast ab, der eingeladen wird.

Was erwartet die Zuschauer?

In der Sendung lassen wir einen prominenten Schweizer über einen roten Teppich schreiten und präsentieren fünf bis sieben Facetten seines Lebens. Zu jeder Facette laden wir einen Überraschungsgast ein oder zeigen eine überraschende Aktion, von welcher der prominente Gast nichts weiss. Und weil das Publikum nicht nur über den Menschen informiert werden will, gibt es auch ein humoristisches Rahmenprogramm. Der Spass soll also nicht zu kurz kommen.

Weshalb braucht es eine weitere Sendung, in der das Leben der Prominenten im Mittelpunkt steht?

Es gibt kaum ein anderes Land der Welt, in dem auf so kleinem Raum so viele Menschen leben, die einen hervorragenden Leistungsausweis besitzen und weltweit populär sind, wie die Schweiz. Ich denke da an Namen wie Arthur Kohn, Roger Federer, DJ Bobo und Liselotte Pulver. Dazu kommen hierzulande lebende Ausländer wie Tina Turner, Udo Jürgens und Michael Schuhmacher. Diese Personen kommen in unseren Medien oftmals am Rande vor. Sie verdienen es jedoch, als Persönlichkeit vorgestellt zu werden.

Was an der Sendung ist "Retro"?

"Retro" heisst für mich nicht, dass wir eine verstaubte Filmarchiv-Sendung produzieren. Vielmehr wollen wir rückblickend das Leben der Stars beleuchten. Dazu gehört auch, dass wir im Archiv Aufnahmen aus der Zeit suchen, in welcher der Prominente geboren ist und Wichtiges geleistet hat. Der rote Faden durch die Sendung hindurch wird dabei der rote Teppich sein und er wird auch im Titel der Sendung vorkommen.

Wer wird für den unterhaltenden Teil der Sendung zuständig sein?

Mein Konzeptpartner Marco Stöcklin und ich stellen neben Sandra Studer ein vierköpfiges Team auf. Dazu gehört auch Pepe Lienhard -- für mich nach wie vor der beste Bandleader des Landes. Mit anderen Exponenten sind wir noch in Verhandlungen, deshalb kann ich nichts dazu sagen. Wichtig ist, dass die Personen einen hohen Wiedererkennungswert besitzen.

Pia Schellenberg scheiterte mit ihrem Samstagabend, nun setzt das Schweizer Fernsehen alle Hoffnungen in Sie. Sind Sie der Retter des Samstagabend-Programms von SF DRS?

Es ist übertrieben, von mir als Retter zu sprechen. Das Jahr zählt 52 Samstage, meine Sendung läuft nur an vier bis sechs Wochenenden. Ich selber verstehe mich deshalb eher als Notnagel. Im Gegensatz zu Pia Schellenberg, deren Sendung ein Jahr lang entwickelt wurde und zum Schluss doch nicht auf den Bildschirm kam, habe ich Wert darauf gelegt, dass meine Sendung innerhalb weniger Wochen durchgezogen wird und sich nun bereits in der Ausführungsphase befindet.

Das Schweizer Fernsehen hat Probleme mit dem Samstagabend-Programm. Was macht es so schwierig, ein anständiges Samstagabend-Format zu entwickeln?

Ich weiss nicht, was daran schwierig sein. Doch natürlich sind die grossen Shows am Samstagabend teuer. Und überdies sind die Sendeplätze sehr rar, angesichts der Vielzahl an internationalen Produktionen wie "Wetten dass?", "Grandprix der Volksmusik", "Concours d’Eurovision" etc. Im Übrigen jedoch finde ich nicht, dass das Samstagabend-Programm des Schweizer Fernsehens so schlecht ist.

Nach Sahlenweidli und einer Soap zum Internatsfernsehen der Fünfziger Jahre setzt SF DRS auch am Samstagabend auf "Retro". Fehlt es dem Schweizer Fernsehen an neuen Ideen?

Retro ist nun einmal sehr erfolgreich. Damit kann man eine grosse Zuschauerschaft ansprechen. Sendungen, die dem Jugendwahn verfallen sind, haben am Samstagabend dagegen stets Schiffbruch erlitten. Denn die Jungen im Alter von 14 bis 28 Jahren sitzen am Samstagabend nicht mehr vor dem Fernsehen -- höchstens sie haben gerade Liebeskummer. Für die aber machen wir freilich keine Sendungen. Also müssen wir die älteren Zuschauer bedienen. Hinzu kommt: Das Durchschnittalter der Zuschauer wird sich zu einem grossen Teil durch den eingeladenen Gast definieren. Bei Roger Federer werden mehr jüngere Zuschauer einschalten, bei Liselotte Pulver eher weniger.

Werden Sie künftig weiterhin für SF DRS als Konzepter tätig sein?

Nein, die Konzeption der Retroshow ist als einmalige Sache gedacht. Ich werde das Projekt wohl ein Jahr begleiten, sobald die Show läuft, werde ich aber aussteigen.