Herr Hahn, Sie lancieren eine zweite TV-Zeitschrift innerhalb von sechs Wochen. Haben Sie es darauf abgesehen, die bestehenden Schweizer TV-Zeitschriften in den Ruin zu treiben?
Gute Frage. Ich glaube aber, das wird mir kaum gelingen. Ich mache im Grunde genommen nichts anderes, als bislang unbesetzte Marktfelder zu besetzen. Das gilt sowohl für den Markt der 14-täglich erscheinenden Programmzeitschriften als auch für jenen der Monatspublikationen. Für mich war immer klar, dass ich im Rahmen meines Engagements in der Schweiz neben dem Premium-Produkt TipTopTV auch als Ableger einen Vierwochen-Titel am Kiosk verkaufen kann. Das kostet mich kaum Geld und Aufwand.
Werden Sie mit der Neulancierung von TVlight nicht den eigenen Titel TipTopTV kannibalisieren?
Wir können den Programminhalt von TipTopTV in hohem Umfang übernehmen. Dadurch sind wir in der Lage, ein qualitativ besseres Programm zu liefern, als Ringier mit TV4. Um nicht schon bestehende Strukturen zu kannibalisieren, war ich gezwungen, TVlight schnell zu lancieren. Denn nach nur drei Ausgaben von TipTopTV kann ich mir selbst noch nicht viele Leser entreissen. Der Marktführer TV4 ist im Gegenzug für mich ein idealer Kandidat für eine Attacke, ebenso hoffe ich natürlich auch, Tele Abonnenten entreissen zu können.
Sind die Renditen hierzulande denn trotz den vielen Neulancierungen immer noch höher als in Deutschland?
Wir kennen in Deutschland keine TV-Zeitschriften im Hochpreissegment. TV Spielfilm, ein hochwertiges Premium-Produkt, kostet gerade mal 1.45 Euro. In der Schweiz werden Zeitschriften wie Tele, das meines Erachtens nicht viel darstellt, zu ähnlich horrenden Preisen verkauft. Dazu kommt: Als Verleger muss ich im 'Abo-Land' Schweiz bloss jene Produkte drucken, die dann auch verkauft werden. Das nenne ich einen guten Markt.
TipTopTV und TVlight kosten je 3 Franken. Ringiers TV2 bloss 2 Franken. Wie wollen Sie diesen gewichtigen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz wettmachen?
Wir werden unsere Preise weiter nach unten drücken: TipTopTV wird ab nächster Ausgabe nur noch zwei Franken kosten.
In der NZZ wurde die Vermutung geäussert, dass Sie als Verleger der neuen TV-Programmzeitschrift TiptopTV nur vorgeschoben wurden, weil damit Ihr Bruder sein Konkurrenzverbot umgehen kann, welches mit dem Verkauf von TV4 an Ringier festgelegt wurde. Was entgegnen Sie solchen Vorwürfen?
Der besagte Artikel ist schlampig recherchiert. Da steht etwa geschrieben, dass "Nur-TV" von mir und meinem Bruder 1997 gegründet und im Sommer dieses Jahres an den Gong-Verlag verkauft wurde. Das ist Schwachsinn! "Nur-TV" wurde vielmehr von mir allein gegründet und im Dezember 2004 verkauft. Mein Bruder war zu keiner Zeit an der Sache beteiligt. Wer mich und meinen Bruder kennt, der weiss, dass ich mich erstens für nichts vorschieben lasse und zweitens schon gar nicht Geschäfte mit ihm mache.
Ringier hat auf TipTopTV mit der Lancierung von TV2 reagiert, um Sie aus dem Markt zu drängen. Was gibt Ihnen die Sicherheit, dass Sie gegen den Medienkonzern Ringier bestehen können?
Ich habe in Deutschland gegen Verlage wie Bauer und Springer bestehen können, weil ich mich mit den Konzernen immer gut arrangieren konnte. Ich werde auch mit Ringier klar kommen. Einen Verdrängungswettbewerb wird es nicht geben, weil es im Schweizer Markt immer Platz haben wird für zwei Titel. Ringier sollte sich deshalb überlegen, sich mit mir zu arrangieren, bevor ein weiterer Neueinsteiger kommt.
Was heisst "arrangieren"? Liebäugeln Sie damit, dass ihnen dasselbe gelingt wie ihrem Bruder, nämlich, dass Sie einen ihrer Titel an Ringier veräussern können?
Grundsätzlich bin ich immer bestrebt, Geld zu machen. Ringier wird irgendwann erkennen, dass sie mich nicht loswerden, weil ich nicht von den Einkünften von TipTopTV leben muss. Ich verfüge über genügend Mittel, um -- solange nötig -- Geld in die Produkte hineinzustecken. Ausgehend von der positiven Abonnentenentwicklung -- innerhalb von vier Wochen konnten wir schon 3000 Abonnenten gewinnen -- werde ich die Titel wohl schon ab Januar profitabel führen können. Ob dann Ringier aufkaufen möchte, müssen sie schon den Herrn Werfeli fragen.
Eine letzte Frage: Wie sieht in zwei Jahren die Schweizer Presselandschaft der Fernsehzeitschriften aus?
Ende 2007 wird TipTopTV am Kiosk Marktführer sein und zwischen 30'000 und 50'000 Abonnenten besitzen. TVlight hat bis dahin TV4 überholt. Tele und TV-Star werden zwar noch am Markt sein, müssen aber im Vergleich zu heute mit einem Auflagenschwund von mindestens 35 Prozent rechnen. Wie sich TV2 entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Ich glaube, dass TV2 mit der gegenwärtigen Heftkonzeption immer hinter TipTopTV liegen wird.