Tages-Anzeiger Chefredaktor Res Strehle will die "Weltwoche"-Geschichte unter Umständen vor den Presserat ziehen. Im "Sonntag" hat Presseratspräsident Dominique von Burg die Publikation des 30-Jahre-alten Fahndungsfotos stark kritisiert. persoenlich.com hat sich mit ihm über die ganze Angelegenheit unterhalten.
Soviel ich weiss, ist noch keine Klage eingetroffen. Aber das Sekretariat kann Ihnen genauere Auskunft geben.
Wenn die Klage eintrifft, beschliesst zuerst das Präsidium, ob einzutreten ist. Wenn ja, wird das Medium (hier die "Weltwoche") gebeten, Stellung zu beziehen. Dann leitet das Präsidium den Fall an eine Kammer weiter (es sei denn, der Fall sei schon so ähnlich eingetreten. Dann behandelt ihn das Präsidium). Die Stellungnahme der betreffenden Kammer (oder des Präsidiums) wird schriftlich allen Mitglieder des Presserates unterbreitet. Wenn mindestens zwei Mitglieder es verlangen, wird der Fall ans Plenum weitergeleitet (das geschieht nur selten). Sonst ist die Sache erledigt, die Stellungnahme wird publiziert.
Sie haben sich im "Sonntag" bereits kritisch zur Publikation des 30-Jahre-alten Fahndungsfotos von Res Strehle geäussert. Warum sollte eine solche Publikation nicht erlaubt sein?
Die Aufmachung der Fahndungsbilder auf der Frontseite war für mich völlig unverhältnismässig. Man kann sich sogar fragen, ob die Geschichte überhaupt gerechtfertigt war. Was ist der Zusammenhang zwischen diesen "Jugendsünden“ und der jetzigen Funktion des Herrn Strehle? Wenn keiner besteht, hätte ein "Recht auf Vergessen“ walten müssen.
Es ist nicht meine Rolle, Herrn Strehle irgendeinen Rat zu erteilen.
Noch ein Wort zum Presserat. Wieviele Fälle behandeln Sie eigentlich jährlich?
2012 haben wir 78 Fälle behandelt. Das liegt etwas über dem Durchschnitt der letzten Jahre.
Interview: Matthias Ackeret