«Ich will intelligenten, unterhaltsamen Boulevard machen»

Sonntags-Blick - Christian Dorer, derzeit Chefredaktor der «Aargauer Zeitung», wechselt zurück zu Ringier. Per 1. Februar 2017 wird er Chefredaktor des «Sonntags-Blick». Warum hat er unterschrieben? persoenlich.com hat nachgefragt.

Herr Dorer, warum wechseln Sie vom Aargau nach Zürich?
Ich halte es mit dem Sprichwort: «Man soll gehen, wenn’s am schönsten ist.» Ich habe acht unglaublich spannende, herausfordernde Jahre bei der «az Nordwestschweiz» erlebt – und danke Verleger Peter Wanner für das Vertrauen und den Mut, den er hatte, mich als 33-Jährigen zum Chefredaktor zu machen. Inzwischen bin ich einer der amtsältesten Chefredaktoren in der Schweiz. Es ist der richtige Zeitpunkt, etwas Neues anzupacken.

Die SonntagsZeitung und die NZZsS schrieben, es habe lange Verhandlungen gegeben. Was war das ausschlaggebende Argument, dass Sie den Vertrag unterschrieben haben?
Der Reiz, den grössten Sonntagstitel zu führen. Ich bin mit Leib und Seele Journalist und Chefredaktor, ich freue ich mich darauf, relevanten, intelligenten und unterhaltsamen Boulevard zu machen. Dazu kommt: Ich war schon mal fast zehn Jahre lang bei Ringier, in verschiedenen Funktionen, vom Journalistenschüler zum stellvertretenden Chefredaktor. Ich habe das Haus in allerbester Erinnerung und immer gesagt, ich könne mir eines Tages eine Rückkehr vorstellen.

Sind Sie in Ihrer neuen Funktion dem «Blick»-Chefredaktoren-Duo Röthlisberger/Mayer unterstellt oder Wolfgang Büchner?
Wolfgang Büchner, mit direktem Draht in publizistischen Fragen zu CEO Marc Walder.

Warum war es Ihnen wichtig, Chefredaktor des SoBli zu werden und nicht Kanalverantwortlicher des SoBli?
Diese Frage hat sich gar nie gestellt: Ich wurde als Chefredaktor angefragt.

Wird es unter Ihrer Leitung wieder eine SoBli-Redaktion geben oder werden Sie mit allen Newsroom-Journalisten zusammenarbeiten?
In den kommenden Monaten werden Gespräche zu dieser Frage stattfinden.

Werden Sie weiterhin mit dem Bus durchs Land fahren und Leserwanderungen durchführen oder welches ist Ihre Strategie für Nähe zu den SoBli-Lesern?
Dass ich einen Tag pro Monat beim Regionalbus Lenzburg im Linienverkehr fahren darf, war bei allen meinen bisherigen Stellen Anstellungsbedingung - so auch jetzt. Bei der az habe ich unter anderem das Leserwandern eingeführt, den az-Wahlkampfbus und grad diesen Sonntag die erste az-Oldtimer-Tour durch den Aargau. Solche Leseraktionen halte ich für enorm wichtig und möchte dies in ähnlicher Form auch beim «SonntagsBlick» machen.

Und worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf die Menschen! Auf meinen Stellvertreter Philipp Mäder, auf Katia Murmann, auf alle Kolleginnen und Kollegen, mit denen es ein Wiedersehen gibt oder die ich neu kennen lernen werde. Die Menschen jedoch sind es auch, die mir den Abschied bei der az schwer machen: Ich habe hier ein fantastisches Team – und das ist das Wichtigste überhaupt, wenn man guten Journalismus machen will. (eh)