Beat Schlatter, Sie werben neu für ricardo.ch. Warum setzen Sie sich für das Onlineverkaufsportal ein?
Gehe ich für einen Einkauf ins Warenhaus, erwerbe ich immer noch andere Dinge, die ich eigentlich nicht brauche. Bei ricardo.ch passiert mir das nicht. Ich wähle gezielt ein Produkt aus, das mir danach nach Hause geliefert wird.
Sie weisen im Spot darauf hin, dass heute ein Grossteil der angebotenen Produkte neu ist. Dieser Imagewechsel von Ricardo dürfte Ihnen doch eigentlich eher weniger gefallen, lieben Sie doch gerade die Atmosphäre in Brockenstuben. Schliesslich heirateten Sie vor rund einem Jahr in einem Altwarenladen...
Geheiratet haben wir in der Brockenstube in Dübendorf, weil uns dort ein Angebot unterbreitet wurde, welches wir finanziell bewältigen konnten. Finden Sie einen Ort, an dem 500 Gäste feiern können und die Miete Sie nicht ruiniert! Im Nachhinein war die Brockenstube aber auch sonst die perfekte Wahl: Die Leute deckten sich ein mit alten Perücken und fingen an zu schauspielern...
Also haben Sie gar keine Vorliebe für alte Gegenstände?
Die Mischung macht es aus. Gerade beim Einrichten finde ich schön, wenn man Möbel verschiedener Orte und Epochen kombiniert. Zudem gefällt mir lang nicht alles Alte. Technische Geräte beispielsweise kaufe ich nicht Occasion. Einen Gegenstand schliesse ich nur dann ins Herz, wenn er in mir emotional etwas auslöst, mich an eine Person oder an ein Erlebnis erinnert oder mir in seiner Funktion das Leben erleichtert.
Hohe Wellen warf Ihr Werbeauftritt für das Bundesamt für Gesundheit. Sie zeigten, wie man sich vor der Schweinegrippe schützen kann. Nicht alle fanden Ihre Rolle komisch. War dieser Auftritt rückblickend ein Fehler?
Nein. Ich würde es wieder machen. Man wusste nicht, wie schwer die Schweinegrippe die Schweiz treffen würde. Dass man die Leute aufklärte, wie sie sich schützen konnten, fand ich richtig und wichtig. Als Komiker konnte ich diesem ernsten Thema auch etwas Leichtigkeit verleihen und den Leuten helfen, die Angst etwas zurück zu drängen.
Auch nächste Woche überraschen Sie wieder in einer neuen Rolle. Sie moderieren die Sendung "glanz & gloria" auf SF1. Wie lange mussten die Fernsehverantwortlichen Sie dazu überreden?
Nicht lange. Zwar hoffte ich immer auf eine Anfrage der "Tagesschau". Die kam aber nie. Darum packte ich die Chance beim Kragen und sagte für die People-Sendung sofort zu.
Und im Ernst?
Ich und weitere Gastmoderatoren ersetzen Nicole Berchtold während ihres Mutterschafturlaubes. Diese Idee finde ich gut. Zudem arbeitete ich bisher noch nie in einem Büro. Diese Herausforderung reizte mich. Für die "Tagesschau" fehlt mir wohl eher die Glaubwürdigkeit deshalb käme das für die Macher aber auch für mich sicher nie in Frage.
Sie haben bereits einen Probetag hinter sich. Wie lief es?
Es war sehr spannend aber auch gewöhnungsbedürftig. Immer einen Chef im Nacken zu haben, ist schon speziell. Beim ersten Privattelefon nickte er mir noch freundlich zu, beim zweiten jedoch tippte er schon auf seine Uhr und ab dem dritten gab ich ihm wahrscheinlich schon ziemlich auf die Nerven...
Sie lieben das Bodenständige. In der People-Sendung "glanz & gloria" geht es um seichte Themen wie Cüpli-Partys und Promiflausen. Stinkt Ihnen das nicht?
Ehrlicherweise habe ich diese Seite auch in mir. Zwischendurch finde ich solche Stelldichein ganz amüsant. Feiere ich mit einem Film oder Stück Premiere veranstalte ich solche Partys ja auch selbst und bin froh, wenn sich die Gäste amüsieren. Durch meine Vorbereitungen für "glanz & gloria" weiss ich heute sogar, wie die amtierende Miss Schweiz heisst und wer weiss, vielleicht lerne ich auch noch Miss Molly oder Miss Pantoffel kennen. (Lacht).
Wie moderieren Sie?
Ich werde in erster Linie den Auftrag eines Moderators erfüllen. Das heisst, ich werde mich selbst zurücknehmen und auf das hinweisen und "glustig" machen, was im nächsten Beitrag kommt. Natürlich wird dazwischen etwas Beat Schlatter durchschimmern. Aber ich versuche wirklich, in die Rolle des Moderators zu schlüpfen.
Und wie gefallen Sie sich dabei?
Ich möchte nicht Moderator sein und auch meine Freunde sind es nicht. Ein Moderator ist vor allem Verkäufer. Ich selbst interessiere mich mehr für Menschen, die etwas selber herstellen, selber erfinden oder erschaffen. Sie sind die wahren Künstler und haben für mich die grössere Kraft.
Sie beklagten in einem Interview, dass Sie nicht einmal auf dem Friedhof in Ruhe gelassen werden. Durch Ihre Rolle als SF-Moderator steigern Sie Ihren Bekanntheitsgrad zusätzlich. Ein Problem?
Nein. Natürlich nicht. Ich stehe seit 30 Jahren in der Öffentlichkeit und bin auf das Publikum angewiesen. Ich finde Prominente, die sich darüber beklagen, dass Sie immer angesprochen werden, schräg. Vermutlich haben sie irgendein psychisches Problem. Auf dem Friedhof vor einem Grab angesprochen zu werden ist aber schon etwas seltsam.
Ihre Hochzeit schirmten Sie aber ab. Es gab keine Bilder in der Boulevard-Presse und bei "glanz & gloria"...
Das war auch richtig so. Nur weil man prominent ist, muss man nicht sein ganzes Leben mit der Öffentlichkeit teilen. Auch hier muss das Mass stimmen. Bei Nella Martinetti beispielsweise wusste man am Schluss gar nicht mehr, warum sie prominent war. Ihre Arbeit rückte total in den Hintergrund, gesprochen wurde nur noch über ihr Privatleben. Das ist sicher nicht gut.
Worüber soll man über Sie sprechen in Zukunft?
Ich spiele im Film "Himmelfahrtskommando" von Denis Ledergerber eine ernste Hauptrolle. Im Herbst kommt der Film in die Schweizer Kinos.
Interview: Christine Schnyder, Bild: Filipa Peixeiro.
Beat Schlatter startet am Montag, 26. März 2012, 18.40 Uhr bei "glanz & gloria". Sein Engagement als Gastmoderator endet am Freitag, 30. März 2012.