Herr Estermann, gemäss einem Artikel im "Tages-Anzeiger" vom 5. März stehen auf Initiative von Christine Maier, Chefredaktorin des "SonntagsBlick", Änderungen im Newsroom an. Können Sie dies bestätigen?
Der Newsroom der Blick-Gruppe besteht nun seit vier Jahren. In dieser Zeit wurden bereits laufend Anpassungen und Optimierungen vorgenommen. Dies geschieht in allen Newsroom und in allen Medienunternehmen. Als Ringier-CEO Marc Walder 2010 den Newsroom eröffnete, sagte er den versammelten Mitarbeitenden: "Der Newsroom ist kein starres, statisches Gebilde, sondern eine flexible und agile Redaktionsform, die sich den technologischen Entwicklungen und den Bedürfnissen der Leser und User konstant anpassen wird." Insbesondere unsere Chefredaktoren haben die Aufgabe, die Ressourcen des Newsrooms möglichst effizient zu nutzen und neue Ideen einzubringen, welche die Blick-Gruppe voran bringen.
Trotzdem die Frage: Wird die Newsroom-Struktur aufgeweicht?
Nein, wie bereits erwähnt: Die Struktur wird laufend optimiert. Dies geschah auch bereits in den vergangenen Jahren. Jeder Newsroom muss sich weiterentwickeln. Die Funktion dieser Redaktionsstruktur ist und bleibt es, eine koordinierte Produktion aller Blick-Kanäle zu gewährleisten.
Christine Maier wünscht sich für den "SonntagsBlick" ein eigenes Team. Inwieweit wird ihrem Wunsch entsprochen?
Die Sache ist die: Publishing-Chef Florian Fels hat alle Chefredakteure der Blick-Gruppe zu einem Arbeitsmeeting geladen. Dieses wird voraussichtlich anfangs April stattfinden. Dannzumal werden erstmals alle neuen Chefredaktoren der Blick-Gruppe im Newsroom gemeinsam an einem Tisch sitzen. Rüdi Steiner, neuer Chefredaktor von Blick.ch, fängt ja anfangs April an. Dann wird die Zusammenarbeit und das konkrete Setup besprochen.
Auch von einem Anstellungsstopp ist in dem Artikel die Rede. Steht eine Sparrunde an?
Nein, es gibt keine Sparrunde.
Die Blick-Gruppe hat mit Christine Maier und René Lüchinger kürzlich zwei neue Führungskräfte erhalten. Wie haben sich diese eingelebt? Wie ist man in der Konzernführung mit ihrer bisherigen Performance zufrieden?
Wir sind mit der Arbeit der neuen Führungs-Crew im Blick-Newsroom sehr zufrieden - das gilt auch für die Ressort-Leiter.
Der "Blick am Abend" ist seit vergangenem Dezember auch online präsent. Täuscht unser Eindruck, dass die Zahl der Eigenleistungen bereits deutlich abgenommen hat?
Das Gegenteil ist der Fall. Erst seit Anfang Februar sind alle neuen Mitarbeiter an Bord. Wir suchen die gute Mischung zwischen journalistisch schnellen Artikeln und solche, die mehr Zeit und Sorgfalt benötigen. Insgesamt hat der Output an eigenen, Blickamabend-typischen Geschichten deutlich zugenommen.
Wie viele Redaktoren kümmern sich exklusiv um den Content auf der Seite?
blickamabend.ch kann - wie die anderen Blick-Titel auch - auf einen Grossteil der Newsroom-Journalisten zugreifen. Exklusiv für die junge Online-Plattform arbeitet ein Kernteam, das die Stossrichtung und den Spirit der Site genau kennt.
Wie gross ist dieses Kernteam?
Das behalten wir für uns.
Wie wird die Seite beworben? Um ehrlich zu sein, gerät sie auch bei uns auf der Redaktion immer wieder in Vergessenheit. Sie hat sich noch nicht zur Pflichtbesuchsseite entwickelt.
Zielpublikum von blickamabend.ch sind ja vor allem eher jugendliche Pendler. Diese Zielgruppe wird sehr gut erreicht. Von der Plattform aus können spannende, interessante und lustige Artikel weiter geteilt und verlinkt werden. Das ist die beste Werbeform aller. Ausserdem dient auch die Printversion von "Blick am Abend" dazu, das Portal immer wieder in Erinnerung zu rufen.
Stimmt die vom "Tagi" kolportierte Zahl von 30'000 Seitenaufrufen pro Tag im Februar für Blickamabend.ch?
Erstens ist diese Zahl falsch. Zweitens, wie Sie wissen, kommunizieren wir keine Zahlen. Was ich dazu aber festhalten kann, ist, dass unser Traffic auf der Plattform drei Mal höher liegt als im Businessplan vorgesehen. Im Übrigen erfolgen mehr als 80 Prozent der Zugriffe mobil. Und genau das war auch unser Ziel.
Wie läuft das Native Advertising auf der "Blick am Abend"-Website? Wird dies bald auch auf Blick.ch angewendet?
Mit Migros, Ford, Dosenbach/Ochsner Sport, Scout24, Graubünden Tourismus, konnten wir bereits sehr namhaften Kunden für die Werbeform des Native Advertisings gewinnen. Einige grosse und innovative Kunden sind von der Form begeistert und haben uns bereits fix in ihre Jahresplanung aufgenommen. Der Start ist also mehr als geglückt. Eine Anwendung auch auf Blick.ch steht derzeit nicht zur Diskussion.
Fragen: Adrian Schräder & Lukas Meyer