"Weltwoche"-Journalist Urs Paul Engeler ist am Freitag vor Gericht in Bern vom Rassismusvorwurf freigesprochen worden. Der Freispruch erfolgte, weil Engeler die inkriminierten Textpassagen gar nicht selber verfasst hatte. Auch nach dem Urteil des Berner Einzelrichters ist deshalb offen, ob die von der Produktionsabteilung der "Weltwoche" verfassten Passagen allenfalls rassistisch sein könnten. Darin werden mit den Rätoromanen Adjektive wie erpresserisch, fanatisch und räuberisch in Verbingung gebracht.
Der Artikel thematisierte die angebliche Subventionsjägerei der Rätoromanen. Er wurde am 14. September 2006 in der "Weltwoche" publiziert. Schon bei einer ersten Verhandlung im Dezember hatte Engeler angegeben, die umstrittene Textpassage im Vorspann sei seinerzeit von der Produktionsabteilung und nicht von ihm verfasst worden. Sein ursprünglicher Vorspann habe anders gelautet.
Abklärungen hätten inzwischen ergeben, dass Engelers Aussagen stimmten, sagte der Einzelrichter am Freitag bei der Urteilsbegründung. Tatsächlich habe der von Engeler ursprünglich verfasste Vorspann ganz anders gelautet und keine möglicherweise rassistischen Elemente enthalten.
Dass Engeler den von zuständigen Produzenten umgeschriebenen Vorspann erst beim Erscheinen des Artikels in der "Weltwoche" gesehen habe, sei glaubhaft. Der Journalist sei deshalb freizusprechen. Engeler erhielt vom Gericht eine Entschädigung von 2500 Franken zugesprochen.
Engeler zeigte sich nach der Urteilseröffnung "nicht hundertprozentig zufrieden". Er hätte eigentlich einen Freispruch "für den gesamten Text" gewollt. Nun sei aber die Sache wohl noch nicht vom Tisch. Das Verfahren gegen Engeler (Bild) ausgelöst hatte eine Strafanzeige des Vereins Surselva Romontscha. Dieser nahm aber dann nicht als Privatkläger am Prozess teil. (sda)