Ende 2006 kündigte das Schweizer Fernsehen an, den Tarif der freien Kameraleute ab dem 1. Januar 2007 um 5 Prozent zu reduzieren. Der Verband der Schweizer Kameraleute ENG-Schweiz äusserte damals seinen Unmut und suchte das Gespräch mit der SF-Tochtergesellschaft. Gleichzeitig reichte der ENG eine Anzeige bei der Wettbewerbskommission (Weko) gegen das Schweizer Fernsehen ein.
Der Vorwurf des ENG: SF missbrauche seine marktbeherrschende Stellung, in dem der ab 1. Januar 2007 geltende Vertrag mit den freien Produktionsfirmen schlechtere Konditionen vorsehe als die bisherige Vereinbarung. Ausserdem diskriminiere das SF die freien Produktionsfirmen, indem die konzerneigene tpc AG bevorzugt behandelt werde.
Weil die Gespräche zwischen ENG und SF nicht zur Einigung in den strittigen Punkten führte, musste die Weko den Fall schliesslich beurteilen. Im Schlussbericht vom 9. Mai, der "persoenlich.com" vorliegt, stellt die Weko nun fest, "dass es keine Anhaltspunkte für eine missbräuchliche Verhaltensweise des SF vorliegen, weshalb die Frage nach dem Vorliegen einer allfälligen marktbeherrschenden Stellung offen bleiben kann." Aus diesem Grund stellt die Weko die Vorabklärungen ein.
Die Vorabklärung der Weko hat zwar gezeigt, dass die tpc vom SF attraktivere Konditionen erhält als die freien Produktionsfirmen. Diese unterschiedliche Behandlung lasse sich aber sachlich rechtfertigen. Auch in der Buchungspriorität, die SF der tpc einräumt, sieht die Weko keine unzulässige Verhaltensweise. Indem die SRG-Gruppe zuerst die konzerneigene tpc auslaste, könne der administrative Aufwand minimiert und der Ertrag des Konzerns gesteigert werden.
Aufgrund der seit dem 1. Januar 2008 gültigen neuen Konzession ist die SRG verpflichtet, einen angemessenen Teil von Aufträgen an die veranstalterunabhängige schweizerische audiovisuelle Industrie zu vergeben -- zu der auch die Mitglieder des ENG gehören -- und mit dieser eine entsprechende Vereinbarung zu unterzeichnen. Diese Vereinbarung muss bis Mitte 2008 vorliegen. Der Entscheid der Weko dürfte die Position der SRG in den laufenden Vertragsverhandlungen stärken. (sw)