Herr Forster, Sie erhalten den "Venture Leader China"-Award. Was bedeutet diese Auszeichnung?
Venture Leader bedeutet mir viel. Einerseits, weil dahinter eine breit etablierte, professionell geführte Organisation mit erfahrener Jury steckt. Das heisst, dass alle Gewinner von Venture Leader und Startup.ch hohen Kriterien genügen müssen. Die Anerkennung unserer harten Arbeit freut mich und wird unser Team weiter anspornen. Gleichzeitig geht damit eine entsprechende Aufmerksamkeit einher. Als Venture Leader sieht man das als Verpflichtung, Schweizer Unternehmen im Ausland im besten Licht zu repräsentieren und den Blick nach Aussen zu öffnen. Das war schon beim Gewinn unseres letzten Venture Leaders Awards 2013 der Fall: Noch vor Ende des Programms bin ich ins Silicon Valley geflogen und schon wenige Monate später haben wir mit einem US-Unternehmen fusioniert. Das wäre ohne Venture Leaders vermutlich nicht passiert.
Welche Benefits sind damit verbunden?
Der Austausch mit anderen Unternehmern ist der erste Benefit: Jedes dieser Unternehmen hat sich in einem bestimmten Bereich bewiesen. Man trifft auf Persönlichkeiten unterschiedlichster Ausprägung. Der Austausch ist erfrischend direkt. In den 10 gemeinsamen Tagen lernt man sich kennen. Und erhält oft Impulse und Ideen, auf die man so nicht käme. Aber auch die Kommunikation rund um das Venture Leaders Programm ist wichtig. Aufmerksamkeit braucht jedes Unternehmen, und wenn diese durch den Gewinn einer Auszeichnung erfolgt, unterstreicht das die Glaubwürdigkeit dessen, was man tut.
Das ist jedoch bei allen Awards so.
Ja aber, konkret im Fall von Venture Leaders China 2015 wird uns die Möglichkeit geboten, einen riesigen, aber sehr heterogenen Markt kennen zu lernen. Auf eigene Faust China zu erkunden und eine Expansion zu planen, wäre für ein kleines Startup eine Herkulesaufgabe.
Was erhoffen Sie sich von diesen Fördermassnahmen?
Für uns geht es darum, die Marktdynamik zu verstehen. Business folgt unterschiedlichen Spielregeln. Mentalität spielt eine grosse Rolle. So sind bereits heute in unserem Geschäft in Asien andere Partnerfirmen relevant, als zum Beispiel in Westeuropa. Auf technischer Ebene ist zudem die Great Firewall eine Herausforderung. Wie man damit umgehen kann, möchte ich gerne mit lokalen Partnern erörtern.
Ist China tatsächlich ein Markt, der im Fokus von Adello steht?
China ist bereits heute nach USA der zweitgrösste Mobile Advertising Markt der Welt. Und schliesst weiter auf. Selbstverständlich beobachten wir diese Entwicklung, da wir ja bereits erfolgreich in Asien tätig sind.
Swisscom lieferte 2014 Kapital in Höhe von rund 2 Millionen Dollar. Wo setzten Sie das Geld ein?
Das Geld wurde letztes Jahr in die Auslandsexpansion und in ein neues Datacenter in Asien investiert.
Und wie profitiert Swisscom?
Wir tauschen uns regelmässig mit Swisscom aus. Sichtbar ist lediglich der Advertising Bereich, allerdings gibt es mehrere Anknüpfungspunkte, die auf technischer Ebene angesiedelt sind.
Zwar verschieben sich auch in der CH die Werbebugdets vermehrt ins Online. Doch vor allem US-Player wie Facebook, Twitter und Co profitieren derzeit. Wie können Vermarkter und Publisher aus der D,A,CH-Region von diesem Boom profitieren? Und vor allem auch bei Mobile?
Die Verschiebung findet rascher statt, als man annehmen mag. Und nicht jeder Advertiser möchte primär auf Facebook oder Google werben. Das ist die Chance für lokale Vermarkter und Publisher. Wir beobachten eine Verlagerung in zwei Richtungen: Einerseits steigt der Bedarf nach qualitativ richtig ausgesteuerter Werbung markant. Andererseits wird auch die Nachfrage nach Performance weiter zunehmen. Beides wird immer mehr technologisch dominiert. Es geht darum, die richtigen Nutzer im relevanten Moment zu erreichen. Einfach Inventar zu belegen, ist immer weniger hinreichend.
Mobile Werbung galt lange als fast unlösbares Problem, vor allem weil gewisse Formate die Leute schnell störten, z.B. wie Prestitial und Interstitial. Haben diese Formen weiterhin eine Berechtigung oder wo sehen Sie neue Trends?
Die grossen Formate gibt es weiterhin und diese haben auch ihre Berechtigung. Der Trend geht aber in Richtung Messbarkeit und Targeting. Das hört sich zunächst trivial an, ist es aber nicht. Wenn ich in Echtzeit messen und verarbeiten kann, welche Attribute dazu führen, dass zum Beispiel ein Kauf durchgeführt wird, kann ich auch vorhersagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit andere User sich für dasselbe Produkt interessieren werden oder eben nicht. Dies zu lösen, haben wir mit der Lancierung von AdCTRL bereits 2013 begonnen. Unsere Präzision der Algorithmen hat in den letzten zwei Jahren weiter zugenommen. Damit steigt die Relevanz von Werbung. Wenn ich gerade Lust auf Glacé habe, stört mich dann eine Cornet-Werbung wirklich noch?
Was steht nun als erstes für Sie an in Sachen China, lernen Sie chinesisch?
Wir analysieren derzeit den Markt. Welche Player sind auf Anbieter- wie auch auf der Nachfrageseite präsent und welche Technologien sind im Einsatz? Das erlaubt es uns einzugrenzen, mit welchen Firmen wir in Kontakt treten möchten? Und auch unser Angebot anzupassen. So gerne ich das würde, im gegebenen Zeitraum wird mir das Erlernen von Chinesisch nicht möglich sein. Aber ein paar Sätze - ja, das werde ich bis Oktober hinbekommen.
Fragen: Edith Hollenstein, Bild: zVg
Die 2008 gegründete Adello ist schweizweit führend in Mobile-Technologie. Zu den Kunden gehören Werbereibende verschiedener Branchen, von Retail über Luxus-Autohersteller bis hin zu Finanzdienstleistungen, also Marken und Agenturen wie GroupM, L’Oréal, Sony, BMW, Coke oder Warner Bros. Adello hat Niederlassungen in Europa, Asien und Nord Amerika. (pd)