In "Cover Me" prallen Musikwelten aufeinander

SRF - Interview mit Moderator und Mundartist Knackeboul.

Schlagerstars covern Rapsongs, Rapper covern Schlagersongs: In "Cover Me", der Sommerserie des Schweizer Fernsehens dreht sich alles um Musik. Moderiert wird die Sendung von Mundartist, Rapper und Tausendsassa David Kohler alias Knackeboul.

David Kohler, unter dem Namen Knackeboul sind sie derzeit überall zu sehen. Wieso nun auch noch der Job als Moderator der Sommerkiste "Cover Me"?

Tatsächlich hätte ich auch ohne "Cover Me" schon genug zu tun gehabt, aber die Sendung vereint meine Haupttalente: Musik machen, moderieren und Menschen begeistern.

Nun ist Ihr Job erledigt, alle Folgen abgedreht. Wie viel Arbeit steckt in der Sendung?

Wir haben einen Monat lang gedreht. Das waren sehr lange und intensive Tage.

Was sind die Voraussetzungen, damit so eine Sendung zum Erfolg wird?

Aus meiner Sicht muss sie vor allem inhaltlich was hergeben. Die Protagonisten müssen authentisch und die Musik gut sein. Dann ist natürlich wichtig, dass die Sendung einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird und das sdie Medien darüber berichten. Dann springt der Funke über.

Die Sendung könnte einen positiven Nebeneffekt haben: Sie bietet hochtalentierten, doch noch ziemlich unbekannten Acts wie Lo&Leduc oder Kiko&Boro ein grosses Schaufenster. Und auch Youtube-Phänomen Baba Uslender kann sich präsentieren. Wie kam die Auswahl der Künstler zustande?

Das ist ein weiterer Punkt, der mich am Format sehr interessiert hat: Tolle Schweizer Acts, die wegen des Genres ein Spartendasein führen, in die Öffentlichkeit rücken zu können. Die Auswahl hat das SRF getroffen, in Absprache mit der Produktionsfirma und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Musikexperten.

Wie viel wussten Sie vorher von der Schlagerwelt?

Ich wohne in Bern neben dem Restaurant Jäger. Dieses führt einmal im Jahr grosse Schlagerevents direkt vor meinem Schlafzimmerfenster durch. Daneben habe ich hin und wieder aus den Medien Namen wie Francine Jordi und Lys Assia aufgeschnappt.

Wer hat den besten Song abgeliefert?

Ich finde, es sind gleich einige Hitkandidaten unter den entstandenen Songs. Dodos Version von Lys Assias "O mein Papa" zum Beispiel ist ein Knüller.

Wie sind die Songs genau entstanden?

Die Songs sind in enger Zusammenarbeit zwischen den Musikern und den Musikproduzenten Georg Schlunegger und Fred Herrmann entstanden. Einige Musiker sind ja selber als Komponisten oder Musikproduzenten tätig, die hatten natürlich ganz konkrete Vorstellungen, was ihren Style betrifft. Andere sind vorwiegend Interpreten, da waren Inputs und Vorschläge der Musikproduzenten stärker gefragt. Der Prozess war daher bei jeder Kombination anders, aber das Ergebnis kam immer gemeinschaftlich zustande.

Sie haben Ihre eigene Sendung auf "Joiz", sie sind erfolgreicher Musiker, sie machen Workshops, treten an Firmenevents und in Theatern auf. Knackeboul ist zur Marke geworden. Was fehlt noch?

Ich will mehr Freiraum für meine Kunst haben, also fürs reine Musizieren, abgefahrene Videos machen und ekstatische Live-Shows spielen. Ein Teil davon erfülle ich mir schon, indem ich momentan z.B mit meiner Band und meinem neuen Album "Moderator" an vielen Schweizer Festivals spiele. Natürlich nehme ich aber einige Aufträge auch wahr, um Geld zu verdienen und mir somit eben diesen Freiraum zu schaffen. Zudem baut sich um mich herum langsam ein Entertainement- und Musiklabel auf, das zur Kreativ-Firma werden soll und viele Künstler aus meinem Umfeld pushen wird.

Sie scheuen auch den Umgang mit Werbung nicht. Aus Ihrer B2B-Kampagne für Teletext entwickelte sich mit dem Song "Pixelparty" gar eine Single für Ihr Album. Ganz allgemein: Was muss ein Künstler beachten, damit er sich in der Zusammenarbeit mit Werbern und Unternehmen nicht die Finger verbrennt?

Ich persönlich finde diese Zusammenarbeiten eben gar nicht so problematisch. Während viele andere Künstler den Untergang der Musikindustrie betrauern, habe ich so einen Weg gefunden, wie ich von meiner Kunst leben kann, auch wenn sie nicht kommerziell ist. Natürlich achte ich aber darauf, dass ich für eine Firma, die nicht nach meinen Wertvorstellung handelt, keine Werbung mache.

Was steht als Nächstes an?

Ich schliesse in den nächsten Tagen meine Tournee ab. Danach mache ich endlich mal drei Wochen Urlaub. Da steht erstmal ausspannen und einfach mal gar nichts machen auf dem Programm. Danach wird weiter am Format "KnackAttack" auf Joiz gefeilt und die Gründung meiner kleinen Firma Knackeboul Entertainement vorbereitet. Und in fast jeder freien Minuten arbeite ich schon an neuen Songs.

Kürzlich habe ich eine Ausgabe von "KnackAttack" gesehen, in der Sie wegen technischer Probleme mit drei Mikrofonen in der Hand moderieren mussten. Beim mir zuhause war der Ton wunderbar. Sind Sie da vielleicht von der Twitter-Gemeide, die bei Joiz ja Teil jeder Sendung ist, hinters Licht geführt worden?

Ich kann mir den technischen Fehler nicht genau erklären, denn bei mir zuhause - ich hab mir die Sendung im Nachhinenin angeschaut - hat man tatsächlich nur ein Mikro gehört. Zu unserer Twitter-Gemeide: Wir nehmen die Zuschauer, die live mit der Sendung interagieren, sehr ernst. Die dürfen mich ruhig auch mal verarschen. Ich erlaube mir ja auch permanent Scherze mit ihnen.

Zu guter Letzt: Der beste Reim auf "Cover Me"?

Wenn man etwas flexibel ist: "Laferi", also Grossmaul.

Interview: Adrian Schräder