Markus Kavka, mit "rottenegg" haben Sie diesen Frühling Ihren ersten Roman heraus gebracht. Sie beschreiben darin einen urbanen Moderator, der seinen Job beim Fernsehen, die Freundin und darauf auch die Partylaune verliert. Er kehrt zurück aufs Land zu seiner Familie und sucht im beschaulichen, vertrauten Umfeld einen neuen Weg zum Glück. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Dieses Stadt-Land-Ding ist seit langem ein Steckenpferd von mir. Ich bin in einem kleinen Dorf in Bayern aufgewachsen, bin mit 19 dort weg, um in immer noch größere Städte weiter zu ziehen. Seit 10 Jahren lebe ich nun in Berlin, besuche aber natürlich nach wie vor regelmäßig meine Eltern. Irgendwann habe ich mir unweigerlich die Frage nach meiner Identität gestellt. Wo komme ich her, wo gehöre ich hin? Wo ist das Herz, wo ist der Kopf? Ist das vermeintlich unschuldige und ruhige Landleben wirklich besser als der Großstadt-Medientrubel? Um diese Fragen herum kreist auch der Roman.
Es gibt kritische Stimmen, die sagen, Sie hätten sich von George Lindts "Provinzglück" inspirieren lassen?
Ich habe von der Existenz dieses Buchs auch erst durch so eine Schlaumeier-Rezension meines Romans bei Amazon erfahren. Von daher ist es schon mal ausgeschlossen, dass mich "Provinzglück" inspiriert hat. Vielleicht lege ich mir das Buch zu und überprüfe, inwieweit es da tatsächlich Parallelen gibt.
Möchten Sie manchmal das Rad der Zeit auch zurück drehen, zurück nach Hause gehen und einen anderen Weg einschlagen, abseits der Grossstadt-Hektik im digitalen Zeitalter?
Nein, denn ich denke nach wie vor, dass es kein Zufall war, dass ich das Landleben so schnell wie möglich hinter mir gelassen habe. Mir war es da einfach zu kleingeistig und eng. Ich bin ein Input-Junkie und brauche offenbar die Großstadt als Inspirationsquelle. Ob ich diese Frage in zwanzig Jahren noch genau so beantworte, weiß ich allerdings nicht.
Sie haben das Fach "Neue Medien" studiert, agieren auf Social-Media-Seiten wie Twitter und Facebook und machen Internet-TV. Dass Sie einen klassischen Roman schreiben passt da so gar nicht dazu? Nur schon vom Tempo her...
Das ruhige und beharrliche Arbeiten über einen längeren Zeitraum war ein prima Ausgleich zu meinem ansonsten recht eng getakteten Dasein. Ich glaube, dass es mir für ein halbes Jahr mal ganz gut getan hat, die Geschwindigkeit ein wenig rauszunehmen.
Wie nutzen Sie die neuen Medien für die Promotion des Romans?
Zur Veröffentlichung gab es jede Woche ein neues Video bei YouTube und Facebook, da haben dann Leute wie Smudo, Rod Gonzales, Sarah Kuttner, Klaas&Joko etc. Teile aus meinem Buch gelesen. "rottenegg" hat auch eine eigene Facebook-Seite, zudem mache ich die Termine meiner Lesereise über Facebook und Twitter publik.
Glauben Sie, dass es immer mehr Leuten so gehen wird, wie Ihrem Romanhelden? Dass die Menschen sich wieder nach ruhigeren Zeiten sehnen und sich der Hype ums Internet beruhigen wird?
Das kann ich, der bis vor sechs Jahren zuhause noch nicht mal einen Computer und schon gar kein Internet hatte, nicht beantworten. Wobei ich denke, dass der Hype ums Internet und neue Kommunikationstechnologien noch nicht mal richtig losgegangen ist, von Beruhigung kann also erst mal keine Rede sein.
Ist das vielleicht sogar ein geheimer Wunsch von Ihnen?
Beruhigung? Nein. Grundsätzlich ist mein Lebensmotto: Morgen ist immer besser und aufregender als heute und gestern.
Was denken Sie, wie kommuniziert der Mensch in zehn Jahren?
Wenn ich das so genau wüsste, wäre ich vielleicht jetzt schon ein gemachter Mann. Vielleicht ist in zehn Jahren endlich das möglich, worauf ich schon seit "Raumschiff Enterprise" warte: beamen.
Sie sind bei den Leuten sehr beliebt. Egal ob sie moderieren, Kolumen schreiben oder als DJ amten. Wie schaffen Sie das?
Da gibt es kein Geheimrezept. Ich mache all diese Dinge, weil sie mir Spaß machen, und ich versuche, mir bei allem stets Mühe zu geben und mir selbst treu zu bleiben.
Welches Standbein ist Ihnen am wichtigsten?
Das Fernsehding hat auf jeden Fall Priorität, weil man es am ehesten als meinen "Beruf" bezeichnen könnte. Was die anderen Beschäftigungen aber nicht unwichtiger macht, zumal sie sich alle auch gegenseitig befruchten. Kurzum: Ich muss und will das alles machen, damit mir nicht langweilig wird.
Was ist Ihr nächstes Projekt?
Diverser, noch nicht spruchreifer Fernsehkram. Und die Fortsetzung meiner Lesereise im Herbst. Danach könnte ich dann eigentlich schon an einem neuen Roman schreiben.
Interview: Christine Schnyder