Der Schlüsselinformant des Watergate-Skandals, der frühere FBI-Vizechef Mark Felt, ist am Donnerstag im Alter von 95 Jahren gestorben. Das sagten Angehörige Felts gegenüber mehreren US-Medien. Felt geht als "Deep Throat" in die Geschichte ein.
Erst im Mai 2005 hatte er enthüllt, dass er vor über drei Jahrzehnten der geheimnisumwitterte Informant diesen Namens gewesen war. Er hatte Reportern der "Washington Post" mit entscheidenden Hinweisen bei der Aufdeckung der Vergehen des früheren republikanischen US-Präsidenten Richard Nixon geholfen.
Bob Woodward und sein Journalisten-Kollege Carl Bernstein hatten aufgedeckt, dass Helfer Nixons 1972 in das Wahlkampfhauptquartier der Demokraten im Watergate-Hotel von Washington eingebrochen waren, um das Büro neu zu verwanzen. Nixon musste deswegen 1974 zurücktreten.
Den Übernamen "Deep Throat" hatte Felt von Konkurrenten der beiden Reporter erhalten. "Tiefer Schlund" ist eine Bezeichnung für Oralsex und ist der Titel eines Sex-Films, der in den Siebziger Jahren in den USA Furore machte. Zudem beschreiben US-Journalisten vertrauliche Hintergrundgespräche als "on deep background".
Bin kein Held
Die "berühmteste anonyme Quelle der amerikanischen Geschichte" sei gestorben, würdigte Woodward Felt am Freitag. Er betrachte sich nicht als Held, sondern als "Helfer", hatte Felt 2005 erklärt. Felt hatte "Woodstein", wie das junge Reporter-Team in der "Washington Post" gerufen worden war, bei geheimen Treffen in einer dunklen Tiefgarage mit den entscheidenden Tipps versorgt, um den Watergate-Skandal aufzudecken.
Felts Gesicht blieb dabei im Dunkeln - seine Identität ebenfalls. Den beiden Reportern hatte er das Versprechen abgenommen, seine Identität erst nach seinem Tod preiszugeben.
Fahne in der Blumenkiste
Der Kontakt wurde hergestellt, indem Woodward eine Fahne in eine Blumenkiste auf seinem Balkon steckte - telefonieren war zu gefährlich. Felt wiederum schaltete eine Kleinanzeige in der "New York Times", aus der die Reporter den Zeitpunkt des Treffens herauslesen konnten.
Felt habe versucht, die US-Bundespolizei FBI davor zu schützen, durch Nixon politisch instrumentalisiert zu werden, hatte Woodward einst über seinen Informanten geschrieben. "Er hatte nichts als Verachtung für das Weisse Haus von Nixon und dessen Versuche übrig, das FBI für politische Zwecke zu missbrauchen."
Das Weisse Haus hatte auf Anordnung Nixons versucht, die FBI-Untersuchung zum Watergate-Einbruch zu torpedieren. So befahl es dem FBI, die Finger von weiteren Untersuchungen zu lassen. Die CIA übernahm, Dokumente und Zeugen verschwanden.
Tonbänder brachen Nixon das Genick
Felt half den Reportern, die Mitwisser und Helfershelfer Nixons zu identifizieren und die richtigen Fragen zu stellen. Schliesslich musste ein Anwalt Nixons zugeben, dass auf den Tonbändern des Weissen Hauses eine Anweisung Nixons, die Spuren zu verwischen, aufgezeichnet worden war.
Nixon stürzte, Woodward und Bernstein erhielten den Pulitzerpreis und wurden ein Vorbild für ganze Journalisten-Generationen - und Felt? Er schwieg - fast bis zu seinem Tod. (sda)