Inserat von SGB abgelehnt

Blick - Rechtsberater riet von Publikation ab.

Der "Blick" hat ein Inserat des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB zur kommenden Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform II abgelehnt. Im Inserat unter dem Titel "Schön blöd: Media Markt ist sauer" wollte der SGB zeigen, wie der Elektronikriese von der Reform doppelt profitiert. Die Zeitung lehnte das Inserat ab, nachdem es "bereits gebucht und bestätigt war", wie Kampagnenleiter Pietro Cavadini gegenüber "Sonntag" erklärt.

Cavadini bezeichnet das Verhalten des "Blick" als Medienskandal. Die Zeitung habe ihren politischen Kurs zur Unternehmenssteuerreform II "feststellbar geändert". Dies sei zulässig, weil es zur Pressefreiheit gehöre. "Wird aber zusätzlich der gekaufte Raum für die Gegner beschränkt, ist das ein demokratie- und medienpolitisch heikler Vorgang", so Cavadini.

Der Kampagnenleiter des SGB unterstellt Ringier, dass man beim "Blick" das Inserat abgelehnt habe, weil Media Markt ein sehr guter Anzeigenkunde sei und das Medienhaus selbst in beträchtlichem Umfang von der Reform profitieren könnte.

'Spekulationen völlig absurd'

Verlagsleiter Thomas Passen erklärt Cavadini in einem Schreiben, dass der Rechtsberater von Ringier von einer Veröffentlichung abgeraten habe. Alle anderen Spekulationen seien "völlig absurd". Chefredaktor Bernhard Weissberg antwortete dem SGB-Kampagnenleiter ebenfalls: "Es gibt kein Recht, Inserate zu pubizieren, die den Verlag in rechtliche Schwierigkeiten bringen."

Ringier-Sprecher Marco Castellaneta hält gegenüber "Sonntag" fest, dass die Anzeigenleitung verpflichtet sei, ""Anzeigen mit Inhalten zu politischen Themen, persönlichkeitsverletzendem Inhalt oder anderen heiklen Themen der Rechtsabteilung zur Prüfung vorzulegen". Der Rechtsberater habe von einer Veröffentlichung abgeraten, "da sie persönlichkeitsverletzend sein könnte".