Internationale Aufmerksamkeit für ein "Fuck you"

Tages-Anzeiger - Interview mit "Game of Thrones"-Schöpfer George R.R. Martin wird zum viralen Hit.

Den Besuch von George R. R. Martin am Neuchâtel International Fantastic Film Festival (NIFFF) nutzte die Kulturredaktion des "Tages-Anzeigers" für ein Video-Interview mit dem Schöpfer von "Game of Thrones".

Unter anderem sprach Redaktor Philippe Zweifel den Autor auf die Besorgnis der Fans um seinen Gesundheitszustand und die damit zusammenhängende Befürchtung an, er könne sein Werk nicht mehr vollenden. Die Antwort war deutlich. "Fuck you to those people", sagte Martin, und verdeutlichte seine Worte mit einer obszönen Geste.

Die Redaktion stellte daraufhin nicht nur das Video mit dem Interview online, sondern auch den entsprechenden Ausschnitt mit einer kurzen englischen Erklärung. Und dieses Video ging um die Welt: Von "Forbes" über "Guardian" und "Gawker" bis zu diversen Blogs berichteten die Medien. Ausserdem war die Story zwei Tage lang Nummer 1, obwohl sie nie auf der Frontseite war.

Traffic über Reddit
Es ist nicht das erste Mal, dass dank geschicktem Einsatz von Social Media eine Geschichte viral ging, erklärt Christian Lüscher, Social-Media-Verantwortlicher beim "Tages-Anzeiger". Schon "Mehr Punk, weniger Hölle!" - Constantin Seibts Porträt des Bürgermeisters von Reykjavik - ging in einer englischen Übersetzung um die Welt und taucht auch Monate nach Erscheinen immer wieder in den Top 50 der bestgeklickten Artikel auf.

Wie das geht, erklärt Lüscher auf Storify. Ein Post auf Reddit brachte die Sache ins Rollen, gezielte Werbung auf Facebook sorgte für weitere Klicks. Ausserdem wurden gezielt Fans und Blogger kontaktiert. Immer mehr internationale Medien nahmen die Story auf, es entstand sogar ein Meme: 

Dank Pre- und Post-Rolls im Video konnte der Traffic sogar monetarisiert werden. Und die Marke "Tages-Anzeiger" war so auf der ganzen Welt im Gespräch. “Eine Zeitung sollte doch Debatten anstossen, auch international. Das probieren wir auf diese Weise”, meint Lüscher. (lmy)