Interview in der "Weltwoche"

Kachelmann - Chefredaktor Roger Köppel nimmt Stellung.

Die Diskussion über das 10-seitige Kachelmann-Interview in der aktuellen Weltwoche gehen weiter. Darf man das? Interviewer Roger Köppel, der gleichzeitig als Verleger und Chefredaktor des Blattes amtet, nimmt gegenüber "persoenlich.com" Stellung:

Herr Köppel, Ihr 10-seitiges Interview mit Jörg Kachelmann sorgt für einiges Aufsehen. Haben Sie Kachelmann und seiner Sichtweise in Ihrem Blatt nicht zu viel Platz eingeräumt?

Nein. Der breit abgehandelte Fall Kachelmann hat meines Erachtens Züge eines Justizskandals. Trotz schwerwiegenden Ungereimtheiten in der Aussage der Anklägerin wurde Kachelmann der Prozess gemacht. Die Staatsanwälte sind mit nachweislich falschen, vorverurteilenden Aussagen an die Öffentlichkeit gegangen. Die Klägerin kommt trotz Falschaussagen davon. Auch nach Meinung unseres Gerichtsreporters Alex Baur hätte nie ein Verfahren eröffnet werden dürfen. Der Fall Kachelmann zeigt: Im Sexualstrafrecht ist der Rechtsstaat für den Mann teilweise ausser Kraft. Dieses relevante Thema wollte ich nach vorne bringen. Die Weltwoche ist bekannt für ihre kritische Sicht, auch und gerade in Fragen der Justiz.

Kachelmann wirkt in Ihrem Interview sehr verbittert. Hatten Sie auch diesen Eindruck?

Diesen Eindruck hatte ich nicht. Kachelmann musste während Monaten hilflos mitansehen, wie nicht nur die Justiz, sondern auch zahlreiche Medien Spekulationen und Wertungen über seinen Charakter verbreiteten, obschon er nicht wegen seiner früheren Beziehungen, sondern wegen einer angeblichen Straftat vor Gericht sass.. Das Ausmass an Moralismus und Heuchelei war zeitweise nicht mehr zu überbieten. Ich war selber erstaunt, wer sich da alles zu Wort meldete. Hat man eigentlich auch seine Kindergartenkollegen und die Haustiere seiner Nachbarn interviewt? Ich finde es nachvollziehbar, dass Kachelmann, der bisher fast nichts sagte, eine paar Dinge zurechtrücken wollte.

Haben Sie eine Ahnung, warum er gerade die Weltwoche als einzige Schweizer Zeitung für dieses Interview auswählte?

Ich kannte Jörg Kachelmann kaum, in Deutschland hatten wir uns nie getroffen, nur einmal kurz in der Schweiz. Ich habe ihm vor Monaten eine E-Mail geschickt. Irgendwann kam das Okay. Wichtig: Weder die Zeit noch die Weltwoche haben auch nur einen Rappen bezahlt für dieses Interview, obschon Kachelmann von anderen Verlagen sicher sehr viel Geld hätte bekommen können und dieses Geld auf Grund seiner strapazierten finanziellen Lage – die Verteidigung war sehr teuer – wohl auch hätte gebrauchen können.

Kachelmann attackiert in Ihrem Interview nicht nur die Polizei und die Justizbehörden, sondern auch seine ehemaligen Schweizer Journalistenkollegen Roger Schawinski, Peter Rothenbühler und Nik Niethammer. Gehört dies wirklich in die Zeitung?

Es gilt in demokratischen Gesellschaft der bewährte Grundsatz von Rede und Gegenrede. Meines Wissens hat nicht Jörg Kachelmann mit Artikeln oder Aussagen über den Charakter seiner Kollegen angefangen.

Welche Reaktionen bekamen Sie persönlich auf das Gespräch?

Viele, vor allem auch aus Deutschland.

Glauben Sie, dass der “Fall Kachelmann” damit beendet ist?

Das weiss ich nicht. Ich hatte den Eindruck, es ist Jörg Kachelmann ernst mit seiner Aussage, dass er den Fall juristisch nachbearbeiten und vor allem die Klägerin vor den Richter bringen wolle. Er werde alles machen, was den Anwälten einfalle, sagte er mir.

Interview: Matthias Ackeret