Irreführung beim "Samschtig-Jass"?

SF DRS - Schiedsrichter leistet Promis versteckte Hilfe.

Das Schweizer Fernsehen DRS spielt beim "Samschtig-Jass" nicht mit offenen Karten: Schiedsrichter Ernst Marti zücke bei Bedarf für die geladene Prominenz die richtige Jasskarte, wie die SonntagsZeitung aufdeckte. "Wenn prominente Leute den Jass weniger gut beherrschen, helfe ich ihnen", bestätigt Marti gegenüber SoZ. "Ich zeige mit dem Finger auf die entsprechende Karte". Marti greift nach eigenen Angaben in jedes 10. bis 15. Spiel ein. "Ich schaue aber immer, dass der unterstützte Jasser nicht gewinnen kann." Geholfen hat Schiedsrichter Marti gemäss SoZ u.a. Radquer-Schweizer-Meister Christian Heule sowie Schlagersängerin Paloma Würth. Von den "Tipps" (O-Ton SF DRS), die auch mal "kurzfristig" erfolgen können, merkt das Schweizer Fernsehpublikum nichts.

Die versteckte Spielhilfe stösst auf Kritik. "Dem TV-Publikum wird etwas vorgegaukelt, was nicht ist. Das ist zwar ausserhalb des Justiziablen, aber unehrlich", zitiert die SoZ den Zürcher Rechtsanwalt Wolfgang Larese. Und Othmar Kempf, Präsident des DRS-Publikumsrates, kritisiert: "Ich empfehle SF DRS, gegenüber den Zuschauern am Bildschirm klar zu deklarieren, dass den Prominenten ab und zu geholfen wird. Oder das Fernsehen soll nur Prominente einladen, die wirklich jassen können." Für Pierre Rieder, Leiter des Sekretariats der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI), stellt sich die Frage der Transparenz beim TV-Publikum. "Dieses gewinnt den Eindruck, dass einige Prominente besser jassen, als sie es tatsächlich können." Ob dieser Punkt auch programmrechtlich relevant sei, könne nur im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens beurteilt werden.