"Jeder weiss immer alles besser"

Frank Baumann - Jahre nach seinen berüchtigten Auftritten als Ventilator kehrt Frank Baumann auf den Bildschirm zurück. Der moderierende Werber bringt das Comedy-Quiz "Genial daneben" in die Schweiz. Baumann scheut einen Vergleich mit der deutschen Sendung nicht: Seine Schweizer Ratefüchse seien wohl etwas weniger schrill, dafür zeigten sie bei den Aufzeichnungen viel Wortwitz und Sinn für haarsträubende Geschichten. Die Chance, dass die Kritik an "Genial daneben" hart ausfällt, hält Baumann für sehr gering. Das Interview:

Eigentlich war "Genial daneben" für Sat.1 Schweiz vorgesehen, jetzt läuft die Show beim Schweizer Fernsehen. Was sagen Sie zu Ihrem Comeback bei Ihrem ehemaligen "Ventil"-Sender?

Das ist natürlich eine wunderbare Geschichte. Ich kam ja dazu, wie die Jungfrau zum Kind -- also über Dritte.

Wie ist es zu Ihrem Engagement gekommen?

Hannes Britschgi, Programmleiter von Ringier TV und Adoptivvater des Schweizer "Genial daneben" fragte mich eines Tages, ob ich nicht Lust hätte, "Genial daneben" zu machen. Und da ich mich ja schon seit Jahren so benehme, fiel es mir relativ leicht, zuzusagen. Relativ, denn tatsächlich musste ich mir schon gut überlegen, ob ich den Kopf noch einmal zum Fenster raus strecken wollte. Schliesslich bringt die Popularität ja nicht nur Vorteile mit sich. Man wird so ein bisschen zum Allgemeingut und da dachte ich mir halt, dass das eventuell mit meiner Resozialisierung kollidieren könnte. Der Schritt vom Ventilator zum normalen Menschen war nicht einfach. Noch immer verwechseln viele Leute die Rolle, die ein Schauspieler am Bildschirm spielt, mit seiner privaten Persönlichkeit. Das ist natürlich besonders heikel, wenn man das "Arschloch" dermassen toll darstellte, wie ich dies tat…

Wurde die Show aus Deutschland 1:1 übernommen?

Jain. Die Spielmechanismen und Rituale sind die gleichen und das Erscheinungsbild entspricht auch demjenigen der Deutschen Version. Aber unsere Komiker, Kabarettisten und Satiriker, die ja den Reiz dieser tollen Sendung ausmachen, haben mit den Deutschen Comedians relativ wenig zu tun.

Durften Sie beim Konzept mitreden?

Erfreulicherweise war ich von Anfang an mit dabei. Zusammen mit Hannes Britschgi konnte ich auch bei den Aufnahmen der Deutschen Version mit dabei sein und vor Ort sehen, wie das Original entsteht.

"Genial daneben" ist in Deutschland sehr erfolgreich. Fürchten Sie nicht, dass die Schweizer Version an diesem Erfolg gemessen wird?

Unser Team braucht den Vergleich mit den Comedians aus der Deutschen Bananenrepublik nicht zu scheuen. Sie sind vielleicht etwas weniger schrill und überdreht, als unsere Nachbarn, dafür zeigten sie bei den Aufzeichnungen viel Wortwitz und Sinn für haarsträubende Geschichten. Wir alle waren sehr positiv überrascht, wie schnell sich unsere Leute in das Format einzuleben vermochten, das ja nicht davon lebt, dass man die Lösung auf die Fragen weiss, sondern dass rasende Erklärungen erfunden werden.

Sie haben Emil Steinbergers Befund einer Krise des Schweizer Humors teilweise zugestimmt und von "Einflüssen aus dem benachbarten Ausland" gesprochen, wo "viel Wert auf brutale Frontalcomedy" gelegt werde, die Ihnen "zu platt" sei. Ihnen sei das Subtilere lieber. Wo schätzen Sie "Genial daneben" ein?

Es ist der subtile Humor, der den Reiz unserer Sendungen ausmacht. Die Antworten oder vielmehr eben die nicht selten sehr schrägen Geschichten, die ja freestylemässig entwickelt werden, sind witzig, schräg und pfiffig und Kleinkunst auf sehr hohem Niveau.

In der Humor-Diskussion wurde auch gesagt, dass Schweizer Komiker weniger lustig und weniger bissig als die deutschen Kollegen seien. Schlechte Voraussetzungen für eine Sendung, die von den Einfällen der Schweizer Komikergarde lebt...

Andreas Thiel, Lorenz Keiser oder Patrick Frey sind politisierte Zeitgenossen, deren scharfsinnige Denke weniger mit Komik als viel mehr mit gescheiter Satire zu tun hat.

Die Comedians müssen kniffligen Fragen oder Begriffen auf die Schliche kommen. Wie spontan sind die Rateversuche? Wird da nichts vorher geprobt?

Wer probt, kann nix. "Genial daneben" ist von A bis Z improvisiert. Die Mitspieler kennen nicht einmal die Fragen. Das ist ja exakt das Geile an diesem Format. Jede und jeder ist auf die augenblickliche Eingebung angewiesen. Und meine Aufgabe ist es, die Regie zu führen und die Qualität der einzelnen Geschichten zu erkennen, weniger humorversprechende Ansätze abzuklemmen und das Team so zu leiten, dass das Publikum zu Hause und im Studio dauernd überrascht wird.

Sie haben eine Werbeagentur, treten mit einem Bühnenprogramm auf und sind nun auch wieder beim TV beschäftigt. Sind Sie nun ein moderierender Werber oder ein werbender TV-Moderator?

Wenn ich moderiere, dann moderiere ich. Und wenn ich werbe, dann werbe ich. Wenn ich Golf spiele, bin ich auf den Ball konzentriert und wenn ich mit meiner Frau im Bett bin, dann bin ich dort. Ich versuche mich auf den Moment zu konzentrieren. Ich mache selten mehrere Dinge gleichzeitig, wobei ich auch schon mal daran gedacht habe, mich auf dem Golfplatz mit meiner Frau in die Büsche zu schlagen -- aber bei uns gibt’s ja überall Zecken.

Sie haben in Ihrer Kolumne in der Fernsehzeitschrift Tele die neue SF-Late-Night-Show "Black 'n' Blond" scharf kritisiert. Würden Sie es besser machen?

Fernsehmachen ist wie Fussballspielen. Jeder weiss immer alles besser. Ich gehe mal davon aus, dass Zubi den Ball nicht absichtlich ins Tor lässt. Und so ähnlich werden es wohl auch die Kollegen von "Black 'n' Blond" halten.

Also liegt es nicht nur Goalie, den Stürmern und dem Trainer?

Nein, es liegt auch an den Gegnern. Und so lange wir diese Fernbedienung auf dem Tisch liegen haben, heissen die Gegner halt Jay Leno, David Letterman, Harald Schmidt, Stefan Raab oder Sarah Kuttner.

Sie teilen in Ihren Fernsehkritiken hart aus. Sind sie auch hart im Nehmen, falls ihre neue Show "Genial daneben" geht?

"Genial daneben" ist bestimmt einer der besten Einkäufe, die das Schweizer Fernsehen in Sachen Comedy je getätigt hat. Und angesichts der Qualität unserer Rate-Teams ist die Chance relativ klein, dass die Kritik hart ausfallen könnte. Es wird eher das Gegenteil der Fall sein. Und darauf freuen wir uns alle.